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Alternative Behandlung bei MS

Alternative Behandlungsmethoden können eine Ergänzung zur verlaufsmodifizierenden Therapie der MS sein. Sie können Symptome lindern, die mit der MS einhergehen, oder können u. U. zu mehr Wohlbefinden verhelfen.

Komplementärmedizin = Ergänzungsmedizin

Alternative Heilverfahren werden oft auch als komplementäre (ergänzende) Heilverfahren bezeichnet, weil sie i. d. R. die herkömmliche Therapie ergänzen, jedoch nicht ersetzen können. Während manche alternative Behandlungsmethoden in wissenschaftlichen Studien einen Zusatznutzen bei der Behandlung von MS gezeigt haben, sind andere im Bereich der MS-Therapie wissenschaftlich noch zu wenig erforscht, um eine abschließende Empfehlung für sie geben zu können. Nichtsdestotrotz können sich bestimmte Heilverfahren bei einigen MS-Betroffenen günstig auswirken. So z. B. die Akupunktur, deren Nutzen bei MS noch nicht bewiesen ist. Ist aber sicher, dass eine alternative Behandlung nicht schadet, kann es durchaus einen Versuch wert sein, sie auszuprobieren. Auf Methoden, die umstritten sind oder gesundheitliche Probleme hervorrufen können, sollte man hingegen verzichten. Bevor MS-Patienten jedoch eine alternative Heilmethode ausprobieren, sollten sie in jedem Fall mit ihrem Arzt darüber sprechen. Die Multiple Sclerosis International Federation (MSIF) geht davon aus, dass in Europa ein bis drei Viertel aller von MS Betroffenen Alternativmedizin einsetzen.

Entspannungsmethoden im Überblick

Zur komplementären Behandlung bei MS gehören alle Arten von Entspannungsmethoden. Diese helfen zwar nicht direkt gegen die Symptome, die bei MS auftreten, aber sie können zu einem verbesserten Allgemeinbefinden und einer gesteigerten Lebensqualität beitragen. Wer ruhiger und entspannter ist, kann oft mit Problemen besser umgehen. Auch die Muskeln können sich mithilfe von Entspannungstechniken entspannen. Hinzukommt, dass es gerade in Stresssituationen für MS-Betroffene wichtig ist, sich zu entspannen. Welche Entspannungstechnik die richtige ist, ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich.

Zu Entspannungstechniken, die Bewegungsübungen einsetzen, gehören Yoga, Tai Chi, Qigong, Feldenkrais und Eutonie. Diese Methoden sollten unter Anleitung erlernt werden, bevor man sie zu Hause allein ausführt. Obwohl Bewegungen bei den genannten Entspannungsverfahren eine große Rolle spielen, können auch Menschen mit Bewegungseinschränkungen sie erlernen und ausüben. Yoga z. B. umfasst eine sehr große Anzahl verschiedener Übungen, darunter solche, die die Koordination und das Gleichgewicht schulen, andere, bei denen die Muskulatur gedehnt wird, aber auch Übungen, bei denen es vor allem auf die Atmung ankommt sowie eine Kombinationen von allem.

Bei Tai Chi und Qigong führt man die Bewegungen i. d. R. ruhig und langsam durch, teilweise auch im Sitzen. Beim Feldenkrais gibt es sowohl aktive als auch passive Bewegungsübungen, die gemeinsam haben, dass sie die Körperwahrnehmung verbessern. Diese Entspannungsmethode kann im Sitzen oder sogar im Liegen durchgeführt werden. Auch die Eutonie arbeitet mit langsamen Bewegungen, die im Liegen, Sitzen oder Stehen möglich sind. Diese Entspannungsmethoden haben nicht nur eine beruhigende Wirkung, sie schulen zusätzlich das Bewegungssystem und fördern u. U. Gleichgewichtssinn und Koordinationsfähigkeit.

Zu den Entspannungstechniken, die sich (fast) überall durchführen lassen, gehören die Progressive Muskelentspannung nach Jacobson und die Entspannung durch gezieltes Atmen. Bei der Progressiven Muskelentspannung ist eine gewisse Kontrolle über die Muskulatur erforderlich. Die Progressive Muskelentspannung arbeitet mit dem gezielten Wechsel von Anspannung und Entspannung der Muskulatur. Der Reihe nach werden verschiedene Muskelgruppen für eine kurze Zeitspanne stark angespannt und anschließend wieder entspannt. Auf diese Weise kommt es schließlich zu einer Entspannung des gesamten Körpers. Beim Entspannen mithilfe der Atmung wird tief durch die Nase eingeatmet. Dabei ist darauf zu achten, dass die eingeatmete Luft sich in der Lunge verteilen kann. Anschließend wird durch den Mund ganz langsam wieder ausgeatmet. Durch die mehrfachen Wiederholungen können sich Körper und Geist entspannen. Neben dieser Methode gibt es noch verschiedene weitere Atemtechniken, die ähnlich wirken.

Menschen, die sich am besten entspannen können, indem sie in sich versinken, profitieren z. B. vom autogenen Training, von Meditationsverfahren oder Klangschalenbehandlungen. Beim autogenen Training suggeriert man sich selbst – zunächst unter Anleitung – Empfindungen (z. B. dass bestimmte Muskelgruppen warm und schwer werden), wodurch eine tiefe Entspannung eintritt. Bei Klangschalenbehandlungen lässt man die Klänge auf Körper und Geist einwirken.

Massagen, Akupunktur und Co.

Massagen empfinden viele Menschen als wohltuend. Sie können Muskelverspannungen und damit auch Schmerzen lindern und sind oft Bestandteil der physiotherapeutischen Behandlung. Eine Studie der Universität Ulster von 2009 hat ergeben, dass die Fußreflexzonenmassage Schmerzen bei MS-Patienten verringern kann.

Auch Akupunktur und Akupressur können bei MS eingesetzt werden. Hierbei stimuliert der Therapeut bestimmte Punkte im Körper, was u. a. dazu führen soll, dass sich Schmerzen verringern. Eine Studie an der Charité Universitätsmedizin prüft derzeit, ob Akupunktur bei Fatigue helfen kann. Für die Homöopathie gibt es bei MS bislang keinen Wirksamkeitsbeweis, aber manche Betroffenen berichten darüber, dass ihnen homöopathische Mittel z. B. Blasenbeschwerden geholfen haben.

Ernährung und Nahrungsergänzungsmittel

Weder die Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG) noch die MSIF kennen eine Diät, die die Beschwerden von Menschen mit MS verringert. Die Heilversprechen sog. MS-Diäten sind daher mit Vorsicht zu genießen. Klar ist für DMSG und MSIF, dass von MS-Betroffene sich ausgewogen und vitaminreich ernähren sowie auf Alkohol und Rauchen weitgehend verzichten und auf das Körpergewicht achten sollten. Mangelerscheinungen können sich u. U. negativ auf die MS auswirken, ebenso Übergewicht. Auf eigene Faust sollten Menschen mit MS nicht zu Nahrungsergänzungsmitteln greifen, sondern erst ärztlichen Rat einholen.

Das Gleiche gilt im besonderen Maße auch für Vitamin D, das möglicherweise die Krankheitsaktivität bei MS senken könnte (darauf deuten jedenfalls einige medizinische Studien hin – abgeschlossen sind die Untersuchungen dazu jedoch noch nicht). Nur wenn der Arzt Vitamin D verordnet, weil er einen Mangel diagnostiziert hat, sollten Betroffene zu einem Vitamin-D-Präparat greifen.

Vorsicht!

Neben den alternativen Behandlungsmethoden, die einen Nutzen haben können bzw. deren Nutzen noch nicht geklärt ist, gibt es auch Therapien, die keine Wirksamkeit zeigen bzw. gefährlich sein können. Zu den gefährlichen Heilmethoden gehören u. a. Behandlungen mit Bienen- oder Schlangengift, die bei Menschen, die darauf allergisch reagieren, lebensgefährlich sein können. Ein Nutzen konnte der DMSG zufolge bislang wissenschaftlich noch nicht erwiesen werden. Alle Behandlungsmethoden, die das Immunsystem stärken bzw. die Immunreaktion verbessern sollen, können u. U. die MS-Beschwerden verstärken oder Schübe auslösen. Gefährlich sind laut DMSG die sog. intrathekale Stammzelltherapie, bei der dem Patienten Stammzellen in den Rückenmarkskanal injiziert werden, und die Implantation von Schweinehirn in die Bauchdecke. Die Frischzellentherapie kann u. U. ebenfalls schwere Nebenwirkungen nach sich ziehen.

Manche Zahnärzte empfehlen zur Behandlung von MS-Symptomen die Entfernung von Amalgam-Füllungen. Doch bislang haben wissenschaftliche Studien noch keinen Beweis erbracht, dass dies gegen die Beschwerden helfen kann. Das Gleiche gilt für die Einnahme von Enzymkombinationen. Die Sauerstoff-Überdruck-Therapie, bei der die MS-Patienten unter bestimmten Bedingungen Sauerstoff einatmen, ist laut DMSG in Studien wirkungslos geblieben.

Quelle: Befund MS 3/2014

13.03.15

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