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Schlaganfall

Synonyme: Cerebraler Insult, Streifung, Halbseitenlähmung, Hirnschlag

Definition: Verlust von neurologischen Funktionen, die entweder plötzlich oder schrittweise entstehen und Komplikation einer Arteriosklerose sind.

Überblick, Ursache und Risikofaktoren

Ein Schlaganfall aufgrund einer Arteriosklerose entsteht bei 2 von 1000 Menschen oder bei ca. 50 % aller Menschen mit einem bereits vorausgegangenen Schlaganfall. Der Schlaganfall ist die dritthäufigste Todesursache in den meisten Industrieländern. Die Häufigkeit der Schlaganfälle steigt mit zunehmendem Alter dramatisch, wobei Männer häufiger als Frauen betroffen sind.

Die Arteriosklerose (Verhärtung der Gefäße) ist die Voraussetzung für die Ablagerungen von fetthaltigen Materialien entlang der Gefäßinnenwände, so dass die arteriosklerotische Plaque (Masse aus fetthaltigen Materialien und Blutplättchen) entsteht. Die Plaque kann ein Gefäß direkt verschließen oder die Bildung eines Blutgerinnsels fördern, die dann die Thrombose im Hirn verursacht (thrombotischer Schlaganfall). Der Verschluss eines Gefäßes geschieht in der Regel langsam.

Eine arteriosklerotische Plaque muss nicht zwingender Weise einen Schlaganfall zur Folge haben. Es gibt viele kleinere Verbindungen zwischen den Hirngefäßen. Wenn sich der Blutfluss verlangsamt, vergrößert sich das Durchmesser solcher Verbindungsgefäße und bildet eine “Umgehungsstraße” (Kollateralkreislauf). Wenn genügend Kollateralkreisläufe existieren, muss ein von der Blutzufuhr blockiertes Areal nicht unbedingt neurologische Defizite zur Folge haben. Ein zweiter Sicherheitsmechanismus ist, dass die Hirngefäße im Durchmesser groß genug sind, um einen 75 % Gefäßverschluss ohne negative Wirkung auf den Blutfluss zu tolerieren.

Wenn eine Arteriosklerose ein Gefäß verschließt, verursacht sie eine Ischämie (Blutminderversorgung) und einen Infarkt (mit Ischämie verbundener Gewebsuntergang). Ein Teil der arteriosklerotischen Plaque oder einer Ablagerung kann in den Blutstrom hineingeraten (Embolus). Hirninfarkte, die durch ein Embolus entstehen, sind in der Regel durch einen kardialen Embolus verursacht (Blutgerinnsel, die durch bestimmte Herzerkrankungen entstehen und in die Blutstrombahn schwimmen). Was auch immer die Ursache für einen Embolus ist, das Gerinnsel schwimmt in den Blutstrom und verschließt kleinere Gefäße im Hirn. Der Schlaganfall geschieht dann plötzlich und verursacht ein neurologisches Defizit (Verlust von Hirnfunktionen).

Risikofaktoren für einen Schlaganfall sind neben der Arteriosklerose:

  • hoher Blutdruck (bei ca. 70 % aller Schlaganfallpatienten vorhanden)
  • periphere Gefäßkrankheit (PaVK)
  • Rauchen
  • transiente ischämische Attacke (TIA, passagere neurologische Defizite durch Blutminderversorgung)
  • zerebro-vaskuläre Erkrankung
  • hohe Blutfette
  • hoher Wert von Homozystein
  • Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit)
  • Fettleibigkeit
  • Bewegungsmangel
  • Nierenerkrankungen mit Dialysepflicht

Symptome

  • Schwäche oder totale Unbeweglichkeit der Glieder
  • Gefühlsstörungen oder Gefühlsverlust
  • Ziehen oder andere abnormale Sensationen
  • Minderung oder Verlust der Sehkraft
  • Sprachstörungen
  • Unfähigkeit, Dinge zu erkennen (Agnosie)
  • Gedächtnisstörungen
  • Lähmung (Paralyse) der Gesichtsmuskulatur
  • hängende Augenlider
  • Schwindel
  • Koordinationsstörung
  • Schluckstörung
  • Persönlichkeitsstörung
  • Gemütsveränderung
  • Blaseninkontinenz (fehlende Blasenkontrolle)
  • Stuhlinkontinenz
  • Bewusstseinsstörungen (schläfrig, stuporös, somnolent, lethargisch, comatös, bewusstlos)

Prävention

Die Prävention der Schlaganfälle, die durch eine Arteriosklerose zustande kommen, liegt in der Kontrolle der Risikofaktoren. Bluthochdruck, Zuckerkrankheit, Herzerkrankungen und andere Risikofaktoren sollten behandelt und gut eingestellt werden. Rauchen sollte reduziert oder am besten ganz aufgegeben werden.

Diagnose

Der klinische Eindruck, d. h. der Zustand des Betroffenen, erlauben meist die Diagnose eines Schlaganfalls. Im Bluttest werden häufig erhöhte Werte für Serumlipide, insbesondere Triglyzeride und Cholesterin, gemessen.

Weitere notwendige diagnostische Abklärungsmethoden sind:

  • Schädel-CT (Computertomographie)
  • Schädel-MRT (Magnetresonanztomographie)
  • EKG
  • Echokardiographie (Sonographie des Herzens)
  • Karotis-Duplex (Messung des Blutstroms in den Halsgefäßen)
  • transkranieller Doppler (Sonographie der Hirngefäße)

Therapie

Schlaganfälle müssen stationär behandelt werden, da in diesem Fall eine intensive Überwachung mit Sicherung der Vitalfunktionen notwendig ist. Eine der effektivsten Behandlungen für Schlaganfälle, welche den Thrombus auflösen und das betroffene Gefäß wieder freimachen kann, ist die Lysetherapie. Diese ist aber nur in den ersten drei Stunden nach dem Schlaganfall sinnvoll. Es besteht hierbei aber eine große Blutungsgefahr, so dass man diese Methode nicht immer anwenden kann.

Für Patienten, bei denen eine Lysetherapie nicht in Frage kommt, wird die Therapie symptomenorientiert gestaltet. Der Fokus liegt hierbei in supportiven Maßnahmen (z. B. Blutdruckkontrolle, adäquate Flüssigkeitszufuhr und Prävention von infektiösen Komplikationen). Eine Rehabilitation ist wichtig, um die Funktion der betroffenen Körperbereiche zu maximieren. Die Behandlung sollte auch auf die Prävention der erneuten Schlaganfälle zielen. Andere Hirnareale übernehmen die Steuerung der geschädigten Körperbereiche, so dass es zu einer Wiederherstellung der Funktionen kommen kann. Das Endziel der Behandlungen liegt zum einen in der Prävention der Krankheitsprogression, zum anderen in der Maximierung der verbliebenen Funktionen.

Spezielle Behandlungen sind z. B. die medikamentöse Einstellung des Blutdrucks und des Cholesterinspiegels. Eine spezielle Diät wird häufig bei Personen mit erhöhter Blutfetten empfohlen. Eine Endarterektomie der Karotiden (Entfernung der Plaque aus den Halsarterien) wird bei einigen Patienten durchgeführt, um erneute Schlaganfälle zu vermeiden.

Prognose

Ein Schlaganfall ist die dritthäufigste Todesursache. Etwa ein Drittel der Schlaganfallpatienten versterben auf Grund der direkten Folge des Schlaganfalls oder der Komplikationen, ca. die Hälfte der Patienten erlangt einen Teil oder die komplette Funktion wieder. Es gibt drei Zeichen in der Frühphase eines Schlaganfalls, die ungünstig auf die Wiedererlangung der Funktionen wirken: Fieber, hoher Blutzucker und niedriger Blutdruck. Personen mit diesen Symptomen erlangen häufig nicht die komplette Restitution der Funktionen.

Komplikationen

  • Dekubitus (Druckstelle) infolge der Immobilisation
  • zunehmender Verlust der Beweglichkeit
  • orthopädische Komplikationen, wie Knochenbrüche, Versteifungen und Muskelspasmen
  • zunehmender Verlust von kognitiven Funktionen
  • gestörte Kommunikation, geminderte soziale Interaktion
  • geminderte Fähigkeit, sich selbst zu versorgen
  • gesenkte Lebenserwartung
  • Multiinfarkt-Demenz
  • Medikamentennebenwirkungen

Kontaktieren Sie einen Arzt, wenn

  • Sie glauben, einen Schlaganfall zu haben, da dieser einer sofortigen stationären Behandlung bedarf.

Quelle: www.meoclinic.de

14.02.07

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