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Keine Chance dem Dekubitus

Dekubitus – dieses Wort steht für Druckgeschwüre, die – vereinfacht gesagt – entstehen, wenn ein ständiger Druck auf die gleiche Hautstelle ausgeübt wird. Die Zellen werden nicht mehr ausreichend mit Blut und damit mit Nährstoffen versorgt und Stoffwechselabbauprodukte werden nicht mehr in ausreichender Menge abtransportiert. Daraufhin sterben die unterversorgten Körperzellen ab.

I. d. R. merkt man es, wenn bestimmte Bereiche des Körpers kurz davor stehen, nicht mehr ausreichend mit Blut versorgt zu werden: Das Sitzen oder Liegen wird unangenehm. Dies registriert der Körper und reagiert automatisch, indem er Verlagerungen vornimmt – selbst im Schlaf. Doch bei Menschen, die krank sind oder deren Nerven bestimmte Informationen nur noch unzureichend weiterleiten, ist dieser Umlagerungsreflex gestört. Andere hingegen können sich nicht mehr aus eigener Kraft bewegen. In diesen Fällen können durch den Druck auf die betroffenen Hautstellen schmerzhafte Dekubitusgeschwüre entstehen. Im schlimmsten Fall werden Hautschichten und das darunterliegende Gewebe zerstört und auch die Muskeln, die Knochen und sogar die Gelenke geschädigt. Menschen mit MS, die von Bewegungseinschränkungen betroffen sind oder im Rollstuhl sitzen, und ihre Angehörigen sollten daher Vorkehrungen zur Vorbeugung solcher Druckgeschwüre treffen.

Wie erkennt man einen Dekubitus?

Dekubitus fängt ganz langsam an, bevorzugt an Hautstellen, an denen sich die Knochen nah unter der Haut befinden und nicht von einer schützenden Fettschicht bedeckt sind, z. B. am Gesäß, wo sich die Sitzhöcker befinden, oder an den Fersen. Schon kleine Rötungen, die selbst dann noch sichtbar bleiben, wenn man mit den Fingern darauf gedrückt hat, werden als Dekubitus bezeichnet. Die nächste Stufe ist durch Bläschenbildung oder durch kleinere Verletzungen der Haut gekennzeichnet, bei der darauffolgenden Stufe ist die Haut bereits völlig beschädigt, die darunterliegenden Muskeln sind oft sichtbar.

Reibung, z. B. durch Waschen der betroffenen Hautstellen mit einem Waschlappen, und bestimmte Bewegungen, bei denen Reibung und Druck zusammenkommen, z. B. das unbeabsichtigte Wegrutschen des Körpers aus einer bestimmten Position, tragen dazu bei, dass sich ein Geschwür bildet und/oder verschlimmert.

Vorbeugen, vorbeugen, vorbeugen

Für Menschen mit MS, die im Rollstuhl sitzen, bedeutet das z. B., ihre Sitzposition regelmäßig zu verlagern. Oft reichen schon kleinste Änderungen aus, um einen Dekubitus zu verhindern. Wer viel Zeit im Rollstuhl verbringt, sollte sich daher ein Rollstuhlsitzkissen zur Dekubitusprophylaxe anschaffen, das automatisch zur Druckentlastung beiträgt. Solche Sitzkissen sind von den gesetzlichen Krankenkassen als Hilfsmittel anerkannt, sodass die Kosten dafür auf Antrag erstattet werden können. Es gibt auch Sitzkissen mit Rückenlehne, die aber u. U. selbst bezahlt werden müssen.

Sitzringe, bei denen ein Teil des Gesäßes nicht belastet wird, sind hingegen nicht sinnvoll, denn die Stellen, auf denen man sitzt, sind dafür einem erhöhten Druck ausgesetzt. Auch Felle sind zur Vorbeugung von Druckgeschwüren ungeeignet. Achten Sie darauf, dass der Körper im Rollstuhl nicht zu weit nach unten rutscht. Dadurch erhöht sich der Druck auf die gefährdeten Hautbereiche. Wenn Sie es können, ziehen Sie sich regelmäßig wieder hoch.

Da auch Feuchtigkeit Druckgeschwüre begünstigt, sollten Betroffene im Sommer darauf achten, dass Ihr Rücken und Ihr Gesäß ausreichend belüftet werden. Denn auch wer lange sitzt, kommt ins Schwitzen, vor allem wenn der Sitzbereich des Rollstuhls bzw. das Sitzkissen dies durch sein Material begünstigt. Menschen mit Blasenfunktionsstörungen sollten – falls sie sie benutzen – Vorlagen regelmäßig austauschen bzw. Pflegende sollten darauf achten, dass diese regelmäßig gewechselt werden.

Bewegung hält Dekubitus fern

Auch Menschen mit MS, die in ihrer Beweglichkeit durch die Krankheit eingeschränkt sind, müssen sich bewegen. Nicht zuletzt aus dem Grund, weitere Bewegungseinschränkungen zu vermeiden. Druckgeschwüren lässt sich durch regelmäßige Bewegungsübungen vorbeugen – z. B. indem die Übungen die Armkraft erhöhen und es den Betroffenen dadurch leichter fällt, den Körper im Rollstuhl eigenständig zu verlagern. Auch die Durchblutung bessert sich. Bewegung ist in jedem Fall sinnvoll, unabhängig davon, ob sie aktiv vom Patienten selbst oder passiv z. B. durch einen Physiotherapeuten durchgeführt wird, der die Gliedmaßen bewegt.

Prophylaxe im Liegen

Menschen, die längere Zeit liegen und Schwierigkeiten haben, sich selbstständig zu bewegen, sind besonders anfällig für Druckgeschwüre. Deshalb müssen die Pflegenden die Betroffenen in regelmäßig Abständen umlagern. Es gibt verschiedene Lagerungstechniken, die der Dekubitusprophylaxe dienen, z. B. die Mikrolagerung, bei der kleinste Verlagerungen des Körpers die gefährdeten Stellen entlasten. Eine solche Mikrolagerung erreicht man z. B., indem mehrere Handtücher unter verschiedenen Stellen des Körpers platziert werden. Durch die Verlagerung der Handtücher sind Positionsveränderungen möglich, ohne den Körper bewegen zu müssen. Besonders von Druckgeschwüren gefährdete Hautstellen können auch frei gelagert werden. Bei den Fersen funktioniert das besonders gut. Ein unter den Unterschenkel gelegtes Handtuch bewirkt, dass die Fersen praktisch „in der Luft schweben“. Diese und andere Lagerungstechniken sollten sich Angehörige zeigen lassen, um sie selbst richtig durchführen zu können.

Es gibt auch spezielle Matratzen oder Auflagen, die dazu beitragen, Druckgeschwüren vorzubeugen. Welche am geeignetsten für den jeweiligen Patienten ist, sollten Angehörige unter Mithilfe eines Arztes oder Pflegedienstes entscheiden. Wassermatratzen aber sind zur Dekubitusprophylaxe ungeeignet. Wie Rollstuhlsitzkissen zählen auch Lagerungssysteme für Dekubitusgefährdete zu den Hilfsmitteln, die die gesetzlichen Krankenkassen auf Antrag bezahlen.

Die richtige Hautpflege

Wer von Dekubitus gefährdet ist, dessen Haut darf nicht zu sehr austrocknen. Denn trockene Haut ist anfälliger für Druckstellen. Das bedeutet: Wenn möglich, sollten die gefährdeten Bereiche nicht zu häufig gewaschen werden – und möglichst nur mit Wasser. Bei größeren Verschmutzungen der Haut muss jedoch Seife oder eine Waschlotion verwendet werden. Im Anschluss sollten Pflegende der Haut durch eine Lotion oder Creme wieder Feuchtigkeit zuführen. Bei trockener Haut sind dafür besonders Lotionen geeignet, die – im Gegensatz z. B. zu Vaseline – dafür sorgen, dass Schweiß verdunsten kann. Bei bereits bestehendem Dekubitus sollten die betroffenen Hautstellen möglichst nicht zusätzlich irritiert werden, z. B. indem sie mit einem Waschlappen abgerieben oder einem Handtuch trocken gerubbelt werden. Mit einem Fön dürfen sie ebenfalls nicht getrocknet werden, da dies die Haut austrocknet. Auch alkoholische Einreibungen haben auf Druckgeschwüren nichts zu suchen.

Quelle: Befund MS 1/2015

09.06.15

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