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Die Angst vor einem Rückfall bei Brustkrebs

Wie Sie lernen können, mit der Angst umzugehen

Bei einer Brustkrebserkrankung ist Angst ein ständiger Begleiter der Patientinnen. Schnell kann es passieren, dass sich Betroffene hilflos und ihrem Schicksal ausgeliefert fühlen. Damit das nicht geschieht, ist es wichtig, sich der Angst zu stellen und Methoden zu entwickeln, um ihr zu begegnen. Dr. Jürgen Stepien, psychoonkologischer Psychotherapeut, unterstützt betroffene Frauen beim Umgang mit der Angst vor einem Rückfall. Im Interview erklärt er, was die Frauen aktiv tun können.

Was ist Angst?

Angst ist, neben Mut, Freude und Trauer eines der vier Grundgefühle des Menschen. Gefühle sind wichtige Informationsquellen für unser Leben. Das Wechselspiel dieser Gefühle ist wichtig für das Überleben des Menschen. Wenn Menschen nur freudig oder mutig wären, wären sie oft in Lebensgefahr. Entscheidend ist eine akzeptierende Haltung für die Angst zu entwickeln, sie also nicht loswerden zu wollen.

Welche positive Kraft hat die Angst?

Angst hat die Aufgabe Leben zu schützen. Sie ist eine Emotion, die dem Menschen signalisiert, dass Gefahr gegeben ist. Ihre Aufgabe ist es, Leben zu sichern. Ich nenne sie gerne den „Schutzengel des Lebendigen“. Wenn wir die Angst ins Leben holen, kann sie ihren Sinn und ihre Kraft entfalten. Durch Angst und weniger durch Freude entsteht tiefe existenzielle Nähe, Mitgefühl, das die Menschen zusammenrücken lässt. Das ist die Chance ein Bewusstsein für die Kostbarkeit des Augenblicks zu entwickeln und sich den Dingen zuzuwenden, die man schon immer machen wollte, aber immer wieder auf Morgen verschoben hat. Es ist wichtig die Angst zwar wahrzunehmen, aber ausschlaggebend ist die Fähigkeit, die Angst nicht zu stark ansteigen zu lassen, sodass sie handlungsunfähig macht.

Wie können Patientinnen ihrer Angst begegnen?

Eine Voraussetzung, um mit der Angst überhaupt erst umgehen zu können, ist es, ihr aktiv zu begegnen, d. h., sie erst einmal zu akzeptieren. Mit verschiedenen Möglichkeiten können Patientinnen eine Kompetenz entwickeln, um ihre Angst selbst zu regulieren. Wenn beispielsweise der Termin für die Nachsorgeuntersuchung näher rückt, können die Begegnung und der Kontakt mit wichtigen Bezugspersonen bereits beruhigen.

Was können Betroffene aktiv im Umgang mit ihrer Angst tun?

Das Wichtigste ist: Die Angst, als zu sich gehörend zu akzeptieren und sie nicht bekämpfen, auch wenn sie unangenehme Gefühle macht. Es geht nicht darum der Angst das Fürchten zu lehren, sondern ihr den Schrecken zu nehmen. Statt die Angst zu bekämpfen, geht es mehr darum sie regulieren zu lernen. Das Gefühl möchte ausgedrückt werden, es ist eine Energie im Körper, die z. B. durch Bewegung wieder in den Fluss kommen kann und dadurch reguliert werden kann. Spaziergänge in der Natur tragen auch dazu bei, dass sich die Enge im Körper wieder weitet und sich die Angst reduziert. Alltagsrituale können ebenfalls heilsam wirken, weil sie Halt bieten, um weiter zu gehen. Patientinnen sollten sich immer wieder bewusst machen, dass die Angst nur ein Teil ihrer Persönlichkeit ist, um dann ihre Aufmerksamkeit zu anderen Persönlichkeitsanteilen zu lenken. Die Seele ist widersprüchlich: Menschen können gleichzeitig Angst und Mut in sich spüren.

Welche Möglichkeiten gibt es, die Angst zu lindern?

Es gibt unterschiedliche Ressourcen, die jeder in sich trägt. Helfen können soziale Begegnungen, Bewegung in der Natur, Übungen der Achtsamkeit, Entspannungsübungen, Sport, malen, tanzen, schreiben. Singen hat eine regulative Funktion bei Angst, da Singen beruhigend auf das Angstzentrum in unserem Gehirn wirkt. Die Möglichkeiten sind sehr vielfältig. Jeder sollte für sich die passenden Methoden heraussuchen und bewusst immer wieder einüben. Sehr wichtig ist es auch zu lernen, Angst machende Gedanken zu bändigen. Gedanken sind wie Gäste, die oft ungebeten kommen, wir können uns entscheiden, ob wir sie reinlassen oder nicht und uns stattdessen achtsam anderem zu widmen.

Quelle: Leben? Leben! 1/2014

16.05.14

Die Angst vor dem Rezidiv
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