Allergiker auf Reisen
10.06.08.

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Die schönste Jahreszeit hat begonnen und viele Allergiker planen den nächsten Urlaub. Damit man diesen auch in vollen Zügen genießen kann, sollten gerade Allergiker und Asthmatiker ihre Reise gut vorbereiten
Auswahl der Region: Urlaubsziel Küste, Inseln oder Gebirge
Da jeder Patient „sein“ Asthma und „seine“ individuelle Allergie hat, stellt er auch unterschiedliche Anforderungen an Trockenheit oder Feuchtigkeit von Luft und Böden, an Höhenlage, Luftströmung, Temperatur, Staubfreiheit und Sonnenscheindauer. Bei dieser Vielzahl von Faktoren, die das Klima bestimmen, wird deutlich, dass es kein generell günstiges Klima für Allergiker gibt.
Für einen erholsamen Urlaub herrscht ein allergikerfreundliches Klima an der See, auf Hochseeinseln oder auch im Gebirge mit mittleren Höhen von 1500 bis 2000. See und Gebirge bieten sowohl geringen bis gar keinen Pollenflug als auch minimale sonstige Allergenbelastungen (Schimmelpilze, Milben). Viele Urlaubsregionen verfügen über Pollenfallen und können genaue Angaben über den aktuellen Pollenflug machen
Tipps zur Auswahl der Urlaubsregion:
Für Hausstaubmilbenallergiker: trockenes und kühles Hochgebirgsklima ist besonders günstig. Ab einer Höhe von rund 1.500m werden Hausstaubmilben nicht mehr angetroffen.
Für Pollenallergiker: die Nordsee garantiert bei Nordwestwind Beschwerdefreiheit, da die Pollen von der Küste weg geweht werden. Günstig ist natürlich auch, vor seinen Pollen in ein „pollenfreies“ Gebiet zu flüchten, in dem die Pollen bereits nicht mehr fliegen oder vegetationsbedingt gar nicht vorkommen. Aber Achtung: Erkundigen Sie sich nach Kreuzreaktionen innerhalb der Pflanzenfamilien.
Prüfen Sie, welche Jahreszeit im gewählten Urlaubsland zum Reisetermin ist, und welche Pollen dort wann unterwegs sind.
Bei Infektasthma oder chronischer Bronchitis: bei trockenem und mildem Schonklima, wie es auf den Kanaren oder Balearen zu finden ist, fühlen Sie sich wohl.
Für Neurodermitiker: Das Klima an Ost- oder Nordsee mit salzhaltiger Luft und Sonnenschein kann der Haut sehr gut tun. Ein Aufenthalt sollte allerdings mindestens 14 Tage betragen. Beim Aufenthalt im Hochgebirge muss aufgrund der geringeren Luftfeuchtigkeit mit einer stärkeren Austrocknung der Haut gerechnet werden.
An- und Abreise
Bei der Wahl des Transportmittels sind individuelle Vorlieben das wichtigste Kriterium. Als mögliche Transportmittel kommen außer dem eigenen Auto oder dem Flugzeug auch noch Bus, Bahn oder Schiff infrage. Jede Möglichkeit der Anreise hat Vor- und Nachteile.
Für die Anreise mit dem PKW gilt zu beachten, dass Allergiemedikamente eine ermüdende Wirkung haben und die Fahrtüchtigkeit einschränken können.
Die Anreise mit dem Flugzeug wird von den meisten Allergikern und Asthmatikern gut vertragen. Beachten Sie, dass Sie während des Fluges nicht an Ihr Gepäck kommen. Notfallmedikamente sollten deshalb immer im Handgepäck in den vorgeschriebenen Tüten aufbewahrt werden. Als Nahrungsmittelallergiker können Sie vor dem Flug mit der Fluggesellschaft ein individuelles Menü absprechen. Auch Patienten mit empfindlichem Bronchialsystem sollten vorab mit der Fluggesellschaft sprechen, ob das Flugzeuginnere mit Parfüm beduftet wird.
Bei Bahnreisen sollte frühzeitig ein Nichtraucherabteil gebucht werden. Auch Bahnrestaurants können sich mittlerweile auf spezielle Wünsche der Gäste einstellen. Fragen Sie als Nahrungsmittelallergiker vorab bei der Bahngesellschaft nach.
Schiffsreisen (Segeltörns oder Kreuzfahrten) erfüllen den Wunsch nach einem pollenfreien Klima. Sobald ein Schiff mehr als 75 Passagiere hat, muss es einen Arzt an Bord haben. Probleme können auf einem Luxusdampfer allerdings genau wie bei anderen Unterkünften durch die Klimaanlage, Kabineneinrichtung und die Verpflegung auftreten. Hier empfiehlt es sich vor der Buchung genaue Auskünfte einzuholen.
Eine Urlaubsreise mit dem Wohnwagen oder Wohnmobil bietet viele Vorteile für den Allergiker. Speziell das eigene Gefährt ermöglicht eine optimale, allergikergerechte Einrichtung und Küche. Hausstaubmilbenallergiker müssen allerdings darauf achten, dass die Polster mit einem Encasing überzogen werden können. Hier sind meist Spezialanfertigungen notwendig.
Check-Liste mit möglichen Fragen für die Unterkunft:
- Lassen sich die Fenster zum Lüften öffnen oder sind die Räume mit einer Klimaanlage ausgerüstet?
- Wie alt sind die Matratzen? Gibt es die Möglichkeit, die Matratze mit einem Encasing auszustatten? Nehmen Sie sicherheitshalber eigene Encasings (milbendichte Schutzhüllen) mit.
- Welchen Bodenbelag haben die Zimmer?
- Gibt es Nichtraucher-Zimmer? Sind diese in einem eigenen Flur abgetrennt?
- Sind Tiere im Haus erlaubt?
- Gibt es einen Ansprechpartner in der Hotelküche? Wir selbst gekocht oder werden fertige Menüs geliefert?
Wenn Sie Nahrungsmittel-Allergiker sind, rufen Sie vorher ruhig im Hotel an – oder delegieren Sie dies an Ihr Reisebüro – und fragen nach, ob man sich vor Ort auf Ihre spezielle Diät einstellen kann. Vergessen Sie nicht: Sie sind mit solchen „Sonderwünschen“ nicht lästig, sondern als Kunde „König“, was in einem reinen Dienstleistungsgewerbe wie der Reisebranche meist durchaus präsent ist.
Die neue Kennzeichnungspflicht für Lebensmittel gilt europaweit und auch in Amerika und England findet eine Allergenkennzeichnung auf verpackten Lebensmitteln statt. Also beachten Sie beim Einkauf das Zutatenverzeichnis und übersetzten sich “Ihr“ Allergen und Zubereitungen daraus in die jeweilige Sprache. Beim Essen außer Haus müssen Sie wie in Deutschland auch das Personal ansprechen.
Tipp: Der DAAB ist Ihnen gerne bei der Übersetzung Ihrer Allergieauslöser behilflich.
Tipps bezüglich der Medikamente
Lassen Sie sich Ihre Medikamente (Antiallergika, Asthmamedikamente usw.) in ausreichender Menge verordnen. Damit die Medikamente (Notfallapotheke) im Notfall auch sofort griffbereit sind, gehören sie für die An- und Abreise nicht ins Reisegepäck, sondern in die Handtasche. Auch ein Ersatzrezept sollte in dieser Tasche mitgenommen werden. Erkundigen Sie sich bei Ihrer Apotheke, ob Ihr Medikament im Urlaubsland verfügbar und unter welchem Namen es dort zu haben ist. Wenn Sie ins Ausland möchten: Lassen Sie sich Ihren Allergie-Pass (z.B. bei einer Arzneimittel-Allergie) nach Möglichkeit auch in Englisch abfassen.
Klima-Anpassung
Am Urlaubsort angekommen darf nicht vergessen werden, dass der Körper sich auf das neue Klima einstellen muss. Wind, Luft und Sonne können auch überfordern und zu einer Verschlechterung des Befindens führen. Also nicht gleich am ersten Tag eine Strandwanderung oder eine Bergtour machen. Der geeignete Zeitpunkt für größere Unternehmungen ist in der Regel ab dem dritten oder vierten Tag. Die optimale Urlaubsdauer liegt zwischen drei und vier Wochen. Klimatische Umstellungen sind nicht innerhalb weniger Tage möglich.
Sonja Lämmel, Diplom-Oecotrophologin
Deutscher Allergie- und Asthmabund e.V. (DAAB)
Ein umfangreiches Infoblatt “Allergien und Reisen” erhalten Sie beim Deutschen Allergie- und Asthmabune e.V. (DAAB), Fliethstr. 114, 41061 Mönchengladbach, info@daab.de, www.daab.de
Quelle: DAAB
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