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Prostatakrebs - Interview: Diagnostik, Therapie und Prognose

Prof. Dr. Michael Stöckle, Vize-Präsident der Deutschen Gesellschaft für Urologie, sprach mit Befund Krebs über die wichtigsten Fakten zum Thema Prostatakrebs.

Was genau ist Prostatakrebs und wie wird die Diagnose Prostatakrebs gestellt?

Prostatakrebs ist zzt. die häufigste Tumorerkrankung des Mannes und eine der häufigsten tumorbedingten Todesursachen. Laut Robert Koch-Institut sterben in Deutschland ca. 26 % aller männlichen Krebserkrankten am Prostatakarzinom. Diagnostiziert wird Prostatakrebs heutzutage überwiegend über den PSA-Bluttest. Das ist ein Früherkennungswert, der in der Laienpresse sehr kontrovers diskutiert ist, da man damit eventuell auch Bagatellbefunde entdeckt, die möglicherweise gar nicht behandelt werden müssten. Die Datenlage verdichtet sich allerdings, dass man mit dem PSA-Früherkennungsprogramm einem signifikanten Teil der Betroffenen den Tod durch den Tumor ersparen kann.

Wie sehen die therapeutischen Möglichkeiten aus?

Eine Heilung des Prostatakarzinoms ist nur in dem Stadium möglich, in dem es keine Beschwerden verursacht. Deswegen ist eine Heilung ohne eine PSA-gestützte Früherkennung nicht möglich. Wenn der Prostatakrebs erstmal Beschwerden verursacht, kann man ihn in aller Regel nicht mehr heilen. Behandlungen, die auf eine Heilung abzielen, sind zum einen die Operation, von der es verschiedene Arten gibt – die offene Operation, verschiedene Formen der Schlüssellochchirurgie, darunter auch die roboterassistierte Chirurgie, oder der Zugangsweg über den Dammschnitt. Zum anderen gibt es verschiedene Arten der Strahlentherapie, die ebenfalls gezeigt haben, dass sie einen Teil der Prostatakarzinome heilen können.

Es gibt die Bestrahlung von außen oder die Spickung der Prostata mit radioaktiven Kügelchen, sog. Seeds – die Brachytherapie. Ein vierter Weg bietet sich an, wenn sich ein Tumor in einem sehr frühen Krankheitsstadium befindet und vom mikroskopischen Erscheinungsbild wenig aggressiv erscheint: Dann kann man die Strategie einer aktiven Beobachtung wählen, d. h., man würde in diesem Fall nicht sofort behandeln, sondern den PSA-Wert kontrollieren. Wenn der PSA-Wert steigt, macht man eine neue Gewebsprobe, wenn er nicht steigt, erfolgt diese spätestens nach 12 Monaten. Behandeln würde man erst dann, wenn sich bei diesen neuen Gewebeproben ein Fortschreiten des Tumors zeigt. Diese Strategie der aktiven Beobachtung zielt darauf ab, die Behandlung hinauszuzögern oder einem Teil sogar jedwede Behandlung zu ersparen.

Was kann man tun, um die Lebensqualität der operierten Patienten zu verbessern?

Das Wichtigste ist, sie gut zu operieren. Die Operation hat zwei potenzielle Risiken. Zu einem Erektionsverlust kommt es sicher häufiger, er lässt sich durch eine erektionsprotektive Operationstechnik aber nicht selten vermeiden. Bei dieser Technik bemüht man sich, das die Prostata umgebende Gewebe möglichst vollständig zu belassen, denn dort verläuft das Gefäß-Nervengewebe, das für die Erektion verantwortlich ist. Eine solche Operationsstrategie ist natürlich wenig radikal und macht daher nur Sinn, wenn man davon ausgeht, dass der Tumor organbegrenzt ist und er an keiner Stelle die Prostatakapsel durchbrochen hat.

Wenn das nicht der Fall ist, muss man radikaler operieren. Dadurch verliert der Patient allerdings die natürliche Erektionsfähigkeit. Es ist dem Patienten dann natürlich unbenommen, diverse Medikamente, die es zur Verbesserung der Erektionsfähigkeit gibt, zu nehmen. Zudem gibt es die Möglichkeit, bei z. B. noch jungen Patienten ein Schwellkörper-Implantat einzusetzen, womit man eine Erektion auslösen kann. Der Mann bleibt jedoch auch nach der Operation orgasmusfähig, auch wenn er keinen Samenerguss mehr haben kann. Das ist etwas, was vielen nicht bewusst ist, weil sie Orgasmus und Samenerguss gleichsetzen.

Das zweite Risiko ist das der Inkontinenz. Das ist heutzutage, da man gelernt hat, die Operation etwas subtiler durchzuführen, eigentlich selten geworden. Erfahrene Zentren schaffen es sicherlich, mehr als 90 % der Patienten so zu behandeln, dass sie nach einem Vierteljahr oder spätestens nach einem Jahr mit maximal einer Sicherheitsvorlage in der Unterhose auskommen, die meisten sogar ganz ohne Vorlage. Das Risiko ist aber dennoch da, aber darüber wird der Patient auch aufgeklärt.

Wie ist die Prognose?

Bei einem organbegrenzten Tumorstadium liegt die Heilungswahrscheinlichkeit durch eine Operation bei 90 % oder höher. Die Überlebenszeit kann man über den PSA-Wert messen. Die Heilungsraten sind während der letzten zehn Jahre sicherlich besser geworden. Das liegt teilweise daran, dass wir besser zu operieren gelernt haben, aber auch nicht zuletzt daran, dass wir über das PSA-Früherkennungsprogramm, auch wenn es in Deutschland nicht speziell empfohlen wird, die Tumoren in einem sehr frühen Stadium diagnostizieren, wenn die Heilungswahrscheinlichkeit sehr hoch ist. Dass man dadurch auch Tumoren entdeckt, die unbehandelt auch gut verlaufen wären, ist außer Frage. In dieser Hinsicht wird man sicherlich noch Strategien entwickeln müssen. Ich denke aber, man muss den PSA-Wert ansehen wie ein gutes Medikament – man kann es missbrauchen oder sinnvoll einsetzen.

Quelle: BK 5/2011

11.03.12

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