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Überzucker, Unterzucker, Ketoazidose – Wie kommt es dazu und was ist zu tun?

Stark abweichende Blutzuckerwerte können u. U. drastische Folgen haben.

Hyperglykämie (zu hohe Blutzuckerwerte, Überzuckerung)

Häufig treten erhöhte Blutzuckerspiegel früh am Morgen auf (Dawn-Phänomen). Als ursächlich gilt ein tageszeitlich bedingter Anstieg des Wachstumshormonspiegels mit dem Insulin entgegen gerichteter Wirkung. Insulinpflichtige Diabetiker haben z. B. auch hohe morgendliche Blutzuckerwerte, wenn sie am vorherigen Abend eine Spätmahlzeit hatten, die nicht mit einer entsprechenden Insulinmenge abgedeckt wurde.

Andere Ursachen für zu hohe Werte am Morgen: zu wenig Basalinsulin in den späten Abendstunden, falsch bemessene Menge Korrekturinsulin am Abend. Auch wenn die Menge an Basalinsulin am Abend zu hoch war, kann es am Morgen zu erhöhten Blutzuckerwerten kommen, denn dann erfolgt in der Nacht bereits eine Unterzuckerung, als Gegenreaktion wird vermehrt Zucker aus der Leber ausgeschüttet, am Morgen ist dann der Blutzuckerwert erhöht.

Ähnliches kann geschehen, wenn Typ-2-Diabetiker abends ihre Tabletten nicht richtig dosieren. Nachts kommt es dann zu verminderter Insulinwirkung, die Zellen erhalten nicht genug Energie, die Leber schüttet vermehrt Zucker aus, der Blutzuckerspiegel am Morgen ist erhöht. Prinzipiell können mit Kurzzeitinsulin die Blutzuckerspitzen herunterreguliert werden. Eine höhere Dosis Basalinsulin kann helfen, regelmäßig zu hohe Blutzuckerwerte zu reduzieren. – Hohe Blutzuckerwerte können auch Resultat einer inadäquaten Therapie oder einer Erkrankung (z. B. Infekt, Herz-Kreislauferkrankung) sein.

Hypoglykämie (zu niedrige Blutzuckerwerte, Unterzuckerung)

Wenn Diabetiker unterzuckern, sinkt der Blutzuckerwert auf weniger als 50 mg/dl (2,8 mmol/l) ab. Der Körper reguliert dann gegen: Hormone wie Adrenalin/Noradrenalin, die eine Erhöhung des Blutzuckerspiegels bewirken, werden freigesetzt. Symptome wie Zittern, Schweißausbrüche, Herzklopfen, Blässe, Heißhunger, Angst, Unruhe, Kälte- und Hitzegefühl treten auf. Bei fortschreitender Unterzuckerung werden auch Hirnfunktionen beeinträchtigt.

Die Betroffenen leiden unter Konzentrationsproblemen, Denk-, Sprach- und Sehstörungen, Benommenheit und Kopfschmerzen. Sie zeigen häufig ein unerklärlich aggressives Verhalten. Bei schweren Unterzuckerungen wird fremde Hilfe benötigt. Symptome sind z. B. Bewusstlosigkeit, Krampfanfälle, Einnässen u. a. Betroffene kommen i. d. R. irgendwann von selbst wieder zu sich, wenn Glukagon (Insulin-Gegenspieler) die Zuckerfreisetzung aus der Leber bewirkt hat.

Nach und nach funktioniert diese Gegenregulierung jedoch immer schlechter, die Blutzuckerwerte schwanken stark. Mögliche Ursachen der Unterzuckerung: zu viel Insulin gespritzt, zu hohe Dosis blutzuckersenkender Medikamente eingenommen, zu wenig gegessen, zu starke körperliche Anstrengung, zu viel Alkohol getrunken (die Leber kann dann keine Zuckerreserven freisetzen). Bei akuter Unterzuckerung helfen schnell ins Blut gehende Kohlenhydrate (Traubenzucker, Apfelsaft o. ä.).

Diabetische Ketoazidose

Geraten bei Typ-1-Diabetikern Blutzucker- und Elektrolythaushalt aus dem Ruder (Stoffwechselentgleisung), entsteht u. U. eine lebensbedrohliche Situation. Dies kann passieren, wenn kein bzw. nicht genug Insulin verfügbar ist. Bei Typ-1-Diabetikern führt der hohe Blutzuckerspiegel ohne Insulinzufuhr zur diabetischen Ketoazidose und letztendlich zum sog. ketoazidotischen Koma. Es findet eine Übersäuerung des Blutes mit Ketonkörpern (Zwischenprodukte aus dem Fettstoffwechsel) statt.

Erste Anzeichen einer drohenden Stoffwechselentgleisung können sein: Müdigkeit, Schlappheit, häufiges Wasserlassen und Durst, Wadenkrämpfe, Muskelschwäche, unklare Bauchschmerzen, Übelkeit und/oder Erbrechen. Eine Blutzuckermessung und ggf. eine Urinuntersuchung sollten dann sofort erfolgen. Drohende Stoffwechselentgleisungen gehen auch immer einher mit Verlusten größerer Mengen Zucker, Flüssigkeit und Blutsalze über den Urin. Die Einnahme einer Elektrolytlösung kann hilfreich sein, der Arzt gleicht den Blutsalzverlust intravenös aus.

Quelle: BDÖ 1/2011

23.06.11

Blutzuckerselbstkontrolle
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