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Stehrollstühle

Stehrollstühle können das Leben von Rollstuhlfahrern mit MS erleichtern. Sie ermöglichen einem Rollstuhlfahrer das selbstständige Aufrichten in eine Stehposition auch dann, wenn er kaum noch bzw. gar nicht mehr selbstständig gehen oder stehen kann. Wer durch einen Stehrollstuhl in die Lage versetzt wird, bei Bedarf zu stehen, gewinnt i. d. R. ein gerüttelt Maß an Eigenständigkeit zurück, was sich in den meisten Fällen positiv aufs Wohlbefinden und auf die Psyche auswirkt. Zudem ist es für die körperliche Gesundheit von Vorteil, sich hin und wieder in die Aufrechte zu begeben.

Menschen sind nicht fürs ständige Sitzen geschaffen, doch wer einen Rollstuhl benötigt, verbringt im Allgemeinen einen Großteil des Tages im Sitzen. Das hat negative Auswirkungen auf den Kreislauf, den Bewegungsapparat und oft auch auf die inneren Organe. Zu den gesundheitlichen Problemen, die bei Rollstuhlfahrern daher häufiger auftreten können, gehören Schwierigkeiten mit der Verdauung, der Atmung und der Durchblutung. Daneben kann es durch das ständige Sitzen zu weiteren Bewegungseinschränkungen durch die Verkürzung von Bändern und Sehnen und der unzureichenden Benutzung verschiedener Muskelgruppen kommen. Auch Osteoporose, also Knochenschwund, gehört nicht selten zu den unangenehmen Folgeerscheinungen, ebenso die Bildung von Druckgeschwüren (Dekubitus). Deshalb empfehlen Physiotherapeuten Rollstuhlfahrern regelmäßiges Bewegungstraining, z. B. in einem Stehständer. Mit einem Stehrollstuhl, der im Gegensatz zu anderen Stehhilfen mobil ist, kann ein Rollstuhlfahrer gleich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Er kann sich einerseits selbstständig fortbewegen, andererseits kann er seinen Körper bei Bedarf in die aufrechte Position bringen und im Stehen eventuell sogar noch eigenständig Bewegungsübungen durchführen. Das Stehen kurbelt den Kreislauf an, fördert die Durchblutung und die inneren Organe sowie der Sitzbereich werden ent-, die Knochen, Muskeln und Gelenke belastet.

Für wen eignet sich ein Stehrollstuhl?

Ein Stehrollstuhl eignet sich für all diejenigen, die kaum noch oder nicht mehr aus eigener Kraft stehen bzw. gehen können. Stehrollstühle gibt es als reine Elektrorollstühle, also als Rollstühle mit Elektroantrieb, bei denen auch die Aufstehhilfe z. B. auf Knopfdruck oder durch Bewegung eines Joysticks elektrisch angetrieben wird, und als handbetriebene Aktivrollstühle mit einer elektrischen oder manuellen Aufstehhilfe, wobei die manuelle Aufstehhilfe i. d. R. hydraulisch unterstützt wird. Auf diese Weise ist meist nur eine geringe Armkraft nötig. Die Arm- und Handfunktion sowie deren Koordination muss jedoch für die Benutzung einer manuellen Aufstehhilfe noch intakt sein. Elektrorollstühle hingegen sind auch für Rollstuhlfahrer geeignet, die nur über eine geringe Kraft und Funktion der Arme und Hände verfügen. Sie können auch von Tetraplegikern oder MS-Patienten mit Spastiken betrieben werden. Damit der Rollstuhlfahrer sicher steht, wird er durch Gurtsysteme gehalten, auch Beine und Füße werden, angepasst an die individuellen Erfordernisse, fixiert.

Stehrollstühle können in den meisten Fällen nicht nur in der eigenen Wohnung, sondern auch im Außenbereich genutzt werden. Dadurch unterstützen sie den Wechsel zwischen Stehen und Sitzen an allen Orten. Einige Modelle lassen sich sogar im Stehen fahren, was z. B. an manchen Arbeitsplätzen von Vorteil ist. Mit einem Stehrollstuhl lassen sich u. U. sogar Berufe weiter ausüben, bei denen es zumindest zeitweise erforderlich ist zu stehen. Ein Stehrollstuhl ermöglicht es einem Rollstuhlfahrer auch, Gegenstände zu erreichen, an die er im Sitzen nicht herankommt. Die Stehposition ist i. d. R. variabel einstellbar – bis zu einem bestimmten Winkel (um 85 Grad), in dem der Rollstuhlfahrer nahezu aufrecht steht. Dabei sind Stehrollstühle kippsicher. Manche Elektrorollstühle bieten neben der Stehfunktion zusätzlich das Absenken in die Liegeposition an. Meistens ist mit dem Rollstuhl auch das allmähliche Aufrichten möglich, damit der Kreislauf durch die plötzliche Lageveränderung nicht zu sehr belastet wird. Wenn es jedoch schnell gehen soll, bringen Stehrollstühle ihre Besitzer auch in wenigen Sekunden in die Steh- bzw. Sitzposition.

Vorteile für die Psyche

Stehrollstühle haben nicht nur gesundheitliche Vorteile, durch sie kann der Rollstuhlfahrer auch mit Fußgängern auf gleicher Augenhöhe reden. Oft fühlen sich nämlich Rollstuhlfahrer aufgrund ihrer sitzenden Position stehenden Fußgängern gegenüber klein, manchmal sogar unterlegen. Hin und wieder werden sie von Stehenden auch einfach übersehen. Mit dem Stehrollstuhl hingegen kann sich ein Rollstuhlfahrer zur vollen Größe aufrichten – ein nicht zu unterschätzender Vorteil für die eigene Psyche. Auch die Umarmung des Partners im Stehen wird durch einen Stehrollstuhl ermöglicht – ein weiterer Vorteil, den viele nicht mehr missen wollen, auch wenn er im Vergleich zu anderen Vorzügen zunächst unwesentlich erscheinen mag. Mit einem Stehrollstuhl sind Rollstuhlfahrer zudem in geringerem Maße auf die Hilfe anderer angewiesen, z. B. weil sie nun allein an höher gelegene Gegenstände herankommen. Auch das wirkt sich positiv auf den seelischen Zustand und das Allgemeinbefinden aus. Denn die meisten Menschen mit Behinderung fühlen sich wohler, je eigenständiger sie trotz ihrer Behinderung sind. Ein Nachteil bei Elektrostehrollstühlen ist das z. T. erhebliche Gewicht. Für den Transport im Auto ist deshalb i. d. R. ein Umbau des Pkw notwendig. Aktivrollstühle mit Aufstehhilfe dagegen sind im Allgemeinen kleiner und leichter. Allerdings sind sie nicht für alle Betroffene geeignet.

Eine gute Anpassung ist Voraussetzung

Ein Rollstuhlfahrer, der sich für einen Stehrollstuhl entscheidet, sollte sich vor der Anschaffung gründlich beraten lassen und mehrere Modelle ausprobieren. So muss beispielsweise die Rückenlehne in der Länge individuell angepasst werden. Auch bei Modellen, deren Lehnenlänge sich stufenlos anpassen lässt, ist Probesitzen und -stehen sinnvoll. Die Sitzposition und die Neigung der Rückenlehne müssen ebenfalls stimmen, um ein sicheres und bequemes Sitzen zu gewährleisten. Und natürlich muss die Aufstehhilfe vom Rollstuhlfahrer problemlos zu benutzen sein. Schwierigkeiten z. B. beim Sitzen können u. U. durch Zusatzzubehör (z. B. ein Schaumstoffkissen) ausgeglichen werden. Doch all das sollte auch getestet werden.

Die Krankenkassen übernehmen die Kosten für einen Stehrollstuhl nicht in jedem Fall, obwohl er als Hilfsmittel anerkannt ist. Eine gute Chance auf die Kostenübernahme hat der Antragsteller, wenn er nachweisen kann, dass der Stehrollstuhl gemäß Paragraph 33 des fünften Sozialgesetzbuchs (SGB) erforderlich ist, um seine Behandlung zu sichern. Um als erstattungsfähiges Hilfsmittel anerkannt zu werden, muss er den Gerichten zufolge zudem zweckmäßig, wirtschaftlich und notwendig sein, und es darf kein billigeres, im gleichen Maße geeignetes Hilfsmittel auf dem Markt geben. Auch wenn der Stehrollstuhl der Teilhabe am Leben in der Gesellschaft nach Paragraph 4 und 5 SGB IX dient, ist er erstattungsfähig. Im Gegensatz dazu ersetzen die gesetzlichen Kassen die Kosten für den Stehrollstuhl nicht, wenn er als Gebrauchsgegenstand fürs tägliche Leben dient.

Quelle: Befund MS 01/2013

22.05.13

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