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Patient im Mittelpunkt. Wunsch- und Wahlrecht stärkt COPD-Betroffene

Seit 2007 ist die gesamte medizinische Rehabilitation Pflichtleistung der Gesetzlichen Krankenkassen. Chronisch Erkrankte sollen nicht mehr zu früh in die Pflege „abgeschoben“ werden, sondern solange wie möglich für ein aktives Leben fit gemacht werden. Mit dem Wunsch- und Wahlrecht lassen sich Reha-Maßnahmen individuell auf den Patienten abstimmen. COPD-Betroffene profitieren davon besonders. Rehabilitation kommt immer dann infrage, wenn den Patienten wegen der Folgen einer Krankheit die Aufgabe des Arbeitsplatzes oder die Pflegebedürftigkeit droht. COPD-Patienten profitieren von einer Rehabilitation besonders, da die medikamentösen Möglichkeiten bei COPD begrenzt sind und die Krankheit unbehandelt einen chronisch fortschreitenden Verlauf nimmt.

Der Patient ist also gut beraten, selbst aktiv zu werden und gemeinsam mit Arzt, Krankenkasse oder Sozialversicherung eine Reha-Maßnahme in die Wege zu leiten. Das Wunsch- und Wahlrecht des Patienten (§ 33 SGB I) unterstützt ihn dabei. Der Paragraph fordert die Krankenkassen dazu auf, bei der Entscheidung über eine geeignete Rehabilitation den „berechtigten Wünschen der Leistungsberechtigten“ zu entsprechen. Dabei wird auch auf die persönliche Lebenssituation, Alter, Geschlecht und Familie Rücksicht genommen. Den religiösen und weltanschaulichen Bedürfnissen ist ebenso Rechnung zu tragen wie den besonderen Belangen behinderter Eltern oder Kinder. Bei der Wahl der entsprechenden Einrichtung, der möglichen Therapieansätze und -anbieter kann deshalb die ganze gewachsene Vielfalt der Gesundheitsbranche in Betracht gezogen werden. Fallen dadurch Mehrkosten an, zahlt diese der Patient allerdings selbst.

Vielschichtiges Maßnahmenpaket

Die „Reha“ ist damit ein vielschichtiges Maßnahmenpaket geworden, dass sich der Patient in Absprache mit Arzt und Krankenkasse nun selbst schnüren kann. Der individuelle Therapieplan, der Ergebnis der Befunde bei der Eingangsuntersuchung ist, wird dem Patienten nun nicht mehr verordnet, sondern von ihm mitentwickelt. Gesprächsgrundlage zur Festlegung der Rehabilitationsziele gegenüber Arzt und Krankenkasse kann dabei die ICF sein. ICF steht für „Internationale Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit“ und wurde von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) entwickelt. Sie dient der Verständigung über die Reha-Ziele zwischen Ärzten, Therapeuten, Krankenkassen und anderen Berufsgruppen und wird deshalb auch „gemeinsame Sprache der Rehabilitation“ genannt.

„Das Besondere an der ICF ist, dass hier nicht Krankheiten, sondern die Auswirkungen von Krankheiten auf die Funktionsfähigkeit eines Menschen systematisch beschrieben werden“, sagt der Rehabilitationsmediziner Dr. Stefan Gronemeyer. Er ist leitender Arzt beim Medizinischen Dienst des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen e. V. (MDS). Systematisch heißt: Die ICF enthält dazu über 1.400 Merkmale für die körperliche, seelische und geistige Verfassung eines Menschen sowie für Aktivitäten, die ein gesunder Mensch ausüben kann und die verschiedenen Grade der Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Auch gesundheitsrelevante Umweltfaktoren finden Berücksichtigung. Anhand dieser Merkmale können Arzt und Patienten über eine mögliche Rehabilitation ins Gespräch kommen. Bei chronischen Erkrankungen ist das besonders wichtig. „Gerade bei chronischen Erkrankungen ist es von hoher Bedeutung, dass die Betroffenen über die Symptome und Behandlungsmöglichkeiten der Erkrankung informiert sind und Strategien für sich entwickeln, wie sie mit bleibenden Beeinträchtigungen umgehen können“, erklärt Dr. Gronemeyer. „Gut informierte Patienten setzen die ärztliche Beratung und Behandlung wesentlich besser um.“

Know How für COPD-Patienten

In den Therapieplan bereits eingebaut ist der Gesprächsbedarf in die Rehabilitation von COPD. Fester Bestandteil ist die Patientenschulung. „Wenn Patienten zum Experten ihrer Erkrankung werden, führt das zu einer deutlichen Verbesserung des Krankheitsverlaufes und der Lebensqualität“, sagt Dr. Konrad Schultz, medizinischer Leiter der Rehaklinik Bad Reichenhall. In der Reha erhalten COPD-Patienten aber nicht nur Hintergrundwissen, sondern auch das nötige Know-how für den Ernstfall. „In der Atem- und Physiotherapie werden Selbsthilfemaßnahmen wie die Lippenbremse, atemerleichternde Körperhaltungen und die richtige Hustentechnik erlernt“, erklärt Dr. Schultz. Den Einstieg in die Sporttherapie erleichtert ein gezieltes Geh- und Treppensteigtraining. „COPD-Betroffene leiden häufig schon bei geringer körperlicher Belastung unter Atemnot“, weiß Dr. Schultz. „Das führt bei vielen Patienten zu einer ausgeprägten Schon- und Vermeidungshaltung. Oft ist die Atemnot teilweise durch den Trainingsmangel mitbedingt. Dieser Mangel an Bewegung führt zu einem Teufelskreis: Atemnot verführt zu körperlicher Schonung, Bewegungsmangel verstärkt die Atemnot.“ Körperliches Training wirkt also nicht nur auf die körperlichen Begleiterscheinungen der COPD, sondern auch die seelischen. Trainierte Patienten müssen außerdem weniger häufig notärztlich versorgt oder ins Krankenhaus aufgenommen werden.

Quelle: Allergikus 2/2012

05.11.12

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