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Entspannungstechniken für kleine Asthmatiker

Asthma bronchiale ist die häufigste chronische Erkrankung bei Kindern. Neben einer medikamentösen Behandlung und der Vermeidung der Allergene, wie z. B. Hausstaub, bestimmter Nahrungsmittel oder Gräserpollen, können auch Atemgymnastik und Entspannungstechniken Erleichterung schaffen. Im Vordergrund stehen dabei die Wahrnehmungsschulung und Wissensvermittlung.

In Deutschland leidet heute etwa jedes zehnte Kind unter Asthma. Glücklicherweise gibt es inzwischen gute Behandlungsmöglichkeiten, außerdem trägt der richtige Umgang mit der Krankheit zu einem günstigen Krankheitsverlauf bei. Asthma ist eine organische Erkrankung, die jedoch durch positive und negative Emotionen beeinflusst wird. Gerade bei kleinen Asthmatikern spielt die Psyche oft eine große Rolle: Seelische Belastungen können Auslöser für einen Asthmaanfall sein. Durch die häufig vorhandene Angst vor der Atemnot wird diese zusätzlich oft noch verstärkt. Je besser ein Patient über die Ursachen und Verhaltensmaßnahmen aufgeklärt ist, desto besser kann er mit seiner Erkrankung umgehen. Dies gilt insbesondere für Kinder. Kontraindiziert für die Entspannungsverfahren sind Kinder mit dem seltenen Small-Airway-Asthma, bei dem vor allem die Bronchiolen (die kleinen Verästelungen im Bronchialsystem) betroffen sind, die bei einer aus Entspannung resultierenden, parasympathischen Veränderung noch weiter verengt werden könnten. Vor Übungsbeginn sollte der Rat des behandelnden Arztes eingeholt werden.

Spielerische Vermittlung von Entspannung

Die normalerweise bei Asthma empfohlenen Entspannungstechniken wie Autogenes Training, Progressive Muskelrelaxation, Yoga und Qi Gong sind erst bei Kindern ab dem Schulalter zu empfehlen. Hierfür bedarf es schon einem Verständnis des eigenen Körpers und einer höheren Konzentrationsfähigkeit. Mit anderen Entspannungstechniken kann jedoch oft schon früher begonnen werden. Kleineren Kindern kann und soll Wissen bezüglich der Erkrankung spielerisch vermittelt werden. Atem- und Entspannungstechniken können schon früh geübt werden. Wichtig ist hierbei, dass die Eltern selber eine gute Kenntnis der jeweiligen Technik haben. Eltern sollten mit dem Kind zusammen üben und nicht als „passiver Lehrer“ fungieren. Außerdem sollte auf eine ruhige Umgebung geachtet werden.

Vielfältige Möglichkeiten der Entspannung

Zur Entspannung können beispielsweise Fantasiereisen eingesetzt werden. Hierbei werden Traumgeschichten vorgelesen, bei denen das Kind sich in eine bestimmte Situation versetzt und diese gedanklich durchlebt. Kinder können oft besser als Erwachsene mit Bildern arbeiten. Wenn Kinder sich schon gut konzentrieren können, kann man die Bilder mit bewusster Atmung kombinieren. Allerdings ist dies oft leichter gesagt als getan, denn Entspannung lässt sich nicht erzwingen. Es sollte darauf geachtet werden, dass die Übungseinheiten anfangs kurz gehalten werden. Entspannend können außerdem Lesen, Spaziergänge, das Malen von Mandalas oder Musizieren wirken. Zusätzlich können Dehnlagerungen durchgeführt werden, für die die Eltern vom behandelnden Physiotherapeuten angeleitet werden können. Dies gilt auch für atemerleichternde Stellungen, die von den Kindern schnell selber beherrscht werden (s. Abb.). So kann Schritt für Schritt Entspannung erreicht werden. Entscheidend ist dabei auch, dass sich der Erwachsene, der dem Kind z. B. eine Entspannungsgeschichte vorliest, selber im inneren Gleichgewicht befindet und dass dies auch für die Kinder spürbar ist. Besonders in der Anfangszeit kann das Kind einen Tag haben, an dem es sich partout nicht konzentrieren kann. Hier müssen sich die Großen in Geduld üben, denn auch das Entspannen muss von vielen Kindern erst erlernt werden.

Körperliche und geistige Entspannung

Entspannung kann über zweierlei Wege erreicht werden – den Körper (Muskeln, Atmung) und die Psyche (Gedanken, Fantasie). Deshalb werden körperliche und geistige (mentale) Entspannungstechniken unterschieden. Bei den körperlichen Techniken wird zur Entspannung der betroffenen Muskeln aktiv mit der Muskulatur und Atemtechniken gearbeitet. Sie fördern zusätzlich die Eigenwahrnehmung des Körpers. Dabei kann auch die Atemmuskulatur miteinbezogen werden. Beispiele hierfür sind die Progressive Muskelrelaxation nach Jacobsen, Yoga, Qi Gong und Tai Chi Chuan. Bei den mentalen Entspannungstechniken wird mit den Gedanken gearbeitet. Aus der Konzentration auf eine Geschichte oder ein beruhigendes Bild resultiert dann auch eine körperliche Entspannung. Hierzu zählen Fantasiereisen, Autogenes Training und Meditation. Jedes Kind sollte „seine“ Entspannungstechnik finden, die zu ihm passt und bei der es am besten entspannen kann. Eines haben alle Entspannungstechniken gemeinsam: Sie helfen nur dann, wenn sie gut beherrscht und kontinuierlich geübt werden, denn dann können sie auch in „kritischen“ Momenten eingesetzt werden. Verschiedene Entspannungstechniken können in Kursen von Krankenkassen, Volkshochschulen, Vereinen u. ä. erlernt werden. Für Fantasiereisen gibt es für Kinder und Eltern sehr schöne Bücher mit kurzen Geschichten.

Auswirkungen auf den Körper und darüber hinaus

Die Wirkung der muskulären Entspannung führt zu einer Abnahme der Herzfrequenz, einer gleichmäßigen Atmung und einer Zunahme der Verdauung. Die Atemfrequenz verringert sich ebenso wie das Atemvolumen. Die Bauchatmung nimmt zu, die Brustatmung ab, insgesamt wird die Atmung gleichmäßiger mit längeren Pausen zwischen der Einund Ausatmung. Der Sauerstoffverbrauch nimmt ebenfalls ab, wobei die Sauerstoffversorgung der Gewebe zunimmt. Weiterhin hilft die Entspannung den betroffenen Kindern, physische und psychische Anspannung abzubauen, soziale Kompetenzen auszubauen und das Selbstbewusstsein zu steigern. Probieren Sie es zusammen mit Ihren Kindern aus!

Tipps für Ruhe und Entspannung bei Kindern

  • 1. Auf den Rahmen achten – wo stille Übungen durchgeführt werden, sollte eine angenehme Temperatur herrschen. Im Raum sollten sich nicht zu viele Ablenkungsmöglichkeiten befinden und er sollte teilweise verdunkelbar sein (Raum nicht vollständig abdunkeln). Angenehm zum Liegen ist ein dicker Teppichboden oder eine große Matte oder Decke.
  • 2. Ruhe ausstrahlen Die Übungen sollten durchgeführt werden, wenn man selbst auch ausreichend Ruhe findet und nicht hektisch oder abgehetzt ist.
  • 3. Regeln einführen Entspannungsübungen sollten möglichst ritualisiert werden, z. B. zweimal wöchentlich zu einem bestimmten Zeitpunkt durchführen (natürlich nur, wenn die anderen Kriterien dann erfüllt werden können). Kinder brauchen Zeit, sich an die Ruhe zu gewöhnen, anfangs sind sie oft verlegen und unsicher.
  • 4. Lernen, die Entspannung gezielt einzusetzen Wenn Kinder bereits gut zur Ruhe finden, kann ihnen vermittelt werden, die Konzentration gezielt bei einer Atemnot einzusetzen und nicht in Panik und Angst zu geraten.

Miriam Funk

18.06.06

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