Behandlung von Alzheimer
17.05.06.
Die Behandlung von Alzheimer Demenz unterteilt sich in zwei verschiedene Ansätze. Auf der einen Seite steht die medikamentöse Behandlung mit Antidementiva und auf der anderen Seite stehen nicht-medikamentöse Maßnahmen.
Medikamentöse Behandlung
Zur medikamentösen Behandlung stehen zwei Substanzgruppen zur Verfügung: Memantine und Acetylcholinesterase-Hemmer. Sie beeinflussen die Botenstoffe Glutamat bzw. Acetylcholin. Der Wirkstoff Memantine verbessert die Glutamat-vermittelte Signalübertragung, Acetylcholinesterase-hemmer verbessern die durch Acetylcholin vermittelte Signalübertragung.
1. Acetylcholinesterase-Hemmer
Acetylcholin ist ein wichtiger Botenstoff im menschlichen Gehirn. Bei gesunden Menschen halten sich Auf- und Abbau dieses Stoffes die Waage. Kommt es jedoch zu einer Schädigung des Gehirns, die eine verringerte Bildung dieses Botenstoffes mit sich führt, gerät die Konzentration aus dem Gleichgewicht, da das verbleibende Acetylcholin mit gleichbleibender Geschwindigkeit abgebaut wird. Dadurch wird schließlich die Übertragung der Nervenreize schwächer. Durch Acetylcholinesterasehemmer wird versucht, die Konzentration von Acetylcholin zu stabilisieren, indem man das Enzym, welches für den Abbau verantwortlich ist, hemmt.
Acetylcholinesterasehemmer haben aber keinen Einfluss auf das Absterben der Nervenzellen und werden daher in den frühen Stadien der Krankheit eingesetzt. Man geht davon aus, dass diese Medikamente nach neun bis zwölf Monaten ihre Wirksamkeit verlieren, da dann bereits so viele Nervenzellen abgestorben sind, dass eine ausreichende Erhöhung des Acetylcholinspiegels nicht mehr zu erreichen ist.
2. Memantine
Ein modernes Antidementivum ist der Wirkstoff Memantine, zugelassen zur Behandlung der moderaten bis schweren Alzheimer-Demenz. Die negative Wirkung der bei Alzheimer erhöhten Glutamatmengen im Gehirn wird durch Memantine reguliert. Der Wirkstoff fördert und verbessert die Funktion der Nervenzellen. Als Folge können Lernsignale wieder erkannt, der Patient geistig aktiver werden. Die kognitive Leistungs- sowie die Gedächtnisfähigkeit (z. B. Erinnern und Orientieren) bleiben länger erhalten. Die Betroffenen können dadurch z. B. länger in der Lage sein, Alltagaktivitäten selbstständig zu meistern (z. B. sich waschen, sich anziehen, essen, zur Toilette gehen etc.). Dies ist für die Lebensqualität der Betroffenen, der Angehörigen und Betreuer von großer Bedeutung. Insgesamt kann die Pflege bei Fortschreiten der Erkrankung erleichtert, eine Heimeinweisung ggf. hinausgeschoben werden.
3. Atypische Neuroleptika
In den späteren Stadien der Krankheit kann es ratsam sein, die auftretenden Verhaltensauffälligkeiten des Erkrankten zu behandeln, um ein Zusammenleben mit ihm angenehmer zu gestalten und ihm seine Würde zu bewahren. Bei starken Aggressionszuständen, Wahnvorstellungen und Halluzinationen kann der Einsatz von atypischen Neuroleptika gerechtfertigt sein. Dieser hat sich bewährt, denn Neuroleptika greifen gezielt in den Gehirnstoffwechsel des Erkrankten ein und machen ihn umgänglicher und ausgeglichener, was sich auch auf die Selbstständigkeit bei Alltagsaktivitäten positiv auswirken und die Arbeit der Pflegenden bzw. der Betreuer erleichtern kann.
Allerdings ist selbst die beste medikamentöse Therapie keine ausreichende Behandlung für eine Alzheimer-Erkrankung. Wichtig für den Erkrankten und sein Umfeld ist eine ausgeglichene Kombination aus medikamentöser und nicht-medikamentöser Therapie.
Nicht-medikamentöse Therapie
Die nicht medikamentöse Therapie beruht auf einer Reihe verschiedener Ansätze, die gewährleisten sollen, dass die Pflegebedürftigkeit des Erkrankten möglichst lange hinaus gezögert wird, dass seine Angehörigen die Krankheit verstehen lernen und dass der Erkrankte solange es geht seinen Selbstrespekt und Lebenswillen erhält. So wird zum Beispiel in der sog. Milieu-Therapie besonderer Wert darauf gelegt, dass die Alltags- und Freizeitaktivitäten des Erkrankten gefördert werden und er verstärkt in das Familienleben integriert wird. Dies soll, in Verbindung mit einem einfach strukturierten Tagesablauf, die Beziehung zwischen dem Erkrankten und den pflegenden Personen stärken und dem Patienten so ein Gefühl der Sicherheit vermitteln.
Eine weiterer wichtiger Therapieansatz ist die sog. Selbst-Erhaltungstherapie. Diese beschäftigt sich mit den weniger beeinträchtigten Fähigkeiten des Erkrankten wie dem Langzeitgedächtnis. Durch gemeinsames Betrachten alter Fotoalben aus seiner Vergangenheit oder dem Hören alter Musikstücke und gemeinsames Lesen von Buchtexten kann die Identität des Kranken länger erhalten bleiben. Zudem weckt es in dem Betroffenen das Gefühl der Kompetenz, da ihm die erhaltenen Erinnerungen Erfolgserlebnisse verschaffen. Ähnlich verhält es sich mit der Erinnerungstherapie. Dabei werden, z. B. mithilfe von Fotografien, positive Erinnerungen in dem Betroffenen hervorgerufen, wodurch sein allgemeines Wohlbefinden gesteigert wird.
Insbesondere im Anfangsstadium der Erkrankung kann auch Psychotherapeutische Hilfe ratsam sein, damit der Betroffene sein Leben trotz Erkrankung, die er ja zu diesem Zeitpunkt bewusst erlebt, als sinnvoll empfindet.
Anke Tennemann
Dipl. Biologin
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