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Muskelerkrankungen

Wenn Menschen plötzlich unter einer Muskelschwäche leiden, über Schmerzen in den Muskel klagen oder aber keine wirkliche Kontrolle mehr über bestimmte Bewegungsabläufe haben, kann dahinter eine Muskelerkrankung, auch neuromuskuläre Erkrankung genannt, stecken. Bei einer Muskelerkrankung schwinden die Muskeln im menschlichen Körper. Dies kann auf bestimmte Bereiche beschränkt geschehen oder aber auch den ganzen Körper betreffen. Der Volksmund bezeichnet Muskelerkrankungen daher auch laienhaft als Muskelschwund. Die Medizin hingegen verwendet den Begriff Myopathie.

Das Schwinden der Muskeln ist das eindeutigste und am häufigsten auftretende Symptom aller Muskelerkrankungen. Die Ursachen von Muskelerkrankungen sind hingegen sehr vielfältig, was eine eindeutige Diagnose äußerst schwierig macht. Bei vielen seltenen erblich bedingten Muskelerkrankungen ist der Auslöser sogar bis heute gar nicht bekannt.

Welche Gruppen von Muskelerkrankungen werden unterschieden?

Die Muskelerkrankungen lassen sich in drei übergeordnete Gruppen einteilen:

Belastungsabhängige Muskelschwäche (Myasthenie): Die Muskeln der Betroffenen ermüden schneller, wenn sie unter Belastung stehen. Nicht selten leiden die Betroffenen bei Belastung unter Sehstörungen (Doppelbilder). Darüber hinaus kann sich eine dauerhafte Muskelschwäche einstellen. Ursächlich für eine belastungsabhängige Muskelschwäche ist eine Störung im Immunsystem, die wiederum die Reizübermittlung zwischen Nerven und Muskeln behindert.

Um eine belastungsabhängige Muskelschwäche zu diagnostizieren, sind Laboruntersuchungen und auch ein ausführliches Arzt-Patienten-Gespräch nötig. Eine Elektromyografie oder eine Elektroneurografie rundet die Diagnose ab. Ist die Diagnose belastungsabhängige Muskelschwäche gestellt, wird diese mithilfe von Medikamenten behandelt. Zusätzlich wird das Immunsystem medikamentös wieder in Einklang gebracht.

Entzündliche Muskelerkrankungen: Entzündliche Muskelerkrankungen treten plötzlich auf und äußern sich zumeist in einer akuten Muskelschwäche. Drückt man auf die betroffenen Muskeln, reagieren diese schmerzempfindlich. In einigen Fällen entdecken die Betroffenen, dass ihre Haut an den schmerzenden Stellen gerötet ist. Die Ursache für entzündliche Muskelerkrankungen liegt in einer Störung des Immunsystems.

Mithilfe von Laboruntersuchungen lässt sich eine entzündliche Muskelerkrankung diagnostizieren. Hierbei werden Entzündungsmarker und Muskelenzyme gemessen. Auch eine Elektromyografie sowie eine Gewebeprobe des betroffenen Muskelgewebes helfen, die Diagnose zu festigen. Steht fest, dass es sich bei der Erkrankung um eine entzündliche Muskelerkrankung handelt, wird diese mit entzündungshemmenden Medikamenten behandelt. Darüber hinaus kann es auch in einigen Fällen sinnvoll sein, das gestörte Immunsystem durch spezifische Medikamente wieder in Einklang zu bringen.

Erbliche Muskelerkrankungen: Erbliche Muskelerkrankungen haben wie der Name bereits sagt immer einen erblichen bzw. genetischen Hintergrund. Je nachdem welcher genetische Defekt für die erbliche Muskelerkrankung verantwortlich ist, äußert sich die Erkrankung unterschiedlich. Sie kann also sehr viele Gesichter haben und sich an den unterschiedlichsten Muskeln mit unterschiedlichen Symptomen und Verläufen bemerkbar machen.

Das Symptom der Muskelschwäche ist allerdings allen Facetten der erblichen Muskelerkrankungen gleich. Der Gendefekt beeinträchtigt hier den Stoffwechsel der Muskeln und ruft so die Muskelschwäche hervor. Genetische Untersuchungen auf molekularer Ebene ermöglichen es heute, die genaue Ursache der erblichen Muskelerkrankung zu ermitteln. In der Regel greift die Medizin allerdings eher auf die labortechnische Ermittlung der Muskelenzyme und die Elektromyografie zurück. Auch eine Gewebeentnahme an den betroffenen Muskelgruppen kann näheren Aufschluss über die Ursache der Erkrankung bringen. Erblich bedingte Muskelerkrankungen werden zumeist mithilfe physiotherapeutischer Maßnahmen therapiert. Je nach Fall werden Medikamente eingesetzt, um den Fortgang der Erkrankung zu verlangsamen. Auch eine Umstellung der Ernährung auf eiweißreiche Kost kann bei erblich bedingten Muskelerkrankungen hilfreich sein.

Wie ist die Prognose bei Muskelerkrankungen?

Erbliche Muskelerkrankungen können bisher nicht geheilt werden, da ihre Ursache genetisch bedingt ist. Zwei der bekanntesten Typen erblicher Muskelerkrankungen sind Duchenne und Becker-Kiener. Bei beiden Typen ist die Produktion des Eiweißes Dystrophin gestört, welches für einen reibungslosen Stoffwechsel innerhalb der Muskeln verantwortlich ist. Ebenso tritt die daraus resultierende Muskelschwäche bei beiden Typen im Bereich des Beckengürtels und den Oberschenkeln zuerst auf. Doch in der Lebenserwartung unterscheiden sich beide Typen gravierend. Die Prognose für Patienten, die an der erblichen Muskelerkrankung des Typs Duchenne leiden, ist sehr schlecht. Die Muskelschwäche tritt bereits früh in der Kindheit auf, nimmt einen schnellen und schweren Verlauf und endet im frühen Erwachsenenalter mit dem Tode.

Die Prognose für Menschen, die an dem Typ Becker-Kiener erkrankt sind, sieht weitaus besser aus. Die Muskelerkrankung ist seltener und manifestiert sich meist, wenn die Kinder im Schulalter sind. Dieser Typ kann zwar auch zum Tode führen, doch schreitet die Muskelerkrankung in der Regel sehr viel langsamer voran. Ihr Verlauf lässt sich darüber hinaus mithilfe von Krankengymnastik und entsprechenden Medikamenten positiv beeinflussen und verlangsamen.

Bei den belastungsbedingten und auch entzündlichen Muskelerkrankungen hingegen sieht die Prognose in der Regel positiv aus, da die Ursache der Muskelerkrankung behandelbar ist. Bei manchen Muskelerkrankungen ist der Verlauf sogar so günstig oder lässt sich derart gut beeinflussen, dass die Betroffenen keine Einschränkung ihrer Lebensqualität erleben.

Melissa Seitz

19.06.15

Muskelerkrankungen
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