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Monika Wenninger – Tauchen mit MS

Als Monika Wenninger die Diagnose MS erhielt, war sie bereits begeisterte Taucherin. In ihrem Buch „Tauchen mit Handicap“ schildert die Rollstuhlfahrerin ihre Erfahrungen mit dem Tauchsport und gibt anderen gehandicapten Tauchanfängern und -fortgeschrittenen wertvolle Tipps für die Erkundung der faszinierenden Welt unter Wasser.

Frau Wenninger, wie sind Sie zum Tauchen gekommen, und was fasziniert Sie daran?

Zum Tauchen bin ich durch meinen Lebensgefährten gekommen, den ich 2004 nach meiner Scheidung kennengelernt habe. Er hat damals bereits getaucht und gemeint, ich solle es auch mal ausprobieren. Zu diesem Zeitpunkt bin ich noch auf Gehhilfen gelaufen, und er fand, dass jede Art von Sport im Wasser ideal ist, wenn man nicht mehr richtig laufen kann, u. a., weil man im Wasser sein Gewicht nicht spürt. Da ich schon immer eine Wasserratte war und früher sehr viel Sport getrieben hatte, habe ich schließlich mit dem Tauchen angefangen.

Wann haben Sie erfahren, dass Sie von MS betroffen sind?

Als 2000 mein Vater mit 61 Jahren – wenige Jahre nach meiner Mutter – starb, war das ein großer Schock für mich. In der Folge traten partielle Lähmungserscheinungen in den Beinen auf, die mal da waren, mal wieder weggingen. Daraufhin habe ich meinen Arzt aufgesucht und gesagt: ‚Es funktioniert was nicht.‘ Ich hatte ja lange viel Sport getrieben, Tennis und Badminton gespielt, bin regelmäßig mit meinem Hund spazieren gegangen – und auf einmal klappte das alles nicht mehr. Der Arzt meinte, die Beschwerden seien psychosomatisch, ich würde unter einem psychischen Trauma leiden, weil meine Eltern so schnell nacheinander gestorben seien. Diagnose: psychosomatisches Belastungssyndrom. Zur Kernspintomografie hat mich allerdings keiner geschickt. Ab 2004 bin ich hauptsächlich auf Gehhilfen gelaufen.

2007 hatte ich dann einen Autounfall. Das war für mich Brutalstress. Die körperlichen Beschwerden verschlimmerten sich so sehr, dass ich seitdem im Rollstuhl sitze. Man weiß, dass Stress für MS-Betroffene Gift ist und Schübe auslösen kann. Genauso war es bei mir. Nach dem Unfall hatte ich mehrere Schübe nacheinander. Im Zusammenhang mit dem Unfall hat dann endlich auch ein Arzt festgestellt, dass meine Beschwerden nicht psychosomatisch sind, sondern MS die Ursache ist.

Was hat die Diagnose MS bei Ihnen ausgelöst? Wie haben Sie reagiert?

Jeder Mensch hat einen inneren Sender, eine innere Stimme. Durch meine Ausbildung zum Heilpraktiker hatte ich die Ahnung, dass MS der Auslöser für meine Beschwerden sein könnte. Allerdings ist es ja auch schön, wenn die Ärzte eine andere Diagnose stellen, denn MS klingt so endgültig. Schließlich musste ich mich doch damit auseinandersetzen, von MS betroffen zu sein, und das war schlimm für mich. Ich bin für ein paar Monate ziemlich in mich zusammengesunken. Herausgeholt und aufgerüttelt hat mich schließlich mein Lebensgefährte. Er sagte: ‚Ja, es ist tragisch, aber ich liebe dich, wie du bist, und wir gehen jetzt erstmal tauchen.‘ Davor hatte ich natürlich zunächst Angst. Tauchen mit MS ist ganz schön gewagt, dachte ich. Andererseits war ich vorher auch mit MS getaucht – ohne von der MS zu wissen. Schließlich haben wir es einfach ausprobiert.

Wie war das bei Ihnen dann mit dem Tauchen?

Ich hatte bereits 2005 meinen Tauchschein gemacht, was zu diesem Zeitpunkt schon nicht ganz einfach war. Im ersten Anlauf erhielt ich den Tauchschein nämlich nicht. Aber das ist z. T. auch meine Schuld, denn ich hatte das Ganze falsch angefangen. Da es mir trotz des Gehens auf Gehhilfen relativ gut ging, wollte ich mit den Gesunden mithalten. Ich hatte die Einstellung, ich müsste das Gleiche schaffen wie ein Gesunder. Hat natürlich nicht geklappt. Wenn ich zurückblicke, war es super, was ich geleistet habe, aber der Tauchlehrer kannte nur Gesunde und konnte meine Leistung nicht einschätzen, sodass er mir den Tauchschein verweigerte.

Daraufhin habe ich eine andere Tauchschule aufgesucht, wo die Tauchlehrer schon mit Menschen mit Handicap gearbeitet hatten. Schließlich habe ich in einem See in Deutschland meine Tauchprüfung abgelegt, was ich heute keinem Handicapler mehr empfehlen würde. In Seen hier hat man i. d. R. nur eine Sichtweite von etwa zwei Metern, im Roten Meer in Ägypten beispielsweise hingegen von 20 Metern. Da ist das Tauchen wesentlich angenehmer und einfacher. In Ägypten gibt es zudem mittlerweile mehrere Tauchschulen, die voll auf Handicapler eingestellt sind. Die haben z. B. einen Hebekran an Bord, mit dem sie die Taucher ins Wasser hinein- und wieder herausheben können. Und auch die Bootscrew ist auf Menschen mit Handicap eingestellt. In meinem Buch habe ich im hinteren Teil einige Adressen für Handicap-Taucher genannt.

Nach der MS-Diagnose habe ich dann mit dem Tauchen weitergemacht. Zuerst ein wenig ängstlich, was sich jedoch bald gegeben hat. Tauchen ist heute mein Lebensinhalt. Ich kann es jedem Menschen mit Handicap empfehlen, sich im Wasser zu bewegen. Denn sowohl die Bewegung als auch das Wasser tun bei chronischen Krankheiten einfach nur gut. Es macht Mut, dass man im Wasser beweglicher ist, und das wirkt sich auch auf Situationen außerhalb des Wassers aus. Man wird insgesamt beweglicher, vor allem aber selbstbewusster und eigenständiger. Wichtig dabei ist jedoch, dass man sich nicht an dem orientiert, was Gesunde können, sondern einen individuellen Maßstab findet.

Brauchen Menschen mit Handicap zum Tauchen eine spezielle Ausrüstung?

Eine Spezialausrüstung ist natürlich notwendig, um mit Handicap richtig tauchen zu können und dabei Spaß zu haben. Z. B. trage ich Handschuhe mit Schwimmhäuten, denn die Flossen an meinen Füßen sind keine große Hilfe beim Tauchen, da ich meine Beine kaum bewegen kann. Stattdessen bewege ich mich mit den Spezialhandschuhen unter Wasser vorwärts. Ich kann meine Beine ausstrecken, deshalb sind Flossen für meine stromlinienförmige Haltung angebracht. Es gibt mittlerweile ganz tolle Handschuhe, die das Tauchen erleichtern. In meinem Buch stelle ich weitere Ausrüstungsgegenstände vor, die fürs Tauchen sinnvoll sind. Auf meiner Website (tauchenmithandicap.de) kann man zudem einen ersten Eindruck gewinnen, wie herrlich das Tauchen auch mit Handicap sein kann. Ich kann mir ein Leben ohne Tauchen nicht mehr vorstellen.

Quelle: Befund MS 3/2012

18.12.12

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