Mitten in der Nacht drückt die Blase. Aufstehen, in die Hausschuhe schlüpfen und schlaftrunken zum Bad laufen. Ein wenig komisch ist der damals 80-jährigen Hanna Weil (Name geändert) dieses Mal, was sie zunächst auf den Kreislauf schiebt. Als beim Händewaschen die Koordination nicht klappen will, ist ihr schnell klar: „Ich habe einen Schlag!“
Welche Therapie jetzt in Frage kommt, liegt in der Entscheidung des hoffentlich schnell anwesenden Arztes. Ist die Ursache ein Blutgerinnsel im Gehirn, kann dies durch eine Lyse-Behandlung aufgelöst werden. Sofortiges Erkennen und ohne Zeitverzögerung handeln, möglichst innerhalb der ersten viereinhalb Stunden, ist beim Schlaganfall unerlässlich. Um dies auch in ländliche Regionen zu gewährleisten, steht seit kurzem die Telemedizin zur Verfügung. Dabei erfolgt die notwendige Kommunikation so, dass Experten das Arzt-Patienten-Gespräch über Kameras und Monitore führen können. Die notwendige Entscheidungssicherheit haben Ärzte, die sich fachlich immer auf dem aktuellen medizinischen Wissensstand befinden – und praktische Erfahrungen mit Experten austauschen.
Gut fünf Jahre nach ihrem Schlaganfall geht es der Rentnerin heute gesundheitlich wieder blendend. Bereits nach acht Tagen konnte sie das Krankenhaus verlassen. Seit dem Schlaganfall muss Hanna Weil zwar täglich Tabletten zur Vermeidung eines Folgeschlaganfalls einnehmen, aber das stört sie nicht weiter, denn Nebenwirkungen spürt sie keine.
Hanna Weil reagiert schnell und richtig, als sie beim Versuch die Hände zu waschen, immer wieder den Wasserstrahl verfehlt. Die Symptome eines Schlaganfalls sind ihr trotz nächtlicher Stunde präsent: Der Körper gehorcht nicht mehr. Auch über die Notwendigkeit schnell zu reagieren, um bei einem Schlaganfall innerhalb von drei Stunden behandelt zu werden, weiß sie Bescheid. So ist es der Rentnerin möglich, sofort ihre im Haus lebende Familie zu alarmieren. Diese ruft richtigerweise den Rettungsdienst, der die Frau umgehend in ein Krankenhaus einliefert.
Jeder Schlag ist anders. Um die verschiedenen Ursachen eines Schlaganfalls feststellen zu können, stehen dem Arzt in der Klinik verschiedene bildgebende Verfahren (CT und/oder MRT) zur Verfügung. Damit wird sichtbar, ob ein Blutgerinnsel ein Gefäß verstopft oder ob es sich um eine Hirnblutung handelt. Besteht Klarheit über die Ursache, sind weitere Fragen für die Wahl der Behandlung zu stellen: Wann ereignete sich der Schlaganfall? Hatte dieser Patient bereits einen Schlaganfall? Leidet der Patient unter einer Erkrankung wie Bluthochdruck oder Diabetes? Wie alt ist der Patient? Welche Medikamente werden eingenommen?
Im Fall von Hanna Weil verliefen Patientenreaktion, Diagnose und Therapie nach dem Schlaganfall optimal.
16.10.12