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Liquordiagnostik

Unter der Liquordiagnostik versteht man ein Verfahren, die Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit (Liquor cerebrospinalis) labortechnisch zu untersuchen. Die Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit, umgangssprachlich auch als Nervenwasser bezeichnet, wird stetig vom Adergeflecht der Hirnkammern, mitunter auch von den Hirnhautgefäßen, gebildet. Hierbei handelt es sich um eine klare Flüssigkeit, die unter anderem weiße Blutzellen, sowie geringe Mengen an Enzymen und Eiweiß enthält.

Veränderungen in der Zusammensetzung des Liquor cerebrospinalis liefern bei der Liquordiagnostik wichtige Hinweise auf Krankheiten, die das Hirn und Rückenmark (Zentralnervensystem) in Mitleidenschaft ziehen. Die Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit erfüllt eine wichtige Pufferfunktion für das Zentralnervensystem (ZNS), ohne die bei jedem Schritt eine Gehirnerschütterung die Folge wäre. Die Entnahme des Nervenwassers für die Liquordiagnostik erfolgt in der Regel durch die sogenannte Lumbalpunktion. Für die Liquordiagnostik wird die körpereigene Flüssigkeit durch einen Einstich in den Wirbelkanal zwischen dem 3. und 4. Lendenwirbel entnommen.

In welchen Fällen wird eine Liquordiagnostik nötig

Viele Krankheiten lassen sich mithilfe der Liquordiagnostik nachweisen. Dies liegt an dem Filtersystem zwischen Gehirngewebe und Blut. Die sogenannte Blut-Hirn-Schranke lässt nur wenige ausgewählte Stoffe passieren. Bestimmte Krankheiten, die entzündliche und chemische Veränderungen in Rückenmark und Gehirn auslösen, können deshalb nur mithilfe der Liquordiagnostik erkannt werden. Zu den Krankheiten, die mit der Liquordiagnostik erkannt werden können, zählen vor allem Entzündungen des Zentralnervensystems, die entweder durch Viren oder Bakterien ausgelöst werden, etwa Gehirn- oder Gehirnhautentzündungen. Des Weiteren wird die Liquordiagnostik bei der Diagnose von Multiple Sklerose, sowie Rückenmarks- und Hirntumoren eingesetzt. Auch bestimmte Krebsformen lassen sich anhand einer Liquordiagnostik nachweisen, z. B. Leukämie oder ein Krebsbefall der Hirnhäute.

Wie wird eine Liquordiagnostik durchgeführt?

Um die Liquordiagnostik durchführen zu können, muss zunächst eine geringe Menge der Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit entnommen werden. Für eine Liquordiagnostik genügen in der Regel rund 3 bis 6 Milliliter, die auf drei Portionen aufgeteilt werden. Die Entnahme für die Liquordiagnostik erfolgt, sofern nicht kontraindiziert, durch die Lumbalpunktion. Hierzu wird für die Liquordiagnostik eine Hohlnadel mit einer Länge von 90 Millimetern (u. U. 120 Millimeter) in den Lumbalkanal der Lendenwirbelsäule eingestochen. In der Regel erfolgt der Einstich für die Liquordiagnostik zwischen 3. und 4. oder zwischen 4. und 5. Lendenwirbeldornfortsatz.

Ist eine Lumbalpunktion nicht möglich, weil Tumoren an der Wirbelsäule die Entnahmemöglichkeit für die Liquordiagnostik ausschließen, so kann die Nervenflüssigkeit auch über einen Einstich zwischen erstem Halswirbel und Hinterhauptsknochen oder durch Punktion der mit Hirnwasser gefüllten Hohlräume im Gehirn entnommen werden. Die Lumbalpunktion für die Liquordiagnostik erfolgt in der Regel am liegenden oder sitzenden Patienten ohne eine Betäubung. Lediglich der Einstich wird vom Patienten wahrgenommen, auf Wunsch kann die Einstichstelle daher lokal betäubt (Lidocain oder Vereisung) werden, was in den meisten Fällen jedoch unnötig ist.

Sobald die Flüssigkeit für die Liquordiagnostik entnommen wurde, beginnt der erste Teil der eigentlichen Liquordiagnostik, die Sichtprüfung, die auch als makroskopische Beurteilung bezeichnet wird. Schon mit bloßem Auge können beim ersten Schritt in der Liquordiagnostik Abweichungen von der Norm ausgemacht werden. Normalerweise ist die Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit klar wie Wasser.

Was wird bei der Liquordiagnostik untersucht?

Nach der Entnahme und der ersten Sichtprüfung der Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit bei der Liquordiagnostik wird diese umgehend an ein geeignetes Labor gesandt. Die Geschwindigkeit spielt hierbei für die Liquordiagnostik eine wichtige Rolle, denn spätestens zwei Stunden nach der Entnahme des Liquors muss die Anzahl der Zellen bestimmt und die Vorbereitungen für die weiteren Labormaßnahmen getroffen sein, um Verfälschungen zu vermeiden. Das Nervenwasser wird beim Eintreffen im Labor zunächst nochmals einer Sichtprüfung unterzogen. Hierbei wird insbesondere auf eventuelle Blutbeimengungen, Eiter, Blutgerinnsel oder sonstigen Verfärbungen geachtet.

Zusätzlich gibt ein Teststreifen Aufschluss über Menge und Vorhandensein von Erythrozyten (rote Blutkörperchen), Leukozyten (weiße Blutkörperchen), Hämoglobin (rote Blutfarbstoff) und Bilirubin (Gallenfarbstoff), Werte, die nicht durch die bloße Sichtprüfung ermittelt werden können. Mithilfe unterschiedlicher labortechnischer Methoden wird dann schnellstmöglich die Anzahl und Art der Zellen im Nervenwasser geprüft, Eiweiße, Laktat und Glukose bestimmt, sowie das Vorhandensein von Bakterien oder Pilzen überprüft.

Um Krankheiten, die durch Viren ausgelöst werden, mittels der Liquordiagnostik zu bestimmen, wird zudem in der Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit nach Antikörpern gesucht. Handelt es sich um eine „gesunde“ Liquorprobe, so sollte das Nervenwasser farblos und mit einem geringen Gehalt an Zellen versehen sein. Der Eiweißgehalt von unauffälligem Liquor liegt zwischen 0,15 bis 0,45 Gramm/Liter.

Risiken der Liquordiagnostik

Die Liquordiagnostik selbst birgt, wie jede äußere Einwirkung auf das Gewebe grundsätzlich, die Gefahr von Einblutungen und Infektionen. Entsprechende Hygienemaßnahmen und Vorbereitungen des Patienten minimieren dieses Risiko erheblich. Bei der Entnahme der Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit können zudem in seltenen Fällen unerwünschte Nebenwirkungen auftreten, die zwar unangenehm, aber nicht bedrohlich sind.

Die häufigste Nebenwirkung ist der sogenannte postpunktionelle Kopfschmerz, der am zweiten Tag nach der Punktion auftreten und von Übelkeit und Schwindel begleitet werden kann. Der Kopfschmerz ist in der Regel nicht behandlungsbedürftig und klingt, in den meisten Fällen, von selbst wieder ab. Vorbeugen lässt sich diesem postpunktionellen Kopfschmerz durch die Wahl einer geeigneten Punktionsnadel. Nadeln, die mit einer symmetrisch (atraumatisch) geformten Spitze und einem geringen Durchmesser versehen sind, minimieren das Kopfschmerzrisiko. Auch ausreichende Bettruhe nach der Punktion kann den Kopfschmerz i. d. R. verhindern oder minimieren.

Judith Schomaker

06.02.13

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