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Der Schlaganfall trifft Menschen vollkommen unerwartet. Er verändert das Leben grundlegend, in vielen Fällen führt er zum Tod. Rund 200.000 Menschen erleiden jährlich in Deutschland einen Schlaganfall, etwa eine Million leiden heute unter den Folgen.
Mediziner rechnen damit, dass die Zahlen noch ansteigen werden. „Schlaganfälle werden vor allem von den immer häufiger auftretenden ,Zivilisationskrankheiten’ wie hohem Blutdruck und hohen Blutfetten, Blutzuckererkrankungen, Übergewicht und Bewegungsarmut verursacht“, erklärt Prof. Dr. Christian Gerloff, Direktor der Klinik und Poliklinik für Neurologie am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. „Da sie zudem besonders häufig bei älteren Menschen eintreten, wird sich die Zunahme auch durch die demographische Entwicklung ergeben.“
Die meisten Schlaganfälle sind Folgen von Mangeldurchblutungen: Ein Gefäß im Gehirn ist durch Kalkablagerungen oder Gerinnsel verstopft, die mit dem Blutstrom vom Herzen ins Gehirn gespült werden, sodass ein Teil des Gehirns nicht mehr durchblutet wird. Ärzte sprechen dann auch von einem „ischämischen Hirninfarkt“. Seltener kommt es zu einer „Hirnblutung“, bei der eine Schlagader im Gehirn reißt. In beiden Fällen sind Teile des Gehirns unvermittelt ausgeschaltet. Um sie wieder zu aktivieren und langfristige Schäden zu verhindern oder einzugrenzen, bleiben nur wenige Stunden. „Darum ist es wichtig, dass alle Menschen die Symptome kennen und sofort den Rettungsdienst alarmieren, wenn sie diese bei einer Person in ihrer Umgebung wahrnehmen“, so Gerloff. Schlaganfälle sind z. B. an plötzlichen Lähmungen und Taubheitsgefühl auf einer Körperseite, Schwindel, Seh- und Wahrnehmungsstörungen oder Sprach- und Verständnisschwierigkeiten zu erkennen.
Eine optimale Therapie erhalten Patienten auf der „Stroke Unit“. Auf dieser Spezialabteilung sind rund um die Uhr Neurologen im Einsatz, und es steht ein Team aus Neuroradiologen, Internisten und Neurochirurgen bereit. Entsprechende Geräte für die Computertomografie, Magnetresonanztomografie, Ultraschalldiagnostik der Hirnarterien und andere Verfahren sind jederzeit verfügbar. Zudem sorgt ein Team von spezialisierten Pflegekräften, Physiotherapeuten, Logopäden, Ergotherapeuten und Neuropsychologen dafür, dass die Rehabilitation so früh wie möglich beginnen kann.
Manchen Menschen merkt man nicht an, dass sie einen Schlaganfall erlitten haben – das Gehirn ist lernfähig („plastisch“), kann sich anpassen und „gelöschte“ Funktionen wiederherstellen. Häufiger jedoch bleiben Lähmungen oder Sprachstörungen zurück. Auch das Denken und Verstehen, die Konzentrationsfähigkeit und Reaktionen können sich verschlechtern. „Mehr als ein Drittel der Patienten entwickelt Depressionen.“
Wie kann man sich schützen? Viele Risikofaktoren, die zu einer Arterienverkalkung führen können, etwa Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen, Diabetes oder Herzrhythmusstörungen, sind vererbbar. „Wer unter einer oder mehrerer dieser Krankheiten leidet, sollte besonders auf eine gesunde Ernährung und regelmäßige Bewegung achten, auf Nikotin und Alkohol verzichten“, rät Gerloff. „Von diesen Risikofaktoren geht nämlich ebenfalls eine Gefahr aus. Zudem addieren sich die Ursachen nicht – sie potenzieren sich.“ Durch moderne Vorsorgeuntersuchungen können Neurologen heute das individuelle Schlaganfallrisiko abschätzen und in Zusammenarbeit mit Internisten und Hausärzten ein Programm zur Senkung der Risikofaktoren erstellen. Weitere Informationen gibt das Service- und Beratungszentrum der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe, Telefon: 0 18 05/09 30 93 (0,14 EUR/Min).
Quelle: DAK/Deutsche Schlaganfallhilfe
aus Neuronal 3/2007
17.12.07