Das "Münchner Implantatallergieregister" - Unverträglichkeitsreaktionen auf Endoprothesen
17.09.07.
Arthrose, der Verschleiß von Gelenken, verursacht bei Bewegungen starke chronische Schmerzen, ausgelöst durch eine übermäßige Abnutzung des Gelenkknorpels. In späteren Krankheitsstadien sind auch die Knochenanteile des Gelenks betroffen. Die Implantation eines neuen Gelenks einer Endoprothese kann den Betroffenen wieder Schmerzfreiheit und Beweglichkeit geben. In Deutschland erhalten etwa 200.000 Menschen jährlich ein neues Hüft- oder Kniegelenk.
Bei manchen Personen kann die Endoprothese jedoch Unverträglichkeitsreaktionen verursachen: Ekzem, Nesselsucht, Schwellungen, Ergüsse oder auch eine gestörte Wundheilung sind mögliche Folgen. Ebenso kann es sein, dass sich eine implantierte Prothese lockert. Der Dermatologe Professor Peter Thomas von der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAKI) untersucht deshalb mit seiner Arbeitsgruppe die Verträglichkeit von Implantaten an der Dermatologischen Klinik der Ludwig-Maximilians-Universität München. Dazu wurde von der Arbeitsgruppe ein so genanntes “Implantatallergieregister” ins Leben gerufen. Das Register enthält alle der Arbeitsgruppe bekannten Fälle, um für die Untersuchung relevante Daten zu sammeln.
Endoprothesen werden mit Knochenzement oder mechanisch im Knochen fixiert und verbleiben dauerhaft im Körper. Sie bestehen aus Komponenten wie Stahl, Titan, Kobalt-Nickel-Chrom-Moblybdän-Legierungen, Keramik und auch Kunststoffen. Seit längerem wird diskutiert, ob die Materialien im Körper sensibilisierend wirken und zu allergischen Reaktionen führen können. Viele bei der Herstellung verwendete Metalllegierungen enthalten beispielsweise Nickel. “Eine Nickelallergie kommt im Durchschnitt bei bis zu 12 Prozent der Bevölkerung vor³, erklärt Professor Thomas. “Bisher wissen wir nur wenig über die möglichen Auslöser und die Häufigkeit der Unverträglichkeitsreaktionen auf Implantate. Daher sammeln wir alle uns bekannten Fälle in einem Implantatallergieregister. Möglicherweise lassen sich aus den Daten Erkenntnisse ableiten, wie Endoprothesen noch verträglicher hergestellt werden können. Ausführliche Ergebnisse sollen noch in diesem Jahr veröffentlicht werden.
Wer bei sich eine Unverträglichkeit auf ein künstliches Gelenk vermutet, sollte einen allergologisch ausgebildeten Hautarzt aufsuchen. Betroffene, aber auch ihre behandelnden Ärzte, erhalten weitere Informationen auf der Internetseite von Professor Thomas und seiner Arbeitsgruppe für allergologisch-immunologische Aspekte der Implantatmaterial-Verträglichkeit in München: http://allergomat.klinikum.uni-muenchen.de.
Quelle: Ärzteverband Deutscher Allergologen e.V.
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