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Welche Allergieformen gibt es?

Bei etwa ein Drittel aller Erwachsenen in Deutschland wurde wenigstens einer Allergie diagnostiziert, bei Frauen öfter als bei Männern. Am häufigsten wurde Heuschnupfen diagnostiziert (14,8 %), gefolgt von Kontaktekzemen mit 8,1 %. All diese Allergien können auf unterschiedliche Art und Weise klassifiziert werden, etwa nach den Allergenen, die sie auslösen (z. B. Pollenallergie, Schimmelpilzallergie), oder nach dem Weg, wie die Allergene in Kontakt mit dem Körper gelangen (z. B. Inhalationsallergien, Nahrungsmittelallergien).

Daneben werden Allergien häufig auch nach dem sog. Reaktionstyp unterschieden, der angibt, in welchem zeitlichen Abstand zum Kontakt mit dem Allergen die allergische Reaktion erfolgt und welche Prozesse im Körper sie auslösen. Die meisten Allergien gehören zum sog. Reaktionstyp 1, bei dem die allergische Reaktion sofort nach dem Kontakt mit dem Allergen auftritt und die durch die sog. IgE-Antikörper vermittelt wird. Diese Antikörper erkennen das Allergen als potenziell gefährlich an und bringen sogleich Prozesse in Gang, die zur allergischen Reaktion führen.

1. Unterscheidung nach Allergenen und Aufnahmemechanismus

Allergien können in Hinblick auf die Stoffe, die die Allergie auslösen (Allergene), unterschieden werden bzw. hinsichtlich des Aufnahmemechanismus, durch den die Allergene in den Körper gelangen. Zu den am häufigsten vorkommenden Allergien zählen:

1.a) Inhalationsallergien/Atemwegsallergien

Am häufigsten treten Allergien nach dem Einatmen bestimmter Stoffe auf. Zu den Allergenen, die eine Inhalationsallergie auslösen können, gehören in erster Linie Pollen und der Kot der Hausstaubmilben (Hausstauballergie). Auch bei der Tierhaarallergie werden die Allergene eingeatmet. Das sind nicht, wie der Name der Allergie es vermuten lässt, die Haare selbst, sondern Eiweiße, die z. B. aus dem Speichel oder dem Schweiß der Tiere stammen. Auf das Einatmen der Sporen von Schimmelpilzen oder Teile der Pilze reagieren Menschen mit Schimmelpilzallergie überempfindlich.

Charakteristisch für eine Inhalationsallergie sind Fließschnupfen, Husten, tränende Augen, eine Augenbindehautentzündung und häufiges Niesen. Wird die Allergie nicht adäquat behandelt, kann sie sich von den oberen auf die unteren Atemwege ausbreiten und ein allergisches Asthma und damit u. U. stärkere Einschränkungen der Lebensqualität nach sich ziehen.

Nicht immer sind die allergischen Reaktionen bei Inhalationsallergien ausschließlich auf die Atemwege beschränkt. In manchen Fällen zeigen sich auch Hautreaktionen wie Ausschlag oder Magen- und Darmsymptome. Die Symptome treten i. d. R. sofort nach dem Kontakt mit dem Allergen auf.

Heuschnupfen/Pollenallergie

Heuschnupfen bezeichnet eine Allergie gegen Pollen. Der Betroffene reagiert überempfindlich auf den Blütenstaub von windbestäubten Pflanzen, zu denen Gräser, Bäume und Kräuter zählen. Die Pollen gelangen dabei durch die Atemwege in den Organismus. Die allergische Reaktion äußert sich deshalb vor allem durch Niesattacken und einer verstopften, laufenden oder juckenden Nase, aber auch durch gerötete, tränende oder juckende Augen. Die Beschwerden treten nur während der Blütezeit der Pflanzen auf, gegen die der Betroffene eine Allergie aufweist. Die Blütezeiten der unterschiedlichen Pflanzen fallen ungefähr in den Zeitraum Februar bis Oktober. Durch den Klimawandel bedingt beginnt heute die Pollensaison vieler Pflanzen jedoch z. T. schon deutlich früher.

Hausstaubmilbenallergie

Bei der Hausstaubmilbenallergie liegt eine Überempfindlichkeit gegen Inhaltsstoffe aus dem Kot der Hausstaubmilbe vor. Diese winzigen und harmlosen Tierchen, die sich bevorzugt in Textilien, wie beispielsweise Bettwäsche, Teppichen, Sitzpolstern etc. aufhalten, können durch ihren Kot, der mit der Atemluft eingeatmet wird, bei den Betroffenen allergischen Schnupfen, allergische Bindehautentzündung, allergisches Bronchialasthma und/oder allergische Hautreaktionen hervorrufen.

Tierhaar- und Federallergie

Im Allgemeinen können alle haar- und federtragenden Tiere Allergien auslösen. Besonders häufig tritt jedoch eine Allergie gegen Katzenhaare auf. Dabei handelt es sich bei den allergieauslösenden Stoffen meist um Stoffe aus den Haut- oder Speicheldrüsen der Tiere, die an den Haaren haften, sich schließlich im Hausstaub wiederfinden und mit dem Staub eingeatmet werden. Vorzugsweise äußert sich eine Tierhaarallergie in allergischem Schnupfen und/oder allergischem Bronchialasthma.

Schimmelpilzallergie

Eine Schimmelpilzallergie wird durch Überempfindlichkeit gegen die Pilzsporen bestimmter Schimmelpilzarten verursacht. Die Sporen werden eingeatmet und führen zu allergischem Schnupfen oder allergischem Bronchialasthma. Da viele Lebensmittel von Schimmelpilzen befallen sind oder mit ihrer Hilfe hergestellt werden, können bei einer Schimmelpilzallergie die Allergene nicht nur über die Atemwege sondern auch mit der Nahrungsaufnahme in den Körper gelangen. Nach dem Verzehr von schimmelpilzhaltigen Nahrungsmitteln können bei den Betroffenen Beschwerden im Magen-Darm-Bereich auftreten, die sich durch Bauchschmerzen, Erbrechen und/oder Durchfall äußern.

1.b) Nahrungsmittelallergien

Unter einer Nahrungsmittelallergie versteht man die überschießende Reaktion des Immunsystems auf bestimmte Lebensmittel, die bei der Nahrungsaufnahme in den Körper gelangen. Auslöser der Allergie können beispielsweise bestimmte Nüsse, Obstsorten oder Kuhmilch sein. Liegt eine Nahrungsmittelallergie vor, äußert sich diese nach Verzehr des Nahrungsmittels beim Betroffenen durch Hitzewallungen, Übelkeit, Atemnot, Ekzeme und/oder durch Juckreiz in Mund, Rachen, Ohren sowie ggf. durch Schwellung von Zunge und Lippen.

In vielen Fällen entwickelt sich die Nahrungsmittelallergie als Folge einer Inhalationsallergie – nämlich einer Pollenallergie. Denn die Merkmale bestimmter Nahrungsmittel (z. B. Äpfel) ähneln denen bestimmter Pollen, sodass im Laufe der Zeit der Körper auch auf Erstere allergisch reagieren kann. Die Medizin spricht dann von einer sog. Kreuzallergie.

1.c) Injektionsallergien

Bei den sog. Injektionsallergien gelangt das Allergen durch die Haut direkt in den Körper. Das ist bei Allergien gegen Insektengift (hauptsächlich nach dem Stich von Bienen oder Wespen) der Fall, aber auch bei einer Allergie gegen bestimmte Medikamente oder Stoffe, die zu medizinischen Zwecken injiziert werden (z. B. Kontrastmittel). Da das Allergen in den Körper gespritzt wird, können Injektionsallergien sog. systemische Reaktionen (körperliche Reaktionen, die den gesamten Körper betreffen) hervorrufen. Das bedeutet zugleich, dass bei ihnen häufiger als bei anderen Allergien ein anaphylaktischer Schock auftritt, und sie damit u. U. lebensbedrohlich sein können.

Oft äußert sich eine Injektionsallergie zunächst mit starken Schwellungen rund um die Injektionsstelle, mit Rötungen der Haut, die nicht nur auf die Einstichstelle beschränkt bleiben. Doch es können weitere Symptome wie Atemnot, Schwellungen an anderen Körperteilen (insbesondere im Gesicht) und im schlimmsten Fall ein sog. anaphylaktischer Schock mit Kreislaufstillstand hinzukommen. Jede stärkere Reaktion etwa auf einen Insektenstich sollte daher unbedingt ärztlich abgeklärt werden.

Insektengiftallergie

Auslöser einer Insektengiftallergie sind meist die Gifte von Bienen oder Wespen, die durch einen Insektenstich ins Blut des Betroffenen gelangen. Die allergische Reaktion kann unterschiedlich starke Symptome auslösen, die von einer lokalen Hautreaktion an der Stichstelle bis hin zu einem lebensgefährlichen allergischen Schock reichen können.

1.d) Sonstige Allergien

Kontaktallergie

Bei einer Kontaktallergie wird durch direkten Kontakt der Haut mit einem bestimmten Stoff, beispielsweise durch kunststoff- oder metallhaltigen Schmuck oder durch bestimmte Inhaltsstoffe von Kosmetika, eine allergische Reaktion auf der Haut ausgelöst. Die betroffenen Hautpartien sind meist gerötet und geschwollen, oft tritt ein Juckreiz auf sowie eine Bildung von Ekzemen.

Die allergische Reaktion wird bei der Kontaktallergie nicht durch Antikörper in Gang gesetzt, vielmehr sind es Zellen in der Haut, die die allergische Reaktion vermitteln. Deshalb erfolgt die allergische Reaktion auch nicht zwingend sofort. Sie kann durchaus bis zu einige Tage nach dem Allergenkontakt auftreten, weshalb Mediziner auch von einer allergischen Reaktion vom Spättyp sprechen.

Kreuzallergie

Eine Kreuzallergie liegt vor, wenn eine bestehende Überempfindlichkeit auf ein bestimmtes Allergen einhergeht mit einer zusätzlichen allergischen Reaktion auf einen anderen Stoff. Besonders häufig kommen Kreuzallergien bei Pollenallergikern vor. Bei einer Allergie gegen Birkenpollen kann beispielsweise auch eine Unverträglichkeit von Äpfeln, Nüssen oder Kirschen auftreten.

Neurodermitis

Neurodermitis bezeichnet eine chronische, atopische Erkrankung der Haut. Unter Atopie versteht man die erblich bedingte Neigung, auf Umweltfaktoren mit allergischen Reaktionen der Haut und Schleimhäute zu reagieren.

Verursacht werden kann Neurodermitis u. a. durch die Unverträglichkeit von Nahrungsmitteln oder Pollen. Sie äußert sich durch Entzündungen der Haut mit Juckreiz, Rötungen, Nässen, Schuppen- und Krustenbildung. Auf der Haut bilden sich Ekzeme, d. h. flächige Entzündungen der Haut, die stark jucken.

Der Juckreiz veranlasst den Betroffenen, sich zu kratzen, wodurch die Haut aufreißt und durch das Eindringen von Bakterien auch zu nässen beginnen kann. Durch den ständigen Juckreiz und das Aufkratzen der Haut wird diese trocken, verhornt, rissig und anfällig für Infektionen.

Allergisches Asthma bronchiale

Bei allergischem Asthma bronchiale kommt es durch Einatmen von Allergenen (z. B. Pollen, Hausstaubmilben, Tierhaare) zu Entzündungen der bronchialen Schleimhaut. Durch die Entzündungsreaktion schwillt die Schleimhaut an, produziert vermehrt zähen Schleim und verengt somit die Bronchien. Die Verengung der Bronchien bewirkt anfallsweise auftretende Atemnot, das sog. allergische Asthma bronchiale. Das allergische Asthma bronchiale zählt ebenfalls zu den atopischen Erkrankungen.

Allergische Nesselsucht (Urtikaria)

Allergisch bedingte Nesselsucht tritt als allergische Reaktion auf verschiedene Allergene, wie beispielsweise bestimmte Nahrungsmittel, Insektenstiche oder Arzneimittel, auf. Sie äußert sich durch große, meist rötlich-weißliche, stark juckende Quaddeln, die binnen weniger Minuten an der Hautoberfläche entstehen und sich innerhalb von mehreren Stunden bis mehreren Tagen wieder zurückbilden. Neben der allergischen Hautreaktion können zusätzlich Magen-Darm-Probleme, Atemnot, Kopfschmerzen und im schlimmsten Falle ein allergischer Schock auftreten. Die allergische Nesselsucht ist – wie die Neurodermitis und das allergische Asthma bronchiale – den atopischen Krankheiten zuzuordnen.

2. Unterscheidung der Allergieformen nach Reaktionstypen

Allergien können nach der Art der allergischen Reaktion in vier verschiedene Formen eingeteilt werden; man unterscheidet Typ I (auch Soforttyp genannt), Typ II, Typ III und Typ IV (den sog. Spättyp). Der Soforttyp (Typ I) und der Spättyp (Typ IV) zählen zu den am häufigsten vorkommenden Allergietypen.

2.a) Typ I, Soforttyp

Der Typ I, Soforttyp ist die am häufigsten vorkommende allergische Reaktion. Bei diesem Allergietyp kann die allergische Reaktion nach dem Kontakt mit dem Allergen innerhalb von nur wenigen Sekunden bis Minuten akut in Erscheinung treten. Je nach vorliegender Allergie sind die allergischen Reaktionen auf bestimmte Organe beschränkt (siehe Abschnitt „Allergische Symptome“).

Es kann jedoch auch zu einer allergischen Allgemeinreaktion kommen, die sich – wie im Abschnitt „Allergische Symptome“ beschrieben – am ganzen Körper äußert (durch Juckreiz, Haut- und Schleimhaut-Schwellungen, verstärkte Wassereinlagerung im Gewebe, Blutdruckabfall durch Gefäßerweiterung sowie Verengung der Bronchien; im schlimmsten Fall führt ein massiver Blutdruckabfall zu einem allergischen Schock, der extremsten Form der allergischen Reaktion.)

2.b) Typ IV, Spättyp

Bei dem ebenfalls relativ häufig auftretenden Typ IV, dem sog. Spättyp, treten allergische Reaktionen erst nach Stnden oder Tagen nach wiederholtem Kontakt mit dem allergieauslösenden Stoff auf. Beim Erstkontakt mit dem Allergen werden bei diesem Reaktionstyp noch keine allergischen Symptome sichtbar, sondern die allergische Reaktion wird erst nach wiederholtem Allergenkontakt, der sog. Sensibilisierung, ausgelöst.

Allergenvermeidung und Hyposensibilisierung

Bei jeder Allergie gilt es, dem Allergen so gut wie möglich auszuweichen – also z. B. auf Nahrungsmittel zu verzichten, die das Allergen enthalten, oder sich bei starkem Pollenflug möglichst in Gebäuden aufzuhalten. Doch eine völlige Meidung des Allergens meist nicht möglich. So ist es z. B. schwierig, einem Kontakt mit dem Kot der Hausstaubmilbe auszuweichen. Selbst in Haushalten, die wegen der Hausstaubmilbenallergie eines Familienmitglieds sehr auf die Hygiene achten, kommt das Allergen vor.

Bei einer starken Allergie oder bei hohem Risiko auf einen anaphylaktischen Schock (etwa bei Insektengiftallergien) sollte daher nach Möglichkeit eine sog. Hyposensibilisierung erfolgen. Dabei handelt es sich um eine Behandlung, bei der der Körper unter ärztlicher Aufsicht allmählich an das Allergen gewöhnt wird und als Folge weniger stark auf das Allergen reagiert.

Quellen:
Sandra Kirvel
allergikus 3/2017

22.12.17

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