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Hände weg von Antibiotika bei Erkältungen

Über- und Fehlversorgung mit Antibiotika wird während der Erkältungszeit besonders deutlich

Halsschmerzen, Schnupfen, Husten, Kopfschmerzen und ein Gefühl von Abgeschlagenheit — das sind die Symptome, mit denen erkältete Patienten kämpfen. Zwei- bis fünfmal im Jahr kann es Erwachsene treffen, Kinder auch häufiger. Meist verschwindet die Erkältung innerhalb von zwei Wochen von allein wieder, nur der Husten hält häufig noch etwas länger an – auch das ist normal.

Drängelnde Patienten: Unkenntnis und mangelnde Geduld

Keine Frage, Erkältungen können sehr lästig sein, aber eine solche Gefahr, dass sie eine Antibiotika-Therapie notwendig machen würden, sind sie in der Regel nicht. Viele Patienten sehen das anders. Laut einer Umfrage erwarten drei Viertel der Betroffenen eine Antibiotika-Verordnung, wenn Erkältungsbeschwerden nicht von selbst besser werden. Neben mangelnder Geduld zeigt sich hierbei auch Unkenntnis. Erkältungen werden, so Experten, in 80 bis 90 Prozent aller Fälle von Viren verursacht, ohne dass es eine zusätzliche bakterielle Besiedlung gibt. Antibiotika aber wirken nur gegen Bakterien, sie sind bei normalen Erkältungen also vollkommen nutzlos. 40 Prozent der von der Befragten wussten dies nicht.

Nebenwirkungen der Antibiotika-Therapie

Was so manch einer bei seinem Wunsch nach einer schnelleren Genesung von der Erkältung nicht bedenkt, sind die nicht unerhebliche Nebenwirkungen von Antibiotika, wie beispielsweise eine Störung der Darmflora. Antibiotika töten nicht nur bakterielle Krankheitserreger ab, sie treffen auch die im Darm lebenden, nützlichen Bakterien und dezimieren diese stark. Doch die Darmbakterien sind für uns lebensnotwendig. Ihre Aufgaben sind vielfältig, wie der Abbau von Ballaststoffen und die Unterstützung des Immunsystems. Derzeit ist noch gar noch nicht absehbar, welche Langzeitwirkungen Antibiotika auf die Darmbesiedlung haben.

Antibiotika: Die Schwerter sind stumpf geworden

Noch gravierender ist die Tatsache, dass unnötige Verordnungen das Risiko der Resistenzbildung verschärfen. Hier lauern die wirklichen Gefahren, wenn auch erstmal für die Betroffenen nicht direkt spürbar. Resistente, also widerstandsfähige Keime, denen Penicillin und Co. nichts mehr anhaben können, bedrohen zunehmend die Gesundheit von geschwächten Patienten im Krankenhaus. Infektionen mit multiresistenten Keinem werden für sie zur tödlichen Gefahr, weil Antibiotika nicht mehr wirken können.

Bronchitis muss nicht automatisch mit Antibiotika behandelt werden

Keine Frage: Wer ein Antibiotikum benötigt, soll es bekommen, und – auch das ist wichtig, um Resistenzen zu verhindern – genauso lange einnehmen, wie vom Arzt verordnet. Doch laut Analyse von Arzneimitteldaten waren fast 30 Prozent der Antibiotika-Verordnungen im Jahr 2013 mit Blick auf die Diagnose fragwürdig, das heißt wahrscheinlich überflüssig. Vor allem bei Infektionen der oberen Atemwege, Bronchitis oder Husten wurden entgegen der Behandlungsleitlinien häufig Antibiotika verschrieben.

Studien zeigen, dass sich eine Antibiotika-Therapie bei akuter Bronchitis meist weder auf die Heilungszeit noch auf die Dauer der Arbeitsunfähigkeit auswirkt. Kein Wunder: Nur bei weniger als 10 Prozent der Patienten können Bakterien als Verursacher überhaupt nachgewiesen werden. Dennoch erhalten hierzulande zwei von drei Patienten mit akuter Bronchitis von Anfang an ein Antibiotikum. Ähnlich verhält es sich z. B. bei Nebenhöhlen- oder Mittelohrentzündungen.

Patienten müssen Verantwortung übernehmen

Wer meint, allein Ärzte müssten hier entgegensteuern, irrt. Viele Patienten haben das Gefühl, sie hätten ein Recht auf die Behandlung mit Antibiotika. Das setzt Ärzte unter Zugzwang. In einer britischen Studie gab jeder zweite Hausarzt an, sich von seinen Patienten bei dieser Frage unter Druck gesetzt zu fühlen. Dementsprechend verordnete auch fast jeder zweite ein Antibiotikum, oft gegen besseres Wissen, um den fordernden Patienten loszuwerden. Interessanterweise verordnen Ärzte nachmittags mehr Antibiotika als vormittags, möglicherweise weil ihre „Widerstandskraft“ im Laufe des Tages bröckelt.

Diese Widerstandskraft müssen Ärzte stärken. Doch auch die Patienten sind gefragt. Sie sollten sich kritisch mit dem Konsum von Antibiotika auseinandersetzen und ihre Anspruchshaltung überprüfen. Alle müssen ihren Beitrag leisten, damit Antibiotika weiterhin eine wirksame Waffe gegen gefährliche Krankheitserreger bleiben.

Sinnvolle Maßnahmen gegen Erkältungen, Bronchitis und Co.

  • Ein ansteigendes Fußbad aus der Kneipp’schen Wassertherapie kann eine sich anbahnende Erkältung stoppen. Dazu einen Eimer mit 37 Grad warmem Wasser füllen und Füße eintauchen. Nun nach und nach so lange heißes Wasser nachgießen, bis eine Temperatur von etwa 41 Grad erreicht ist. Die gesamte Dauer des Fußbads sollte dabei nicht länger als 15 bis 20 Minuten sein. Anschließend die Füße nur leicht trocken tupfen, warme Socken anziehen und 20 Minuten Bettruhe genießen. Durch diese Maßnahme wird nicht nur die Durchblutung erhöht, sondern auch ein Reiz gesetzt, der das Immunsystem stimuliert.
  • Bei akuter Entzündung der Nasen- und Nebenhöhlen-Schleimhaut können pflanzliche Arzneien helfen, die Myrtol, Cineol aus Eukalyptus oder Primelextrakte enthalten. Bei akuter Nebenhöhlen-Entzündung und Bronchitis haben sich Arzneien mit Senföle aus Kapuzinerkresse und Meerrettich bewährt.
  • Gegen Husten helfen Thymian-Efeu- und Thymian-Primelwurzel-Präparate oder eine Pelargonium-Zubereitung. Verschiedene schleimlösende Medikamente und eine ausreichende Flüssigkeitsmenge erleichtern das Abhusten und damit die Regeneration.
  • Gegen Kopf- und Gliederschmerzen können Paracetamol oder Ibuprofen angewendet werden, z. B. wenn dadurch ein besserer Schlaf gewährleistet wird. Dies gilt auch für eine verstopfte Nase: Hier können abschwellende Nasensprays Erleichterung bringen, allerdings sollten sie nicht länger als sieben Tage angewendet werden.
  • Das Rauchen sollte in jeden Fall unterlassen werden, denn der Tabakrauch schädigt die angegriffenen Schleimhäute zusätzlich.

Quelle: Deutsches Grünes Kreuz e. V.

30.11.15

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