Ärztliche Zweitmeinung verbessert Therapieverlauf
26.01.10.

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Studie zeigt Vorteile für Hodenkrebs-Patienten
Hodenkrebs ist eine eher seltene Krebserkrankung. Rund 4.700 Männer erkranken jedes Jahr in Deutschland neu daran – vor allem jüngere Männer sind von dieser Krankheit betroffen. Wissenschaftler an der Charité in Berlin haben jetzt nachgewiesen, dass das Einholen einer ärztlichen Zweitmeinung den Therapieverlauf verbessern kann: Insbesondere so genannte Zweitmeinungszentren empfahlen Behandlungen, die besser auf den Zustand und die Bedürfnisse des Patienten abgestimmt waren. Bei jedem sechsten Patienten wurde die begonnene Therapie daraufhin erheblich umgestellt. Die Ergebnisse wurden kürzlich in einer wissenschaftlichen Publikation veröffentlicht.
Forschungsarbeiten auf dem Gebiet der Krebsmedizin haben das Ziel, die medizinische Versorgung von Krebs-Patienten zu optimieren und die gewonnenen Erkenntnisse unmittelbar in die Praxis umzusetzen. „Bisher wurde die Qualität der Krebstherapie vor allem über die Anzahl der Überlebenden bestimmt. Uns war jedoch wichtig, den Weg von der Diagnose zur Therapie gezielt zu analysieren“, sagt Professor Dr. Mark Schrader vom Universitätsklinikum Charité in Berlin. Schrader hat so genannte Zweitmeinungszentren für eine Studie genutzt. Diese Zentren sind Mitglied der Deutschen Studiengruppe zu Hodentumoren und nahezu an allen Universitätskliniken in Deutschland vertreten. Die an der Studie beteiligten niedergelassenen Urologen verpflichteten sich, jeden diagnostizierten Hodenkrebs-Fall zusätzlich in einem Zweitmeinungszentrum bewerten zu lassen.
Die Mediziner in diesem Zentrum empfahlen dann unabhängig ebenfalls eine Therapie.
Die Ergebnisse zeigten: Ein Drittel der Hodenkrebs-Patienten bekam mit der Zweitmeinung eine abweichende Empfehlung für die Behandlung. Insbesondere in fortgeschrittenen Erkrankungsstadien differierten der erste und der zweite Therapieansatz. In rund 70 Prozent der Fälle übernahm dann der behandelnde Arzt den neuen Vorschlag des Zweitmeinungszentrums. Bei einem von sechs Patienten musste die Therapie sogar erheblich korrigiert werden. Die neue Behandlung war in fast der Hälfte der Fälle weniger intensiv, was die Lebensqualität der Patienten verbesserte und das Risiko für Komplikationen senkte. Bei einem Viertel der Patienten musste die begonnene Therapie jedoch verstärkt werden. Diese Erkenntnisse hat das Team um Schrader kürzlich in einer Publikation veröffentlicht.*
Zudem zeigte sich in der Studie, dass nur zwei Drittel der Ärzte, die die erste Diagnose stellten, ihre Therapie an den aktuellen Leitlinien der Europäischen Gesellschaft für Urologie orientierten. Auf diesem europäischen Standard basieren hingegen die Untersuchungen und die Behandlungen in den Zweitmeinungszentren. „Die Studie macht deutlich, wie wichtig Zweitmeinungszentren für die Auswahl der Krebstherapie sind. Durch das Einholen einer Zweitmeinung sollte für den Patienten sicher gestellt sein, dass er nach dem aktuellen Stand der Medizin und Wissenschaft behandelt wird“, so Gerd Nettekoven, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krebshilfe in Bonn. „Patienten mit Hodenkrebs beispielsweise profitieren nach den Studienergebnissen erheblich von dem Einholen einer Zweitmeinung für die Therapie.“
*) Literatur: Mark Schrader et al.: Burden or Relief: Do Second-Opinion Centers Influence the Quality of Care Delivered to Patients with Testicular Germ Cell Cancer?, Eur. Urol.,doi: 10.1016/j.eururo.2009.10.032
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