Mit Niereninsuffizienz wird eine Unterfunktion der Niere oder auch beider Nieren bezeichnet. Dadurch kommt es zu einer eingeschränkten Ausscheidung sog. harnpflichtiger Substanzen, insbesondere Harnstoff, Harnsäure und Kreatinin, die dann – statt über den Urin ausgeschieden zu werden – in hoher Konzentration im Blut verbleiben. Um das Blut von diesen Stoffen zu befreien, wird bei Patienten mit komplettem Nierenversagen regelmäßig eine Dialyse (Blutwäsche) durchgeführt.
Als akute Niereninsuffizienz bezeichnet man die plötzliche teilweise Funktionseinschränkung oder das komplette Versagen der Nierenfunktion für einen Zeitraum von mehreren Stunden bis einigen Wochen. Oft ist die akute Niereninsuffizienz Folge einer reversiblen Nierenschädigung, z. B. durch einen Unfall, durch Gifteinwirkung oder durch schwerwiegende Infektionen.
Bei chronischer Niereninsuffizienz verschlechtert sich die Funktionsfähigkeit der Niere kontinuierlich über einen längeren Zeitraum hinweg. Meist ist eine chronische Niereninsuffizienz das Endstadium einer Nierenerkrankung, das durch eine Nierenleistung unter 15 % der normalen Funktion gekennzeichnet ist.
Laut Angaben des Statistischen Bundesamtes waren im Jahr 2000 in Deutschland ca. 53.000 Menschen auf eine Dialyse angewiesen. Im Jahr 2006 gab es rund 67.000 Dialyse-Patienten. Der Großteil der Betroffenen erhielt die Dialyse in spezialisierten Zentren. Schätzungen zufolge würde rund ein Drittel dieser Patienten von einer Nierentransplantation profitieren. Nur rund 8.000 Menschen stehen jedoch auf der Warteliste für eine Spenderniere.
Die chronische Niereninsuffizienz wird nach fünf Schweregraden unterteilt, die anhand der sog. glomerulären Filtrationsrate (GFR) festgelegt werden. Sie gibt an, wie viel Flüssigkeit in einer bestimmten Zeit von beiden Nieren gefiltert wird (Normwert 120 ml/min).
| Stadium | GFR in ml/min | Funktionseinschränkung |
| 1 | > 90 | sehr gering |
| 2 | 60-89 | gering |
| 3 | 30-59 | mittel |
| 4 | 15-29 | schwer |
| 5 | < 15 | Nierenversagen |
Antje Habekuß
28.01.09
Die akute Niereninsuffizienz bedarf bei komplikationslosem Verlauf keiner Ernährungstherapie, es sei denn, es liegt eine Mangelernährung vor. Das Ziel ernährungstherapeutischer Maßnahmen bei einer chronischen Niereninsuffizienz ist die Absenkung der harnpflichtigen Substanzen im Blut, die Normalisierung des häufig erhöhten Blutdrucks sowie die Ausschwemmung von krankhaften Wassereinlagerungen (Ödemen). Außerdem soll eine Mangelernährung vermieden und ein Fortschreiten der Niereninsuffizienz sowie Folgeerkrankungen verhindert werden.
Wichtig ist eine dem Bedarf des Organismus und der Nierenfunktion angepasste Eiweißzufuhr, da eine Eiweißeinschränkung das Fortschreiten der Niereninsuffizienz verlangsamt. Bei der Zusammenstellung einer solchen eiweißärmeren Kost sollte man möglichst hochwertige Eiweißkombinationen wählen, z.B. Kartoffel-Ei, Bohnen-Ei, Getreide-Milch. Bei einer starken Niereninsuffizienz ist die Verwendung speziell eiweißreduzierter Lebensmittel notwendig (z.B. eiweißarmes Mehl, Brot, Teigwaren). Eine solche Kost am Rande des Eiweißminimums muss jedoch streng ärztlich überwacht werden, da bei nicht ausreichender Eiweißzufuhr körpereigenes Eiweiß abgebaut wird. Um zu verhindern, dass Eiweiß zusätzlich zur Energiegewinnung herangezogen wird, ist auf eine bedarfsdeckende Energiezufuhr zu achten. Im Endstadium der Niereninsuffizienz ist eine weitere Reduktion der Eiweißzufuhr nicht mehr möglich und es muss mit einer Dialyse begonnen werden.
Patienten mit Niereninsuffizienz sollten zwischen 2 und 2,5 Liter pro Tag trinken, um die anfallenden Stoffwechselendprodukte auszuscheiden. In der Regel kann sich der Patient auf sein Durstgefühl verlassen, da eher die Tendenz zur Austrocknung als zur Überwässerung besteht. Eine Einschränkung der Natrium- bzw. Kochsalzaufnahme ist v.a. bei bestehendem Bluthochdruck bzw. bei Wassereinlagerungen notwendig. Eine pauschal verordnete natriumarme Diät kann eher zu einer Verschlechterung der Nierenfunktion führen. Während beim Nierengesunden eine reichliche Kaliumzufuhr erwünscht ist, kann dies beim Patienten mit Niereninsuffizienz (insbesondere in den fortgeschrittenen Stadien) zu einer krankhaften Erhöhung des Blutkaliumspiegels führen, was sich ungünstig auf die Herzfunktion auswirkt. Ist dies der Fall, müssen besonders kaliumreiche Lebensmittel (insbesondere pflanzliche Lebensmittel) reduziert bzw. gemieden werden. Das Kochwasser von Kartoffeln und Gemüse ist zu verwerfen.
Hier muss man zwischen der Hämodialyse („Künstliche Niere“) und der Peritonealdialyse (Blut wird durch das Bauchfell gefiltert) unterscheiden. Der Proteinbedarf der Patienten ist bei beiden Verfahren erhöht, da Aminosäuren und Peptide und bei der Peritonealanalyse auch Proteine in das Dialysat übertreten. Dabei sollten möglichst hochwertige Proteine bevorzugt werden. Eiweißzulagen sind dann meist nicht erforderlich. Die häufigste Komplikation der Peritonealdialyse stellt die Entzündung des Bauchfells dar. Aufgrund eines massiven Eiweißverlusts muss die Proteinzufuhr dann weiter angehoben werden.
Eine Einschränkung kaliumreicher Lebensmittel ist bei der Hämodialyse erforderlich. Um Wassereinlagerungen vorzubeugen, sollte nicht salzreich gegessen werden (nicht mehr als 6 Gramm Kochsalz pro Tag). Eine Einschränkung der Natrium- und Kaliumzufuhr ist bei der Peritonealdialyse hingegen aufgrund der dialysebedingten Verluste nicht notwendig. Die Phosphatzufuhr sollte bei beiden Verfahren nicht zu hoch sein. Da proteinreiche Lebensmittel meist auch einen hohen Phosphatgehalt aufweisen (phosphatarme Diät) und die Dialysekost relativ proteinreich sein sollte, ist der Einsatz von Phosphatbindern (z.B. Calciumacetat) häufig unumgänglich. Zu meiden sind Lebensmittel mit besonders hohem Phosphatgehalt (z.B. Schmelzkäse).
Der dialysebedingte Verlust an wasserlöslichen Vitaminen (v.a. Vitamine der B-Gruppe, Folsäure, Vitamin C) macht eine regelmäßige Substitution erforderlich. Um eine Blutarmut zu vermeiden, sollten Dialysepatienten sogenanntes “zweiwertiges” Eisen in Form von Tabletten zuführen.
Lioba Hofmann
28.01.09