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Professionalität und Empathie – MS-Schwester Ina Selka

Es beginnt unterschiedlich und oft vermeintlich harmlos: Da ist diese unerklärliche Müdigkeit, die Haut fühlt sich irgendwie taub an. Wie durch einen Schleier kann alles nur noch verschwommen gesehen werden. Oder es ist das Laufen, das einfach nicht mehr so leicht funktioniert. Wenn die Symptome dann einen Namen bekommen, ist es für Betroffene meist ein Schock. Ein normales Leben gerät mit einem Mal aus den Fugen und die Welt ins Wanken. In Lüdenscheid ist jemand da, der Patienten gleich nach der Diagnose Multiple Sklerose auffängt: MS-Schwester Ina Selka.

Neben der medizinischen Aufklärung sind für MS-Patienten vor allem zwei Dinge wichtig: Verständnis und Mitgefühl. Ina Selka hat es sich daher zur Aufgabe gemacht, die Patienten zu begleiten und zu ermutigen, die Krankheit in ihr Leben zu integrieren. Für sie gelingt eine Rehabilitation nur, wenn die Seele gestärkt wird, sodass der Blick trotz der Erkrankung nach vorn gerichtet werden kann. Wenn ihr das gelingt, dann vor allem durch Feinfühligkeit und Empathie.

Berufsbild MS-Schwester

MS-Schwestern arbeiten in Deutschland nach amerikanischem und englischem Vorbild. Als Krankenschwester hat Ina Selka eine von der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft zertifizierte Zusatzqualifikation zur MS-Schwester/MS-Therapiemanagement erworben. Zuvor hatte Ina Selka zwölf Jahre als Fachkrankenschwester für Intensivpflege und Anästhesie gearbeitet. Solange, bis der Chefarzt sie 2007 für den Aufbau der MS-Ambulanz der neurologischen Klinik gewinnen konnte.

Heute ist sie hier ein wichtiges Bindeglied zwischen Arzt und Patient. „Eine absolut sinnvolle und unentbehrliche Ergänzung zur ärztlichen Arbeit“, so der Klinikdirektor, der froh ist, seine engagierte Kollegin in seinem Team zu wissen. Vor allem, da Patienten in der Klinik auch langfristig betreut und bei der Bewältigung der Krankheit und Wiedereingliederung ins Leben unterstützt werden. Schwierige Phasen und Krisen tauchen immer wieder auf.

Nach der Diagnose sind Patienten häufig geschockt und verunsichert. „Jeder reagiert anders, wenn er von der Krankheit erfährt“, weiß Ina Selka. Eine Flut von Fragen bricht über alle herein. Die sollten geklärt werden können. „Wir rollen das Feld auf“, verspricht die MS-Schwester und beschreibt die Intensität und den Tiefgang der Gespräche, in denen es zum einen natürlich darum geht, die krankhaften Vorgänge im Zentralnervensystem zu erklären und darzulegen, welche Krankheitsverläufe es gibt und welche Konsequenzen sich daraus ergeben können. Die MS-Schwester bespricht in diesem Zusammenhang auch die möglichen Therapieverfahren.

Patienten nicht allein lassen

Die Fragen der Patienten sind aber nicht nur medizinisch. Obwohl Schübe unvorhersehbar sind, möchten die meisten Erkrankten am Anfang vor allem wissen, wie sich die Multiple Sklerose auf ihr zukünftiges Leben auswirken wird. Gerade hier sind Antworten schwierig. Unsicherheit erschwert auf der anderen Seite MS-Betroffenen, ihre Krankheit zu akzeptieren. „Eine ehrliche, aber sensible Aufklärung ist wichtig“, betont Ina Selka.

Das bedeutet aber ebenso, falsche Erwartungen des Betroffenen an den weiteren Krankheitsverlauf zu klären. Trotzdem möchte Ina Selka ihre Patienten stärken, ihnen Mut machen, dass es möglich ist und sich lohnt, die MS bewusst anzunehmen. „Es kommt darauf an, dass die Menschen gefestigt hier rausgehen“, beschreibt sie. „Wenn ich einen Patienten verlasse, dann geschieht das an einem Punkt, wo ich spüre, dass er gut mit dem Informationsgehalt klarkommt.“

Allein lassen – das gilt höchstens für den Moment, denn die individuelle Beratung und die Unterstützung bei Problemen sind ein wichtiger Bestandteil von Ina Selkas Arbeit. Und so unterschiedlich wie ihre Lebensgeschichten sind, so unterschiedlich gehen die MS-Patienten mit ihrer Erkrankung um. Die Aufmerksamkeit der MS-Schwester und ihre Feinfühligkeit sind daher gefordert. Durch die Tätigkeit auf der Intensivstation sind Ina Selka Krisengespräche und schwierige Situationen nicht fremd.

Auch die eigene Lebenserfahrung kommt der 39-Jährigen zugute. Bei ihrer Arbeit trifft sie auf Menschen, die im Beruf durchstarten wollen, Familie haben und eine bestimmte Erwartung von ihrem Leben. Bis die MS kommt. „Viele Lebenssituationen meiner Patienten habe ich selbst auch schon erlebt – zwar als gesunder Mensch, doch die Sorgen einer jungen Mutter kann ich gut verstehen“, so Ina Selka. Trotzdem kosten viele Gespräche Kraft. Wo kann sie selbst auftanken? Die MS-Schwester lächelt: „Im Urlaub kann ich abschalten.“, sagt sie. Rückhalt findet sie auch bei der Familie – ihre beiden Töchter sind sieben und vier Jahre alt.

Ob sie mit dem eigenen Pferd oder beim Joggen unterwegs ist – in ihrer Freizeit ist Ina Selka ebenso aktiv wie im Beruf. Zu oft fehlt dafür jedoch die Zeit. „Der Tag hat einfach zu wenig Stunden“, bedauert Ina Selka. Ihr Tag im Krankenhaus ist dafür ebenso vielschichtig wie abwechslungsreich. Und mitunter auch lang. Denn Patientenberatungen sind nur ein Teil der Arbeit. Die Koordination und Dokumentation von klinischen Studien und Forschungsprojekten im ambulanten und stationären Bereich liegen ebenfalls in der Verantwortung der MS-Schwester. In ihrem kleinen Büro in der Klinik laufen alle Fäden zusammen. Hier betreut Ina Selka auch eine Telefonhotline für Betroffene und deren Angehörige. Für die Einführung in die Spritzentherapien besucht sie Patienten auch zu Hause.

Zeit für ein Gespräch ist immer

In der MS-Ambulanz werden außerdem Infusionstherapien durchgeführt. Im jahrelangen Therapieverlauf haben die MS-Erkrankten, die alle vier bis sechs Wochen zur Therapie kommen, hier vor allem eines gewinnen können: Vertrauen. Und Ina Selkas Energie motiviert auch ihre Patienten. „Viele freuen sich, wenn sie bei den Infusionsterminen andere Patienten treffen. Da wird gelacht und gescherzt“, erzählt Ina Selka. Trotz eines vollen Schreibtisches und trotz vieler Termine: „Zeit für ein Gespräch ist immer.“ Schließlich weiß die MS-Schwester, dass viele Patienten oft erst nach Jahren mit der Verarbeitung ihrer Krankheit beginnen, sodass es auch um berufliche Probleme geht. Mitunter helfen auch auch schon Gedankenanstöße, mit der Lebenssituation klarzukommen.

Nicht nur auf dem medizinischen Gebiet, auch bei der MS-Betreuung hat sich in den letzten Jahren einiges getan. „Vor zehn, zwölf Jahren sah das noch anders aus“, weiß Ina Selka: „Da hieß es ,Sie haben MS, da kann man nichts machen. Der Rollstuhl wird kommen.’“ Heute seien alle „wacher“ geworden. Viel Aufwand und viel Einsatz für einen Beruf, der Ina Selka am Herzen liegt. So wie sie Patienten motiviert, ist auch das Feedback der Menschen, die sie betreut, für sie immer wieder ein Antrieb. „Wenn Patienten sagen, dass sie sich gut aufgehoben fühlen, dann freut mich das und zeigt mir, dass meine Arbeit richtig ist.“

Quelle: BMS 3/11

15.10.11

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