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Die Zahl der Patienten mit einem Tumor in der Leber steigt stetig: In Deutschland erkranken mittlerweile allein 6.000 Menschen jährlich an primärem Leberkrebs. Viel häufiger sind jedoch Metastasen, die von Tumoren anderer Organe gebildet werden und in die Leber streuen: So entwickeln nahezu 30.000 Darmkrebspatienten im Jahr Lebermetastasen. Leider wird die Erkrankung aufgrund der spät auftretenden Symptome oft erst im fortgeschrittenen Stadium erkannt.
Die kürzlich gegründete Expertengruppe Selektive Interne Radiotherapie konzentriert sich auf eine Therapieform, die genau in diesem Erkrankungsstadium eingesetzt werden kann. Mit der Selektiven Internen Radiotherapie können Ärzte primäre Lebertumoren und Lebermetastasen direkt und ganz gezielt behandeln. Die Expertengruppe möchte Betroffene, Ärzte und andere Interessenten umfassend über die SIRT informieren und deutschlandweit Patienten den Zugang zur Behandlung erleichtern.
Die Selektive Interne Radiotherapie (kurz: SIRT) ist eine Strahlentherapie zur Behandlung primärer Lebertumoren und Lebermetastasen. Ein Ärzteteam bringt dabei mit einem Katheter Millionen winziger radioaktiver Mikrokügelchen in die Leberarterie ein. Diese wandern mit dem Blutstrom direkt zum tumorösen Gewebe in der Leber. Dort können die mit dem Beta-Strahler Yttrium-90 angereicherten Kügelchen ganz gezielt die bösartigen Zellen bestrahlen.
Im Lebergewebe reicht die Strahlung über eine geringe Entfernung von ca. einem Zentimeter. Folglich kann bei der SIRT – im Vergleich zur Bestrahlung des Körpers von außen – eine sehr viel höhere Dosis gegen die Krebszellen gerichtet werden. Gesunde Zellen und angrenzende Organe werden dabei weitestgehend geschont und nur das erkrankte Gewebe gezielt be-strahlt.
Die Expertengruppe Selektive Interne Radiotherapie wurde im November 2011 mit dem Ziel gegründet, sowohl Patienten als auch Ärzte und weitere Interessenten umfassend, zuverlässig und präzise zur SIRT zu informieren. „Wir möchten die SIRT und ihre Einsatzgebiete der breiten Öffentlichkeit bekannt machen“, äußert sich Dr. Tobias Jakobs, Chefarzt der Radio-logie am Krankenhaus Barmherzige Brüder München, zum Hauptanliegen der Initiative. „Im Mittelpunkt unserer Arbeit stehen die Bereitstellung solider Informationen zur SIRT für alle Interessentengruppen sowie der Aufbau eines deutschlandweiten Expertennetzwerkes unter den Anwendern“, so Dr. Jakobs weiter.
„Uns geht es vor allem darum, den Patienten, die aufgrund ihrer Erkrankung von einer SIRT profitieren könnten, einen raschen Zugang zu Zentren zu verschaffen, in denen ihre Eignung für die SIRT von einem Expertenteam geprüft wird“, unterstreicht Prof. Dr. Frank Kolligs vom Klinikum der Universität München die Aussagen seines Kollegen. „Hierzu bedarf es einer zentralen Anlauf- und Informationsstelle für Ärzte und Patienten sowie der Schaffung eines Netzwerkes von Ärzten, die SIRT-Patienten betreuen. Beides beabsichtigen wir in Deutschland zu etablieren“, so Prof. Kolligs weiter.
„Wir planen dafür unter anderem ein aussage-kräftiges Webportal, um Patienten, Angehörige, zuweisende Ärzte und andere Interessenten mit Informationen zur SIRT aus einer Hand zu versorgen“, ergänzt Dr. Erika Kettner, Onkologische Beraterin am Universitätsklinikum Magdeburg. Das Webportal zur Selektiven Internen Radiotherapie wird Anfang 2012 zugänglich sein.
Quelle: ipse
13.12.11