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Experteninterview mit Prof. Dr. med. K. W. Possinger

Diesmal stellen wir Herrn Prof. Dr. med. Kurt Werner Possinger vor. Er war bis zu seinem Ruhestand Direktor der Medizinischen Klinik mit Schwerpunkt Onkologie und Hämatologie der Charité, Campus Mitte, Berlin.

Wie entstand bei Ihnen der Berufswunsch Arzt und was hat Sie bewogen, die gewählte Fachrichtung einzuschlagen?

Prof. Possinger: Eigentlich wollte ich Physik studieren. Doch als mein Lateinlehrer mir sagte, er glaube, dass ich mich besser als Arzt im Berufsleben zurechtfinden würde, habe ich ihm vertraut und kann heute sagen, dass er absolut Recht hatte.

Was ist Ihnen wichtig im Umgang mit Ihren Patienten?

Prof. Possinger: Wichtig ist mir nicht nur die momentane Erkrankung zu sehen, sondern den erkrankten Menschen in seinem privaten und beruflichen Umfeld.

Wie gelingt es Ihnen, nach Dienstende abzuschalten und zu entspannen?

Prof. Possinger: Eigentlich gelingt mir dies nur sehr selten und im Wesentlichen nur in den Ferien.

Welche Behandlungsmöglichkeiten empfehlen Sie, von welchen raten Sie ab? Was halten Sie für Irrtümer im Wissen über die Erkrankung und ihre Behandlung?

Prof. Possinger: Meine Behandlungsempfehlungen orientieren sich an literaturbelegter Wirksamkeit, angepasst an die individuelle Lebenssituation der Patienten.

Wie schätzen Sie die psychologischen Aspekte bei Krankheitsentstehung und -verlauf ein und wie berücksichtigen Sie diese?

Prof. Possinger: Auslöser für Tumorerkrankungen sind psychologische Phänomene höchstwahrscheinlich nicht. Allerdings sind sie sehr wichtig für die Krankheitsverarbeitung und Lebenseinstellung. Sie müssen deshalb immer wieder mit dem Patienten besprochen und evtl. daraus therapeutische Schlussfolgerungen gezogen werden.

Welches sind derzeit die Erfolg versprechendsten Forschungsansätze im Hinblick auf Medikation und Therapie und welche Erwartungen haben Sie bezüglich zukünftiger Möglichkeiten?

Prof. Possinger: Sicherlich bleibt die Chemotherapie auch während der nächsten Jahre für die meisten Tumorerkrankungen die Basisbehandlung. Natürlich werden aber die „gezielten Therapien“, die sich gegen spezifische Oberflächenstrukturen von Tumorzellen, Signaltransduktionswege und genetische Veränderungen richten, in der Zukunft erheblich an Raum gewinnen. Hoffentlich wird der Traum, zielgerichtet nur Tumorzellen zu vernichten ohne gesundes Gewebe zu schädigen, in naher Zukunft tatsächlich wahr.

Wo sehen Sie den Informationsbedarf von Patienten und welche Rolle spielen Patientenmagazine bei der Deckung des Bedarfs? Welche Art von Informationen sollten solche Magazine liefern?

Prof. Possinger: Viele Patienten beziehen heute ihre Informationen aus dem Internet oder Blättern der Regenbogenpresse. Für sie ist eine Gewichtung von Diagnose, Prognose und therapeutischen Faktoren von erheblicher Bedeutung. Nur so lassen sich Hoffnungen, die durch Medienschlagzeilen entstehen, richtig beurteilen. Patientenmagazine weisen einerseits auf Neuentwicklungen hin, tun dies aber andererseits in sachlicher und klarer Weise, sodass keine trügerischen Hoffnungen entstehen.

Inwieweit trägt unser Magazin Leben? Leben! Ihrer Meinung nach zur Aufklärung und Deckung des Informationsbedarfs bei?

Prof. Possinger: Leben? Leben! ist eine Zeitschrift, die von meinen Patienten gerne gelesen wird und der ich inhaltsmäßig auch vertraue.

Vielen Dank, Herr Prof. Possinger.

Quelle: Leben? Leben! 4/2005

04.01.08

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