
Tuberkulose (Tb, Tbk oder Tbc)
Tuberkulose ist eine chronisch verlaufende, bakterielle Infektionskrankheit, die meist durch eine Infektion mit dem Mycobacterium tuberculosis hervorgerufen wird. Am häufigsten ist die Tuberkulose in den Atemorganen lokalisiert (sog. Lungentuberkulose). Diese Form der Tbc wird auch als pulmonale Tuberkulose bezeichnet. Jedoch können auch andere Organe betroffen sein. Diese extrapulmonale Tuberkulose kann sich z. B. in den Lymphknoten oder den Knochen und Gelenken (sog. Arthritis tuberculosa) manifestieren.
Entdeckt wurde der Tuberkulose-Erreger von dem damals in Berlin tätigen deutschen Arzt und Mikrobiologen Robert Koch. Seine Untersuchungen präsentierte er am 24. März des Jahres 1882 in seinem Vortrag zur „Ätiologie der Tuberkulose“ an der Universität Berlin. Genau 100 Jahre später ernannte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) diesen Tag zum Welt-Tuberkulose-Tag. Robert Koch selbst gelang es nicht, ein Arzneimittel gegen die Tuberkulose zu finden. Mit der Entdeckung des Mycobacterium tuberculosis legte er jedoch den Grundstein für die Behandlung dieser Erkrankung.
Die WHO schätzt, dass ungefähr zwei Milliarden Menschen mit dem Tuberkulose-Erreger infiziert sind. Jedoch erkrankt nur jeder Zehnte in seinem Leben tatsächlich einmal an einer offenen Tbc. Rund 1,6 Millionen Menschen starben im Jahr 2005 an Tuberkulose. Ungefähr die Hälfte der Betroffenen stammte aus einem asiatischen Land. Insbesondere HIV-positive Menschen tragen ein erhöhtes Risiko, sich mit Tuberkulose zu infizieren. Jedes Jahr sterben rund 200.000 Menschen mit HIV an Tuberkulose.
In Deutschland sinkt die Zahl der jährlichen Neuerkrankungen seit dem Jahr 2002 stetig. Kurz vor dem diesjährigen Welt-Tuberkulose-Tag veröffentlichte das Robert Koch-Institut die aktuellsten Zahlen zur Erkrankungshäufigkeit in Deutschland. Nach diesen Erhebungen, für die Statistiken aus dem Jahr 2006 auswertet wurden, erkrankten bundesweit 5.402 Menschen an Tuberkulose, während im Jahr 2005 noch 6.045 Menschen erkrankten. Dies ist ein Rückgang von rund 11 %. Auch die Zahl der Infektionen mit multiresistenten Tuberkulose-Erregerstämmen ging im Jahr 2006 gegenüber dem Vorjahr geringfügig zurück.
Männer erkranken aus bisher noch nicht geklärten Umständen häufiger an Tuberkulose als Frauen: Während 2006 durchschnittlich 7,8 von 100.000 Männern neu an Tuberkulose erkrankten, waren es im gleichen Zeitraum nur durchschnittlich 5,3 von 100.000 Frauen. Die Inzidenz bei Männern ist somit ca. anderthalb mal so hoch wie die bei Frauen. Bezogen auf das Alter der Patienten zeigt sich eine Häufung zwischen 25 und 29 Jahren sowie ein weiter Anstieg im Alter über 69 Jahren.
Nach dem in Deutschland gültigen Infektionsschutzgesetz (IfSG), das im Jahr 2001 anstelle des Bundesseuchenschutzgesetzes in Kraft trat, müssen alle behandlungsbedürftigen Fälle von Tuberkulose sowie eventuelle Therapieverweigerungen oder Therapieabbrüche an das zuständige Gesundheitsamt gemeldet werden.
In Deutschland wurde ein neuer Lebendimpfstoff gegen die Tuberkulose entwickelt, der im Tierversuch bereits seine Wirksamkeit und Sicherheit zeigte. Nach diesen ermutigenden Ergebnissen wird der Impfstoff nun seit September 2008 auch an freiwilligen Probanden gestestet. Er ist eine weiterentwickelte und gentechnisch veränderte Version der seit 1921 verwendeten Vakzine, die unter dem Impftstoffnamen Bacille Calmette-Guérin (BCG) bekannt ist. Da inzwischen umstritten ist, ob diese wirklich zuverlässig vor Tuberkulose schützen, wird die BCG-Impfung seit 1998 nicht mehr von der Ständigen Impfkommission (STIKO) empfohlen.
Antje Habekuß
28.11.08