- Anzeige -
Curado.de Logo

Sie sind hier: Startseite - Krankheiten - Allergien - Allergie - Anaphylaktischer Schock

Anaphylaktischer Schock

Als Anaphylaxie bezeichnen Mediziner eine plötzlich auftretende Reaktion des Immunsystems, die sich in schneller Folge nach dem Kontakt mit einem Allergen entwickelt und nicht auf den Bereich des Körpers begrenzt ist, der mit dem Allergen in Kontakt kam. Schlimmstenfalls kann diese allergische Reaktion zu Kreislaufversagen und zum Tod führen. Zu den Hauptauslösern einer Anaphylaxie gehören Insektengifte (etwa nach einem Bienen- oder Wespenstich), Nahrungsmittel und Medikamente (insbesondere Antibiotika). Im Kindesalter sind anaphylaktische Reaktionen nach dem Verzehr bestimmter Nahrungsmittel wie Erdnüsse oder Hühnereiweiß am häufigsten, bei Erwachsenen sind die Auslöser meistens Insektenstiche und Medikamente.

Die medizinische Leitlinie zur Akuttherapie anaphylaktischer Reaktionen geht davon aus, dass bis zu 1 % aller in den Notaufnahmen deutscher Kliniken versorgten Patienten wegen einer anaphylaktischen Reaktion dort eintraf und pro einer Million Menschen jährlich ein bis drei Todesfälle wegen einer Anaphylaxie zu verzeichnen sind. Zwar sind es meistens echte allergische Reaktionen, die zu einer Anaphylaxie führen, aber auch pseudoallergische Reaktionen rufen sie manchmal hervor.

Spezielle Diagnose

Um eine anaphylaktische Reaktion vermeiden zu können, ist es wichtig, den Auslöser zu kennen. Ein Allergologe kann anhand der Krankheitsgeschichte, über Haut- und Bluttests (IgE-Antikörper) feststellen, ob und auf was die Allergie auslöst. Hinweise auf eine direkte anaphylaktische Reaktion bietet der spezielle Nachweis der Serum-Tryptase. Diese Untersuchung kann allerdings nur direkt, d. h., bis einige Stunden nach Auftreten der anaphylaktischen Reaktion, durchgeführt werden. I. d. R. empfiehlt es sich, die Abklärung stationär durchzuführen, da nur hier oftmals notwendige Provokationstestungen durchgeführt werden können.

Verlauf der anaphylaktischen Reaktion

Bei allen möglichen Auslösern stellt sich für den Betroffenen die Frage: Woran erkenne ich eine anaphylaktische Reaktion und wie ist der Verlauf?

Anzeichen und Symptome einer Anaphylaxie können sofort nach dem Kontakt mit dem möglichen Auslöser auftreten oder (seltener) erst nach ein bis zwei Stunden. Ein charakteristisches Merkmal der Anaphylaxie ist die meist schnelle Verschlechterung des Zustandes. Meist verstärkt sich eine Reaktion je häufiger der Kontakt mit dem Auslöser stattfindet. Führt ein erster Wespenstich zu einer massiven Schwellung mit Juckreiz an der Einstichstelle, kann der nächste bereits Atemwegsprobleme zur Folge haben. Alkohol, Stress oder körperliche Belastung können als Verstärker wirken.

Schweregrade anaphylaktischer Reaktionen

Die medizinische Leitlinie unterteilt Anaphylaxien hinsichtlich ihres Schweregrads.

Schweregrad I
Juckreiz, Rötung, Nesselsucht, Schwellung von Haut und Schleimhäuten (Angioödem)

Schweregrad II
Juckreiz, Rötung, Nesselsucht,Angioödem
Flaues Magengefühl/Übelkeit (Nausea), Krämpfe, Erbrechen
Nasenlaufen, Heiserkeit, Atemnot
Beschleunigter Herzschlag (Tachykardie), Blutdruckabfall, Herzrhythmusstörungen

Schweregrad III
Juckreiz, Rötung, Nesselsucht, Angioödem
Erbrechen, Stuhlentleerung
Schwellung im Kehlkopfbereich (Larynxödem), Bronchialkrämpfe (Bronchiospasmen), Blauverfärbung von Haut und Schleimhäuten (Zyanose)
Schock

Schweregrad IV
Juckreiz, Rötung, Nesselsucht,
Angioödem Erbrechen, Stuhlentleerung
Atemstillstand
Kreislaufstillstand

Nicht alle Symptome müssen gleichzeitig auftreten, die Schweregradeinteilung erfolgt nach dem schwersten Symptom. Quelle: Leitlinie Akuttherapie anaphylaktischer Reaktionen.

Zu den Beschwerden gehören oft auch nicht näher bestimmbares Unwohlsein und Unruhe sowie vor allem bei Kindern Verhaltensänderungen wie Aggressivität oder ängstlicher Rückzug. Dass all diese Symptome auch mit anderen Erkrankungen einhergehen können, macht die Diagnose einer Anaphylaxie schwer. Da die körperlichen Reaktionen bei einer Anaphylaxie jedoch oft nach dem Verzehr bestimmter Nahrungsmittel, der Einnahme eines Medikaments oder einem Insektenstich auftreten, wird i. d. R. rasch ein Zusammenhang hergestellt.

Schnelle Therapie notwendig

Da die Vermeidung des Allergens nicht immer möglich ist, ist für den Betroffenen sehr wichtig, ein sinnvolles und effektives Notfallmanagement zu beherrschen. Wichtig ist es, frühe Warnzeichen zu erkennen und ernst zu nehmen.

Eine anaphylaktische Reaktion zu erleben, ist nichts, was man sich gerne vorstellt. Dennoch ist es notwendig, sich mit der Situation vertraut zu machen. Für diesen Fall sind drei Dinge von Bedeutung: Die Anaphylaxie zu erkennen, ihr schnell und effektiv entgegenzuwirken und sich an alles zu erinnern.

Der Anaphylaxie entgegenwirken

Wenn Sie vermuten, dass Sie eine anaphylaktische Reaktion entwickeln, handeln Sie sofort:

  • wenden Sie die Notfallmedikamente an,
  • fordern Sie medizinische Hilfe an (112),
  • achten Sie auf eine den Beschwerden angepasste Lagerung.

Anwenden der Notfallmedikamente

Bei der Einnahme der Notfallmedikamente sind zwei Aspekte von Bedeutung:

  • die auftretenden Beschwerden,
  • wie sicher man ist, mit seinem Allergen in Kontakt gekommen zu sein.

Das Notfallset

Das Notfallset besteht aus drei Medikamenten, die jeweils einzeln verordnet werden müssen:

  1. Adrenalin-Autoinjektor
  2. Antihistaminikum
  3. Kortisonpräparat

Solange ein Patient bei Bewusstsein ist und kein Kreislauf- oder Atemstillstand eingetreten ist, besteht die Therapie darin, Adrenalin in einen Muskel zu injizieren. Ist der Patient von einem Atem- oder Kreislaufstillstand bedroht, wird das Adrenalin i. d. R. intravenös gegeben. Adrenalin weitet die Bronchien, verengt die Blutgefäße, vermindert Wasseransammlungen in Haut und Schleimhäuten und steigert die Kraft des Herzens. Der Zustand der Betroffenen normalisiert sich nach der Gabe von Adrenalin im Regelfall zusehends. Sollte bereits ein Kreislaufversagen eingetreten sein, erfordert dies Wiederbelebungsmaßnahmen vor der intravenösen Adrenalingabe.

Nach der Erstversorgung erhalten die Betroffenen meist weitere Medikamente. Dazu gehören u. a. Glukokortikoide, die sich sowohl positiv bei Asthma als auch auf die anaphylaktischen Symptome auswirken. Auch Antihistaminika, die allergischen Reaktionen wie Nesselsucht oder Heuschnupfen entgegenwirken, werden meistens intravenös verabreicht. Die Gabe von Sauerstoff ist bei einer Anaphylaxie oft ebenfalls nötig. Die Patienten müssen bis zum Abklingen aller Symptome in der Klinik bleiben, um sicherzustellen, dass es nicht zu weiteren Komplikationen kommt.

Patienten, die Asthma haben oder bereits mit Atemnot reagiert haben, erhalten zusätzlich ein Bronchien-erweiterndes Asthmaspray (ß2-Sympathomimetikum). Wichtig: Das Notfallset muss immer mitgeführt werden und sollte gut erreichbar sein.

Hilfsmittel

Für ein effektives Notfallmanagement stehen u. a. nachfolgende Hilfsmittel zur Verfügung, die Sie beim Deutschen Allergie- und Asthmabund bestellen können:

Anaphylaxiepass

Der Anaphylaxiepass wird vom Arzt ausgestellt. Er enthält neben dem Nachweis Ihres Anaphylaxie-Auslösers auch eine Handlungsanweisung für den Notfall (z. B. verschriebene Medikamente, Aufkleber, der die genaue Anwendung Ihres Adrenalin-Autoinjektors schrittweise darstellt).

Anaphylaxie-Notfallplan

Der Anaphylaxie-Notfallplan ist inhaltlich mit dem Pass identisch. Er ist zur Weitergabe an Dritte (Freunde, Verwandte etc.) gedacht, damit auch diese im Notfall wissen, was zu tun ist.

Haftungsausschlusserklärung

Um den Umgang mit der Anaphylaxie für Dritte im Kindergarten oder Schule zu erleichtern, hält der DAAB einen Haftungsausschluss bereit.

Anaphylaxien vorbeugen

Ist bereits einmal eine Anaphylaxie nach dem Kontakt mit einem Allergen aufgetreten, sollte jede weitere Berührung mit dem Allergen vermieden werden. Da dies jedoch nicht immer möglich ist, sollten die Betroffenen bzw. bei Kindern die Eltern prüfen, ob es möglich ist, eine spezifische Immuntherapie einzuleiten. Eine solche Therapie, auch Hyposensibilisierung genannt, soll dafür sorgen, dass die körperliche Reaktion auf das Allergen abgemildert wird und eine Anaphylaxie nicht wieder auftritt. Solange die Hyposensibilisierung nicht wirkt, sollte alles daran gesetzt werden, das Allergen zu meiden. Das gilt auch für die Fälle, in denen eine Hyposensibilisierung nicht möglich ist. Das bedeutet z. B. darauf zu achten, dass Kinder bestimmte Nahrungsmittel nicht zu sich nehmen und Zutatenlisten genau zu studieren. Denn eine ganze Reihe von Nahrungsmitteln, auf die Kinder allergisch reagieren, können in Produkten enthalten sein, von denen man dies auf den ersten Blick nicht annimmt. Milch oder Hühnereiweiß etwa kommen in zahlreichen Fertiggerichten, aber auch in Teigwaren und Süßigkeiten vor. Auch Erdnüsse sind in vielen Nahrungsmitteln enthalten. Wer auf bestimmte Medikamente mit einer Anaphylaxie reagiert, sollte sich vom Arzt einen Notfallpass ausstellen lassen, in dem genau dies notiert wird. Denn ist man im Notfall nicht ansprechbar, müssen die Ärzte wissen, dass die Gabe bestimmter Medikamente gefährlich ist.

Da es nicht immer vollständig gelingt, Allergene zu meiden, auf die Allergiker mit einer Anaphylaxie reagieren, sollten die Betroffenen für den Ernstfall immer ein Notfallset bei sich tragen, das mit einem Adrenalin-Autoinjektor, einem Anthistaminikum und einem Glukokortikoid und ggf. einem Spray zur Bronchienerweiterung bestückt ist. Auch Kinder sollten so ein Set stets mitführen. Die Benutzung müssen Patienten vorab in einer Schulung einüben, bei kleinen Kindern müssen ggf. Betreuungspersonen instruiert werden, wie die Medikamente im Notfall zu benutzen sind.

Quelle: allergikus 3/2016

14.10.16

Newsletter An-/Abmeldung

Code: SQLS