Zöliakie: Ursachen, Entstehung
13.02.08.
Zöliakie wird durch den Verzehr von glutenhaltigen Nahrungsmitteln wie Weizen, Roggen oder Gerste ausgelöst. Genauer gesagt ist es ein bestimmter Bestandteil des Klebereiweißes, der die Erkrankung auslöst: das Gliadin.
Autoimmunologische Vorgänge zerstören die Darmschleimhaut
Bei Menschen mit genetischer Veranlagung zu Zöliakie bzw. Sprue führen die im Gliadin enthaltenen Proteine Prolin und Glutamin im Dünndarm zu einer komplexen Immunreaktion mit Bildung sog. Autoantikörper. Dabei handelt es sich um Antikörper des körpereigenen Abwehrsystems, die sich gegen gesundes Darmgewebe richten und zu entzündlichen Reaktionen in der Darmschleimhaut führen. Zusätzlich werden Antikörper gegen Gliadin-Bestandteile gebildet. Mediziner sehen daher die Zöliakie bzw. Sprue als eine Mischform aus Autoimmunerkrankung und Allergie an. Diese Vorgänge haben nach einer gewissen Zeit einen Schwund der für die Nährstoffaufnahme im Dünndarm wichtigen Zotten zur Folge.
Als Ursache wird eine genetische Veranlagung angenommen
Wenngleich sich medizinische Forscher heute relativ sicher sind, dass eine zugrundeliegende genetische Disposition zur Entstehung einer Zöliakie führt, konnte bisher kein Gen eindeutig als Auslöser identifiziert werden. Gestärkt wird die Hypothese jedoch dadurch, dass rund 10 % der Menschen mit Zöliakie bzw. Sprue einen Verwandten 1. Grades haben, der ebenfalls an dieser Erkrankung leidet oder eine Sprue ohne Symptomatik hat. Eine hohe Übereinstimmung findet sich auch bei eineiigen Zwillingen: Ist einer der beiden an Zöliakie erkrankt, ist meist auch die Schwester bzw. der Bruder von der Erkrankung betroffen.
Zöliakie ist meist mit bestimmten Histokompatibilitätsantigenen assoziiert
Es besteht derzeit weitestgehend Konsens darüber, dass ein Zusammenhang zwischen Zöliakie bzw. Sprue und dem HLA-System (engl. human leucocyte antigen system) besteht. Diese Proteine, die auch als Histokompatibilitätsantigene bezeichnet werden, befinden sich auf der Oberfläche von Körperzellen und markieren diese als körpereigen. Neun von zehn Patienten haben den HLA-Typ DQ 2 oder DQ 8. Das Gen, das den Bauplan für diese Proteine liefert, sitzt auf dem Chromosom 6.
Rund ein Fünftel der Bevölkerung trägt diesen HLA-Typus in sich. Nur ein geringer Anteil (ca. 2 %) bildet im Laufe seines Lebens jedoch tatsächlich eine Zöliakie bzw. Sprue aus. Daher ist davon auszugehen, dass zu dieser genetischen Veranlagung weitere Faktoren hinzukommen müssen, um die Erkrankung auszulösen.
Antje Habekuß
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