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Vollwertig

Die vollwertige Ernährung, auch als Vollwertkost bezeichnet, ist ein relativ altes Ernährungskonzept, das schon zum Ende des 19. Jahrhunderts entwickelt wurde. In den vierziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts wurde es von dem Mediziner und Ernährungswissenschaftler Werner Kollath erstmalig verbreitet. Das Konzept der Vollwertkost basierte auf dem Gedanken, dass der Mensch sich schlichtweg falsch ernährt, durch zu viele, scharfe Gewürze, zu viel Fleisch, Zucker und Weizenmehl. Nach Kollath besitzen Lebensmittel sechs Wertstufen. Unveränderte und frische Lebensmittel, die nicht erhitzt worden sind, bezeichnete er als Wertstufe 1. Mechanisch veränderte Lebensmittel erhielten von ihm die Einteilung in die Wertstufe 2. An der letzten Stelle, der Wertstufe 6, standen seinem Konzept entsprechend, isolierte Lebensmittelsubstanzen. Nach Kollath haben gekochte Lebensmittel nur einen Teilwert – er unterteilte in tote Nahrung und lebende Kost. Die lebende, frische Kost bezeichnete er als vollwertig.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfahl viele Jahre lang die vollwertige Ernährung als gesunde Ernährungsform und legte schon in den Fünfziger Jahren die Ernährungsregeln für eine vollwertige Ernährung fest. Die Vollwertkost soll eine ausgewogene Ernährung darstellen, die sämtliche Nährstoffe enthält und pflanzlichen Nahrungsmitteln den Vorzug gibt. Pro Tag soll der Mensch fünf Portionen Obst und Gemüse zu sich nehmen, nur wenig Salz und Zucker verwenden. Fleisch und Fisch sind in der Vollwertkost mit einem Verzehr von maximal 600 Gramm pro Woche festgelegt und die Mahlzeiten sollen wenig Fett enthalten. Sehr viel Wert wird in der vollwertigen Ernährung auf Getreide und Milchprodukte gelegt.

In den Achtziger und Neunziger Jahren erlebte die Theorie der Vollwertkost einen Aufschwung. Wenig Fleisch, dafür aber viel Getreide und Rohkost sowie zahlreiche Milchprodukte, eine Ernährungsform, die in großen Teilen auch in Schulen und Kindergärten angepriesen wurde. Unter Getreide ist hier allerdings Vollkorngetreide zu verstehen, aus dem auch Nudeln und süße Backwaren hergestellt werden. Salz, scharfe Gewürze, Zucker und fein gemahlenes Weizenmehl sollten möglichst vermieden oder zumindest sparsam eingesetzt werden. Zucker wird in der Vollwertkost häufig durch Honig ersetzt.

Vollwertige Ernährung findet noch immer viele Anhänger in der deutschen Bevölkerung, stößt jedoch schon seit vielen Jahren auf Kritik. Die Einteilung der Lebensmittel in die Wertstufen nach Kollath ist inzwischen wissenschaftlich widerlegt. Vielen Menschen fehlt in der Vollwertkost das raffinierte Zusammenspiel von unterschiedlichen Gewürzen und schlichtweg auch das Salz, damit die Nahrung schmackhaft wird. Der Wert zahlreicher Gewürze für den Organismus ist inzwischen erwiesen, trotzdem finden sie in der vollwertigen Ernährung kaum Anwendung. Viele Menschen reagieren auf einen großen Anteil der Produkte in der vollwertigen Ernährung sehr empfindlich. Milch und Milchprodukte sind für einen nicht geringen Anteil der Bevölkerung unverträglich, auf den hohen Anteil von Rohkost reagieren viele Menschen mit Verdauungsproblemen. Auch sind Vollkornprodukte für viele Menschen schlecht verträglich.

Vollwertige Ernährung kann bei vielen Menschen zu starken, regelmäßigen Blähungen führen, aber auch zu Durchfällen oder Verstopfung und Bauchschmerzen. Der hohe Anteil von Ballaststoffen führt außerdem bei einigen Menschen zu übelriechendem Stuhlgang. Die vollwertige Ernährung ist eine Ernährungsform, auf die sich der Stoffwechsel einstellt. Unter Umständen kann es vorkommen, dass nach einer längeren Zeit der vollwertigen Ernährung gewisse Nahrungsmittel nicht mehr vertragen werden. Das betrifft vor allem Zucker und Weizenmehl, aber auch unterschiedliche Gewürze.

Für Menschen mit diversen Nahrungsmittelunverträglichkeiten eignet sich die vollwertige Ernährung nur bedingt. Wer unter einer Laktoseintoleranz leidet, muss von der Vollwertkost Abstand nehmen, da sie zahlreiche Milchprodukte enthält. Auch Menschen, die unter einer Glutenunverträglichkeit leiden, sollten sich nicht nach den Prinzipien der Vollwertkost ernähren. Für Personen mit Fructose- und Histaminintoleranz verbietet sich die vollwertige Ernährung ebenfalls.

Es scheint vom Organismus abhängig zu sein, ob Vollwertkost gut vertragen wird oder nicht. Übelriechender Stuhl und starke Blähungen sind sehr typisch beim Einstieg in die vollwertige Ernährung. Wenn die Beschwerden nicht nach zwei bis drei Wochen abklingen, sollte man von der Vollwertkost Abstand nehmen und sich für eine andere Form der Ernährung entscheiden.

Grundsätzlich versorgt die Vollwertkost, sofern sie wirklich ausgewogen praktiziert wird, den Organismus mit allen lebenswichtigen Vitaminen und Nährstoffen. Kritiker weisen jedoch darauf hin, dass der regelmäßige Verzehr von Vollkorn und Rohkost die Verdauungsorgane stark überfordert, weil der Darm permanent damit beschäftigt ist, mit den Gärungsstoffen fertig zu werden und sich hier Zellgifte freisetzen können, die eine dauerhafte Schädigung von Magen und Darm bewirken. Auch existieren inzwischen Studien, die belegen, dass viele Menschen, die sich nach den Regeln der Vollwertkost ernähren, drastisch an Gewicht verlieren. Ein Effekt, der sicher für Menschen mit Übergewicht wünschenswert ist. Normal gewichtige oder sogar untergewichtige Personen, die auf Vollwertkost umsteigen, sollten diesen Aspekt genau im Auge behalten.

Monka Celik

08.03.11

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