- Anzeige -
Curado.de Logo

Sie sind hier: Startseite - Krankheiten - Neurologie - Schlaganfall - Ich hatte einen Schlaganfall - Poststroke Depression – Depression nach einem Schlaganfall

Poststroke Depression – Depression nach einem Schlaganfall

Die Betrachtung der Poststroke Depression (Depression nach einem Schlaganfall) unter Berücksichtigung der Krankheitsverarbeitung, der Angst vor Tod und Sterben sowie der psychosozialen Dependenz.

Der Schlaganfall stellt ein Lebensereignis dar, das lebensbedrohlich in der Akutphase ist und mit meist bleibenden Behinderungen bewältigt werden muss. Als besonders belastende Ereignisse gelten das Erkennen der Lähmung, die Gedanken über die Ungewissheit der Zukunft, das Erleben der Abhängigkeit und die Angst vor einem Reinsult. Bei berufstätigen Menschen kommt oftmals die Berufsunfähigkeit dazu.

Schon während der ersten Wochen nach dem Apoplex entwickelt sich bei vielen Patienten eine Depression, die sogenannte „Poststroke Depression“ (PSD). Die Ursache dieser Poststroke Depression ist teilweise noch unklar.

Im Rahmen der wissenschaftlichen Forschung wurden bereits einige Risikofaktoren die im Zusammenhang mit einer Poststroke Depression stehen diskutiert. Dazu gehören das Alter, das Geschlecht, die soziale Situation, die Lokalisation und das Volumen der Hirnläsion, die psychiatrische Vorgeschichte, sowie die körperliche und kognitive Beeinträchtigung.
Ziel meiner Diplomarbeit war es, weitere mögliche Risikofaktoren zu überprüfen. Es handelte sich dabei um die Art der Krankheitsverarbeitung nach einem Schlaganfall, dem Erleben gegenüber Sterben und Tod und der psychosozialen Dependenz (Abhängigkeit), welche sich in inadäquatem sozialen Abhängigkeitsverhalten äußert.

Die Krankheitsbewältigung ist deshalb von Bedeutung, da die Plötzlichkeit und Unvorhersehbarkeit des Hirninfarkts, sowie die damit einhergehenden kognitiven und emotionalen Belastungen, das Krankheitserleben spezifisch beeinflussen. Ein weiterer Belastungsfaktor ist die körperliche Abhängigkeit, die zu Zukunftsängsten und hoher Kränkbarkeit durch die Umgebung führen kann.

Da der Schlaganfall zum Tod führen kann, stellt dieses Ereignis oft eine große Bedrohung dar. Für viele Patienten bedeutet dies erstmalig eine ernsthafte Konfrontation mit der Endlichkeit des Daseins, die sowohl bei den Betroffenen, als auch bei den Angehörigen Angst auslösen kann. Die Angst vor dem Tod und Sterben ist deshalb ein weiterer möglicher Risikofaktor der im Zusammenhang mit der Entwicklung einer Depression nach dem Schlaganfall stehen kann.
Der dritte Schwerpunkt meiner Arbeit bezieht sich auf einen möglichen Zusammenhang zwischen der Poststroke Depression und der Dependenz (Abhängigkeit), welche sich bei erhöhter Ausprägung in gesteigertem Abhängigkeitsverhalten zeigt. Da der Schlaganfall zu starken körperlichen Beeinträchtigungen führen kann, ist davon auszugehen, dass die betroffenen Patienten bedingt durch ihre Krankheit eine hohe Dependenz aufweisen.

Das Ziel meiner Untersuchung war also herauszufinden, ob die Entwicklung einer Poststroke Depression im Zusammenhang mit der Krankheitsverarbeitung, der Angst vor Tod und Sterben und der Dependenz steht.

Die Untersuchung wurde in der Klinik am Osterbach durchgeführt. Die Befragung der 70 Schlaganfallpatienten erfolgte im Einzelgespräch und dauerte ein bis zwei Stunden.
Die Ergebnisse machten deutlich, dass die Depressionsrate bei ca. 37% liegt, was bedeutet, dass mindestens jeder dritte Patient nach dem Schlaganfall an einer Depression leidet.
Die Analyse der Krankheitsverarbeitungsstrategien zeigte, dass es vier Hauptgruppen gibt, die sich inhaltlich voneinander abgrenzen. Sie lassen sich wie folgt klassifizieren:

  • Die Gekränkten – hohes Ungerechtigkeitsempfinden bezüglich der Erkrankung
  • Die Verdränger – Bagatellisieren und Wegschieben von negativen Kognitionen
  • Die Pessimisten – Angst und Furcht vor der Zukunft stehen im Vordergrund
  • Die Sorglosen – Krankheit wird als wenig störend gesehen, Zukunft wird positiv bewertet

Die Auswertung der Ergebnisse zeigte, dass die Pessimisten eine höhere Depressionsausprägung haben als die Verdränger und Sorglosen. Die Gekränkten unterscheiden sich von keiner Gruppe bedeutsam.

Die Angst vor dem Sterben steht ebenfalls im Zusammenhang mit der Depression. Die Ergebnisse belegen, dass eine erhöhte Angst vor dem Sterbeprozess mit erhöhten Depressionswerten einhergeht. Da mit der „Angst vor dem Sterben“ die Angst vor einem langen Leidensprozess und der Abhängigkeit von Angehörigen gemeint ist, ist es nicht verwunderlich, dass speziell erkrankte Personen das Sterben fürchten. Dieser Gedankengang legt den Schluss nahe, dass der Schlaganfall zu einer erhöhten Angst vor dem Sterben führen könnte und diese wiederum zur Poststroke Depression beitragen würde. Die Angst vor dem Tod an sich und der damit verbundenen Vorstellung des „Nichtmehrdaseins“ scheint in diesem Kontext keine Rolle zu spielen.

Es wurde auch deutlich, das eine erhöhte Dependenzausprägung gleichzeitig mit einer erhöhten Depressionsausprägung auftritt. Die hohe Dependenz zeigt sich in einem gesteigerten Bedürfnis nach emotionaler Zuwendung, nach leistungsbezogener Anerkennung und nach instrumenteller Unterstützung. Es ist unklar, ob die erhöhte Dependenz Ursache oder Symptom der Depression ist. Meine Hypothese ist, dass die hohe Dependenz durch den Schlaganfall generiert wird. Die Poststroke Depression könnte somit eine Folge der hohen Abhängigkeit sein.

Diese Studie machte deutlich, dass sowohl die Art der Krankheitsbewältigung, die Angst vor dem Sterben als auch die Ausprägung der Abhängigkeit im Zusammenhang mit der Poststroke Depression stehen. Da alle drei Faktoren durch psychische Prozesse beeinflusst werden können, wäre eine rechtzeitige psychotherapeutische Intervention, die auch präventiv wirken soll optimal.
Ilka Uthoff

Quelle: http://www.1neuropsychologie.de/poststroke-depression/

11.05.07

Poststroke Depression – Depression nach einem Schlaganfall
Newsletter An-/Abmeldung

Code: CUXQ

- Anzeige -

Kliniken in Ihrer Nähe

Schlaganfall-Quiz

Testen Sie Ihr Wissen zum Thema Schlaganfall. Verbessern Sie spielerisch Ihr Hintergrundwissen und lernen Wissenswertes über eine der verbreitetsten neurologischen Erkrankungen.

Schriftzug Anzeige