Studie mit Brustkrebs-Patientinnen: Partnerschaftliche Entscheidungen gewünscht
31.01.10.
Gleichberechtigter Dialog zwischen Arzt und Patientin ist für viele Frauen besonders wichtig
Die Diagnose Brustkrebs ist meist ein großer Schock für die Betroffenen. Eine qualitative Studie des Instituts für Gesundheitswissenschaften der Technischen Universität Berlin hat jetzt untersucht, wie die Patientinnen die Diagnose verarbeiten und in, wie weit sie bei der Therapiewahl mitentscheiden wollen. Das Ergebnis: Ein gleichberechtigter Dialog zwischen Arzt und Patientin ist für viele betroffene Frauen besonders wichtig.
Diese emotionale Unterstützung kann die Krankheitsbewältigung deutlich verbessern. In der Praxis fühlen sich die Patientinnen jedoch oft nicht ausreichend durch den Arzt informiert und in die Entscheidungen miteinbezogen.
Manche Frauen lassen die Ärzte über den Behandlungsweg entscheiden, andere wollen bei der Therapiewahl mitbestimmen.
In der von der Deutschen Krebshilfe geförderten Studie wurden Brustkrebs-Patientinnen rückblickend zu ihrer Entscheidungsfindung bei der Therapiewahl befragt. Zudem berichteten Experten aus den Bereichen Versorgung, Rehabilitation, Beratung und Selbsthilfe über ihre Sicht auf das Verhalten der betroffenen Frauen. Fazit: Es gibt zwei Gruppen von Brustkrebs-Patientinnen: Die eine Gruppe gibt den Ärzten einen Vertrauensvorschuss und lässt sie über den Behandlungsweg entscheiden. Die anderen Patientinnen haben das Bedürfnis, sich bereits vor der Behandlung mit der Krankheit auseinanderzusetzen und bei der Therapiewahl mitzubestimmen.
„Der Stil der ersten Gruppe lässt sich als ‚handlungsorientiert’ definieren, charakterisiert durch die Aussage: ‚Sofort eingreifen!’“, erklärt die Leiterin der Studie, Prof. Dr. Ulrike Maschewsky-Schneider von der Berlin School of Public Health an der Charité. Diese Patientinnen erwarten, durch möglichst schnelles Handeln ihr Gefühl von Sicherheit zurückzuerlangen, das durch die Diagnose Krebs erschüttert ist. Ihre Entscheidungswege sind kurz, ihr Wunsch nach Information eher gering. Diese Patientinnen waren mit der Therapie überwiegend zufrieden.
Im Gegensatz dazu sahen sich die Patientinnen der anderen Gruppe sowohl von der Erkrankung als auch von der Therapie bedroht. „Sie waren eher skeptisch gegenüber der Medizin und wünschten sich, von den Behandelnden ausreichend informiert und in die Entscheidungen miteinbezogen zu werden“, erläutert Regina Stolzenberg, die die Studie zusammen mit Maschewsky-Schneider durchführte. Diese „gesprächsorientierten“ Patientinnen hätten es jedoch schwer gehabt, im Versorgungssystem ausreichende Informationen und Gesprächsmöglichkeiten zu erhalten. Dies habe dazu geführt, dass ein Teil der Betroffenen selbst aktiv wurde, um die Defizite auszugleichen: Sie erkundigten sich im Internet oder befragten Bekannte, nahmen Zweitmeinungen in Anspruch oder wechselten den Arzt oder das Krankenhaus.
„Diese Aktivitäten wirkten sich zwar positiv auf den Krankheitsverlauf aus und die Frauen waren ein bis vier Jahre nach der Behandlung zuversichtlich und emotional stabil“, erklärt Stolzenberg. „Allerdings wurde diese Eigeninitiative von den Patientinnen oft als belastend empfunden, sodass sie sich unzufriedener über die Betreuung und Therapie äußerten.“ Besonders schwierig sei es für diejenigen Frauen, die sich mehr Informationen wünschten, diese aber nicht selber finden konnten. „Sie fühlten sich ausgeliefert und wiesen eine schlechtere psychische Befindlichkeit auf“, sagt Stolzenberg. „Zwar sind die Rechte und Einflussmöglichkeiten von Patienten und Patientinnen in den letzten Jahren deutlich gestärkt worden, doch die Studie zeigt noch erhebliche Defizite in deren Umsetzung auf: Krebspatienten brauchen einen Pfad des Vertrauens, auf dem sie ihre Entscheidungen treffen können“, betont die Gesundheitswissenschaftlerin. Dafür bedürfe es einer besseren Kommunikation im Arzt-Patienten-Verhältnis und weiterer, in die Versorgung integrierter Gesprächsmöglichkeiten.
Quelle: Deutsche Krebshilfe
Aus Leben? Leben! 4/2009
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