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Therapie einer Aphasie

Die Aphasie bessert sich in der Akutphase, also in den ersten Monaten, mehr oder weniger stark ganz von selbst. Eine gezielt angewendete Therapie kann diesen Fortschritt deutlich verstärken. Auch Jahre nach einer Hirnschädigung können noch Verbesserungen durch spezielle Therapien erzielt werden, allerdings fallen diese deutlich geringer aus als die Erfolge einer Therapie in den ersten sechs Monaten. Es ist somit wichtig, dass mit einer Therapie der Aphasie früh begonnen wird und diese möglichst häufig stattfindet.

Durchführung der Therapie von Aphasikern

In der Regel wird die Therapie eines Aphasikers von Sprachheilpädagogen, klinischen Linguisten oder einem Logopäden durchgeführt. Eine Therapie kann bereits im Krankenhaus beginnen. In speziellen Rehabilitationskliniken können Aphasiker täglich intensive Sprachtherapien bekommen. Im Anschluss werden ein- bis dreimal wöchentlich ambulante Therapiemaßnahmen in einer Sprachtherapiepraxis oder bei den Betroffenen zu Hause durchgeführt.

Therapeutische Methoden

Es gibt eine Reihe verschiedener Methoden, die bei einer Therapie von Aphasikern zum Einsatz kommen können. Entscheidend für die Wahl der Therapie ist sowohl der in der Diagnose bestimmte Schweregrad der Aphasie als auch der Zeitraum, der seit der Entstehung vergangen ist.

Diese drei Therapie Methoden sind besonders häufig:

  • aktivierende Methoden
  • sprachsystematische Methoden
  • gesprächsbezogene Methoden

Aktivierende Methoden

Aktivierende Methoden verfolgen den Ansatz, dass die sprachlichen Prozesse von Aphasikern nicht vollständig gelöscht sind. Sie sind noch vorhanden, es kann aber nicht darauf zugegriffen werden. Durch die Stimulierung verschiedener sprachlicher Ebenen wie beispielsweise dem Hörverständnis, dem Leseverständnis und dem Schreiben von Wörtern wird das gesamte Sprachsystem angeregt. Dadurch sollen Blockaden abgebaut und neue Wege zu den sprachlichen Prozessen aufgebaut werden. Bei diesem Ansatz wird generell mit dem begonnen, was am besten funktioniert. Aufgaben, die vom Aphasiker nur schwer zu bewältigen sind, werden mit solchen gekoppelt, die leichter fallen. Dadurch wird das gesamte Sprachsystem aktiviert und in allen Ebenen verbessert. Diese Art der Therapie wird vorwiegend in den ersten Monaten und bei sehr schweren Fällen von Aphasie eingesetzt.

Sprachsystematische Methoden

Sprachsystematische Methoden setzen bei der Therapie direkt an den Symptomen an, also dort, wo für Aphasiker der Sprachgebrauch schwierig wird und auffällig ist. Zu dieser Art der Therapie gibt es einige Materialsammlungen, sodass die Betroffenen zum Teil auch selbständig üben können. Es ist jedoch wichtig, dass erfahrene Therapeuten die Übungen aufgrund des jeweiligen Befundes gezielt auswählen. Sprachsystematische Methoden eignen sich besonders für die Therapie mittelschwerer und leichter Aphasien sowie für ein gezieltes Training spezifischer sprachlicher Probleme.

Gesprächsbezogene Methoden

Gesprächsbezogene Methoden zielen darauf ab, dem Aphasiker mit möglichst einfachen Mitteln das Führen eines Gesprächs zu ermöglichen. Es werden entsprechend nicht nur die sprachlichen Fähigkeiten gefördert, sondern auch Möglichkeiten gelehrt, mit denen Worte umgangen werden können bzw. deren Bedeutung untermalt werden kann. Dies ist beispielsweise Gestik oder Mimik sowie ein Zeigen oder Zeichnen. Diese Methoden sind besonders bei der Therapie von mittelschweren bis schweren Formen einer Aphasie angezeigt und sind auch dann sehr sinnvoll, wenn auf sprachlicher Ebene keine Verbesserungen mehr zu erwarten sind. Da Gespräche in erster Linie mit den Menschen aus dem näheren Umfeld geführt werden, ist es wichtig, diese Personen in die Therapie mit einzubeziehen. Auch ihnen werden somit Wege aufgezeigt, wie sie sich gegenüber einem Aphasiker verständlicher ausdrücken können.

Leben mit der Aphasie

Auch wenn die Aphasie direkt nur einen einzigen Menschen trifft, so trifft sie indirekt auch Familie und Freunde. Die plötzliche Einschränkung der Kommunikationsmöglichkeiten kann zu Missverständnissen, Konflikten und Frustrationen führen. Auch für die Angehörigen ist es nicht leicht, Wünsche, Bedürfnisse und Fragen der Betroffenen nicht verstehen zu können, insbesondere dann, wenn durch die Hirnschädigung nicht nur die Sprache, sondern auch Mimik und Gestik eingeschränkt sind.

Menschen mit Aphasie sind auf Hilfe angewiesen. Entsprechend müssen sie lernen, die benötigte Hilfe auch anzunehmen. Im Gegenzug müsse Angehörige lernen, wie sie helfen können, ohne die betroffene Person zu bevormunden und in ihrer Persönlichkeit einzuschränken. Aphasiker haben zudem den Verlust der Sprache zu verarbeiten, was häufig extrem schwierig ist. Hier können Selbsthilfegruppen wertvolle Hilfe leisten – für beide Seiten.

Um Aphasikern ein möglichst alltägliches Leben zurückzugeben, sollten sie überall, wo es machbar ist, in Alltagsaktivitäten einbezogen werden. Auch die Suche nach einem Hobby, bei dem sprachliche Fähigkeiten keine Rolle spielen, kann dabei helfen, dass die Betroffenen sich nicht noch stärker eingeschränkt fühlt, als sie es durch ihre Sprachstörung und mögliche Begleiterscheinungen tatsächlich sind. Trotz dieser Ratschläge ist es jedoch auch für Angehörige wichtig, an sich zu denken und ein eigenes Leben weiterzuführen. Niemand kann sein Leben nur auf die Bedürfnisse eines anderen ausrichten, und mit einem schlechten Gewissen ist auch niemandem geholfen.

Lydia Köper

12.05.15

Therapie
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