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Partnerschaft und Familie

Wer die Diagnose MS erhält oder sich mit einem MS-Schub konfrontiert sieht, weiß i. d. R. nicht, wie sich die Krankheit entwickelt bzw. welche Folgen der Schub haben wird. Für die Betroffenen kann das sehr belastend sein. Hinzu kommen oft die Unsicherheit, wie es wohl weitergehen wird, und die Angst, dem Partner oder der Familie zur Last zu fallen.

Dabei können gerade der Partner und/oder die Familie eine Kraftquelle für Menschen mit MS sein: nämlich dann, wenn die Angehörigen ihnen zuhören, auf ihre Ängste und Bedürfnisse angemessen eingehen und zeigen, dass sie für sie da sind. Um das leisten zu können, brauchen jedoch auch die Angehörigen in vielen Fällen Hilfe und Unterstützung.

Trauer zulassen können

Viele Menschen mit MS berichten, dass sie nach der Diagnose erst einmal in ein tiefes Loch gefallen sind, traurig waren oder Angst hatten. Das ist für die Angehörigen, die auch erst lernen müssen, mit der Krankheit ihres Familienmitglieds umzugehen, i. d. R. ebenfalls eine schwierige Zeit. Sie wollen den von MS Betroffenen einerseits aufmuntern, andererseits sind sie damit oft überfordert, weil sie ebenfalls nicht wissen, was auf sie zu kommen wird.

Zu den wichtigsten Dingen in dieser Zeit – doch nicht nur dann – gehört es, im Gespräch zu bleiben. Partner und Familie sollten ihrem Angehörigen mit MS zeigen, dass sie jederzeit für ihn da sind, ganz egal, ob er reden, schweigen oder sich ausweinen möchte. Sie sollten ihm jedoch auch den Freiraum geben, sich zurückzuziehen und zu trauern, wenn ihm danach ist.

Die Angehörigen sollten – falls möglich – darauf achten, ob der Trauerprozess voranschreitet, denn es gibt auch Menschen, die darin stecken bleiben und z. B. eine Depression entwickeln. Bei dem Verdacht auf eine Depression ist es sinnvoll, einen Arzt zurate zu ziehen, denn so sehr sich die Angehörigen auch bemühen, sie können dem Betroffenen i. d. R. nicht allein helfen. Wichtig ist auch, dass sich die Angehörigen selbst Hilfe suchen, sobald sie nicht mehr können oder nicht mehr weiter wissen. Unterstützung bieten u. a. Selbsthilfegruppen für Angehörige von MS-Betroffenen, aber natürlich auch die behandelnden Ärzte des Patienten und Psychologen. Gespräche mit Freunden können ebenfalls hilfreich sein.

Auf den Partner und die Familie zugehen

Auch Menschen mit MS können ihren Angehörigen das Leben erleichtern. Diese wissen nämlich oft nicht, wie sie mit der Situation nach der Diagnose oder bei Voranschreiten der Krankheit umgehen sollen. Viele packen ihre erkrankten Angehörigen – bildlich gesprochen – „in Watte“, d. h., sie übernehmen Tätigkeiten, die die von MS betroffenen Familienmitglieder durchaus noch selbst erledigen könnten. Beispielsweise sind Angehörige von Rollstuhlfahrern oft versucht, den Rollstuhl zu schieben. Das wiederum kann dazu führen, dass Menschen mit MS einen Teil ihrer Eigenständigkeit verlieren. Deshalb sollten sie von Anfang an darauf bestehen, die Dinge, die sie selbst erledigen können, auch selbst zu erledigen. Möglicherweise gibt es zwischendurch Tage, an denen das nur eingeschränkt möglich ist. Dann ist es sinnvoll, um Hilfe zu bitten. Menschen mit MS sollten ihren Angehörigen ggf. deutlich sagen, wozu sie in der Lage sind und wozu nicht.

Eine gute Idee kann es sein, den Partner zum Gespräch mit dem Arzt oder in eine Selbsthilfegruppe für MS-Betroffene mitzunehmen. Dort erfährt der Angehörige, zu wie vielen Dingen ein Mensch mit MS in der Lage ist – trotz eventueller Bewegungseinschränkungen. Oft braucht der von MS Betroffene nur die richtigen Hilfsmittel, um genau das zu tun, was er gerne tun möchte.

Überlastung vermeiden

So belastbar viele Menschen mit MS sich auch fühlen, überlasten sollten sie sich nicht. Stress kann einen Schub begünstigen. Deshalb heißt es, im Alltag das richtige Mittelmaß zwischen Belastung und Überlastung zu finden. Und dabei kann die Familie helfen. Tätigkeiten im Haushalt z. B. sollten zwischen den Familienmitgliedern aufgeteilt werden, vor allem dann, wenn der von MS Betroffene berufstätig ist. Auch Kinder können Aufgaben im Haus übernehmen – ihrem Alter und ihrer schulischen Belastung angepasst. Dadurch lernen bereits Kinder, Verantwortung zu übernehmen. Doch sollten auch sie nicht überlastet werden. Denn oft fühlen sich bereits Kinder für die Gesundheit ihres von MS betroffenen Elternteils zuständig und machen sich vielleicht Vorwürfe, nicht genug geholfen zu haben, wenn es ihm mal nicht so gut geht. Sollte mal nicht alles klappen, wie geplant, ist Gelassenheit angesagt. Vielleicht hilft dabei der Gedanke, dass solche oder ähnliche Kompromisse auch Familien eingehen müssen, in denen niemand von MS betroffen ist.

Freiräume bewahren

Jeder Partnerschaft und jeder Familie tut es gut, wenn die Partner oder Familienmitglieder hin und wieder allein etwas unternehmen. So bewahrt sich jeder Einzelne Freiräume, kommt auf andere Gedanken oder kann sich mit anderen austauschen – auch über die MS und den Umgang damit. Auf diese Weise eröffnen sich manchmal ganz neue Perspektiven. Eigene Hobbys bringen Ablenkung und schaffen neue Gesprächsthemen. Nicht zuletzt steigert eine gewisse Eigenständigkeit gerade bei Menschen mit MS das Selbstwertgefühl und die Zufriedenheit mit dem eigenen Leben – trotz MS.

Quelle: BMS 3/12

13.01.13

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