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Bei chronischen Lungenerkrankungen an Pneumokokken-Impfschutz denken

21.04.08.

Foto: Bei COPD und Asthma an notwendige Schutzimpfungen denken

Foto: Shutterstock

Menschen mit chronischen Lungenerkrankungen sind für akute Atemwegsinfekte besonders anfällig. Schnell kann sich daraus eine gefährliche Lungenentzündung entwickeln, die zu einer dramatischen Verschlechterung des Grundleidens führt. Aktuelle Studienergebnisse belegen: Mit einer Impfung gegen Pneumokokken-Bakterien können die Betroffenen wirksam vorbeugen. Bei Patienten mit chronisch obstruktiver Lungenerkrankung (COPD) kann die Impfung drei Viertel der durch Pneumokokken verursachten Lungenentzündungen verhindern. Die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut in Berlin empfiehlt die Impfung deshalb neben über 60-Jährigen auch Menschen mit chronischen Erkrankungen.

In einer aktuellen spanischen Studie mit 596 COPD-Patienten zeigten Inmaculada Alfageme und ihre Kollegen, dass eine Pneumokokken-Impfung bei chronischen Atemwegserkrankungen sinnvoll ist: In der Teilnehmergruppe der unter 65-Jährigen verhinderte die Impfung Lungenentzündungen, die außerhalb des Krankenhauses, also im privaten oder beruflichen Umfeld, erworben wurden, mit einer Wirksamkeit von 76 Prozent. COPD-Patienten mit stark verengten Atemwegen profitierten besonders: Bei ihnen konnte die Pneumokokken-Impfung das Auftreten von ambulant erworbener Lungenentzündung sogar um 91 Prozent verringern. Patienten ohne Pneumokokken-Impfung erkrankten fünfmal häufiger an Lungenentzündung als geimpfte Personen.

Pneumokokken-Bakterien sind weltweit verbreitet und Hauptauslöser für schwere Lungenentzündungen. Die Erreger finden sich bei jedem Zweiten im Nasen-Rachen-Raum und können beim Sprechen oder Niesen übertragen werden. Im Normalfall hält das Immunsystem die Bakterien in Schach. Ist die körpereigene Abwehr jedoch durch eine bestehende Grunderkrankung oder in fortgeschrittenem Alter geschwächt, können Pneumokokken schwere Erkrankungen auslösen. Diese fordern jedes Jahr in Deutschland 12 000 Todesfälle. Daher empfiehlt die Ständige Impfkommission am Robert Koch-Institut in Berlin (STIKO) Menschen mit chronischen Erkrankungen wie Asthma oder COPD sowie grundsätzlich allen über 60-Jährigen, sich gegen Pneumokokken und Grippe impfen zu lassen.

„Patienten mit COPD oder Asthma, deren Atemwege ohnehin schon stark belastet sind, können besonders leicht an gefährlichen Lungenentzündungen erkranken. Sie sind häufig der Grund für akute Krankheitsschübe mit einer deutlichen Verschlimmerung der Symptome, wie verfärbter Auswurf, Husten und Luftnot. Typische Erreger sind Pneumokokken-Bakterien“, so Prof. Dr. Joachim Lorenz, Internist mit dem Spezialgebiet Lungen- und Bronchialheilkunde und Direktor der II. Medizinischen Klinik des Klinikums Lüdenscheid. „Oft führt die Lungenentzündung sogar zu einer Einweisung ins Krankenhaus.“ Wer als COPD-Patient gegen Pneumokokken geimpft ist, muss Krankenhausaufenthalte wenigerfürchten: Die Gefahr, wegen einer Pneumokokken- bedingten Lungenentzündung eingewiesen zu werden, verringert sich durch die Impfung um mehr als die Hälfte.

Grippe-Erkrankung kein Kinderspiel für Menschen mit chronischen Atemwegserkrankungen

Auch Grippe-Erreger können bei Menschen mit bestehenden Grunderkrankungen Krankheitsschübe auslösen. Für chronisch Kranke mit schwachen Abwehrkräften ist die Gefahr, sich während einer Grippe-Welle anzustecken, besonders groß. Außerdem schwächt eine Grippe-Infektion das Immunsystem zusätzlich und öffnet Pneumokokken-Bakterien Tür und Tor. Die Grippe-Impfung kann bei Menschen mit fortgeschrittener COPD schwere Atemwegsinfektionen zu 85 Prozent verhindern. Höhere Grippe-Impfraten senken zudem die Zahl der Todesfälle durch Asthma und andere Lungenerkrankungen deutlich.

Chronische Atemwegserkrankungen nehmen zu

Asthma und COPD sind weit verbreitet: Etwa vier bis sieben Prozent der Deutschen leiden an COPD, an Asthma sogar fünf bis zehn Prozent. Diese Krankheiten sind keineswegs harmlos: Weltweit starben im Jahr 2005 etwa 255 000 Menschen an Asthma, und nach einer Prognose der Weltgesundheitsorganisation WHO wird COPD im Jahr 2020 die dritthäufigste Todesursache überhaupt sein. Komplikationen durch Grippe- oder Pneumokokken-Erkrankungen tragen wesentlich zur dieser hohen Sterblichkeit bei. Die beiden Impfungen gegen Pneumokokken und gegen Grippe sind eine gute Möglichkeit der Vorbeugung und darüber hinaus gut verträglich. Für chronisch Kranke und über 60-Jährige werden die Kosten für die Impfungen von den Krankenkassen übernommen.

Quelle: Service Impfen Aktuell

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