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Wie Schmerzen den Juckreiz unterdrücken

Wenn es juckt, kratzen sich die meisten Menschen fast unwillkürlich. Der so entstehende Schmerz überlagert den Juckreiz vorübergehend. Schwedische Wissenschaftler sind der Frage nachgegangen, warum das so ist – und stießen bei ihren Versuchen auf eine erstaunlich einfache Begründung: Beide Reize nutzen offensichtlich denselben Signalweg.

Der jeweils stärkere Reiz blockiert dabei die Weiterleitung des anderen Reizes. Ihre Erkenntnisse wollen die Wissenschaftler nun zur Unterdrückung des Juckreizes einsetzen. Ziel seien beispielsweise Medikamente, die die Signalbahnen gezielt blockieren und somit den Juckreiz und den damit verbundenen Kratzzwang reduzieren. Im Fachmagazin ´Neuron` berichtete das Team um den Neurologen Prof. Klas Kullander von der Universität Uppsala über die bisherigen Forschungsergebnisse.

Millionen Menschen weltweit leiden unter unerträglichem Juckreiz. Er tritt häufig bei Allergien oder Hautkrankheiten wie Neurodermitis auf. Aber auch während des Heilungsprozesses nach Operationen oder Verbrennungen haben viele Patienten damit zu kämpfen. Betroffene kratzen sich, denn der Schmerzreiz kann das Jucken zumindest kurzzeitig überdecken. Mit der Zeit verringert sich dabei jedoch oft das Schmerzempfinden, und es entwickelt sich ein Teufelskreis aus Jucken und Kratzen, was zu schweren Hautverletzungen führen kann.

Die neurologischen Grundlagen des Juckreizes sind noch nicht vollständig erforscht. Ganz im Gegensatz zu Schmerzsignalen: Wie Nervenzellen dem Gehirn Schmerzreize melden, ist bereits bekannt. Die schwedischen Wissenschaftler beobachteten nun in ihren Versuchen die Reaktion von Mäusen auf Hitzeschmerz. Bei dem sog. Heiße-Platte-Test wird geprüft, wie lange die Nager ihre Pfote auf einer 53° C heißen Metallplatte liegen lassen. Je schneller sie wegzucken, desto schmerzempfindlicher sind sie.

Für ihre Studie verwendeten die Forscher der Universität Uppsala sowohl normale Mäuse als auch Tiere, bei denen die Produktion des Neurotransmitters VGLUT 2 eingeschränkt war. Dieser biochemische Botenstoff gibt mit Hilfe elektrischer Impulse Informationen über Schmerzreize von einer Nervenzelle zur anderen weiter. Wie erwartet zeigten die Tiere, denen Neurotransmitter fehlten, ein verringertes Schmerzempfinden. Parallel dazu stieg jedoch die Kratzhäufigkeit erheblich an. Während sich die normalen Mäuse nur gelegentlich kratzten, fügten sich die anderen Tiere regelrechte Wunden zu. Dies lasse, so Prof. Kullander, auf einen direkten Zusammenhang der beiden Prozesse schließen.

Quelle: Allergikus 1/2011

12.05.11

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