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Inhalationssysteme für die Behandlung von Atemwegserkrankungen

Bei den chronischen Atemwegserkrankungen, z. B. beim Asthma bronchiale, bei der chronisch obstruktiven (einengenden) Bronchitis und beim Lungenemphysem (Überblähung der Lunge) werden die meisten Medikamente, die zur Behandlung der jeweiligen Erkrankung vom Arzt verordnet werden, von den Patienten eingeatmet.

Diese Art der „Einnahme“ des Medikaments hat den Vorteil, dass das Medikament nicht im gesamten Körper verteilt wird, sondern dass der Wirkstoff hauptsächlich dorthin gelangt, wo er auch gebraucht wird, nämlich in die Bronchien und in die Lunge. Diese Art der Einbringung des Wirkstoffs in das befallene Organ hat für die Patienten die äußerst positive Konsequenz, dass die Menge des Wirkstoffs sehr klein gehalten werden kann. Mögliche Nebenwirkungen werden daher von vornherein begrenzt. Was so einfach klingt, ist jedoch im Alltag der Patienten häufig mit Problemen verbunden.

Derzeit verfügbare Inhalationssysteme

Es gibt Pulverinhalatoren, durch Treibgas betriebene Dosieraerosole und mit Druckluft oder mit Ultraschall betriebene Vernebler. Die Vorteile der Düsen- und der Ultraschallvernebler bestehen darin, dass sie bei Kindern bis zum vierten Lebensjahr sowie bei Patienten eingesetzt werden können, bei denen wegen einer unzureichenden Einatmungsfähigkeit Pulverinhalatoren und Dosieraerosole nicht eingesetzt werden können. Vernebler eignen sich außerdem bei schwerwiegenden Verschlechterungen (Exazerbationen) und im akuten Atemnotanfall sowie zur Kombination von Wirkstoffen, die nicht in den anderen beiden Inhalationssystemen verfügbar sind.

Pulverinhalatoren und Dosieraerosole sind in den letzten Jahren hinsichtlich ihrer Anwendung in vielfältiger Weise verbessert worden. Ein komplett neu entwickeltes Inhalationssystem zeichnet sich z. B. durch eine besonders langsame Abgabe des Wirkstoffs aus, sodass dem Patienten deutlich mehr Zeit für die Koordination des Ein- und Ausatmungsmanövers und für die Inhalation bleibt.

Probleme im Umgang mit Pulverinhalatoren und Dosieraerosolen

Es stellt sich die Frage, ob die unzureichende Kontrolle der Symptome ihres Asthma bronchiale bei einer Vielzahl von Patienten dadurch bedingt sein könnte, dass sie mit dem verordneten Inhalationssystem nicht richtig umgehen können. Die für ADMIT (Aerosol Drug Management Improvement Team) tätigen Experten kamen nämlich bei der Auswertung der einschlägigen Literatur zu dem Ergebnis, dass etwa die Hälfte der Asthmatiker in Europa ihr jeweiliges Inhalationssystem nicht richtig handhaben kann.

Was muss also getan werden, um die „Fehlerquote“ von 50 % zu senken? Wo liegen die Ursachen dafür, dass nur etwa die Hälfte der Asthmatiker – und sicher auch viele Patienten mit einer COPD – von den Fortschritten der medikamentösen Therapie bei diesen Erkrankungen profitieren?1

Die folgenden Ausführungen gelten überwiegend für den Einsatz von Inhalationssystemen bei Jugendlichen und erwachsenen Patienten.

Bei der Auswahl des richtigen Inhalationssystems spielen drei Faktoren eine entscheidende Rolle:

  • das Inhalationssystem selbst
  • der das Inhalationssystem verordnende Arzt
  • der Patient, der mit dem Inhalationssystem „leben“ muss

Würden sämtliche in Deutschland verfügbaren Pulverinhalatoren und Dosieraerosole auf einem Tisch ausgebreitet, würden sicherlich nicht nur die Patienten von deren Vielfalt zunächst verwirrt werden. Doch dieser Eindruck täuscht, wenn man über Formen und Farben hinwegsieht, und die Systeme zunächst nach Pulverinhalatoren mit Einzeldosis- oder Mehrdosissystemen und nach Dosieraerosolen sortiert. Diese Kriterien machen das mutmaßliche „Chaos“ der Systeme transparent.

Die Vielfalt der verfügbaren Systeme bietet andererseits auch die Chance für den Patienten, das System zu finden, das zu ihm passt. Welches Gerät im Einzelfall das richtige ist, hängt von mehreren Faktoren ab – so z. B. davon

  • ob der Patient überhaupt noch bewusst inhalieren kann (spontane Atmung), z. B. bei einem akuten Atemnotanfall,
  • ob der Patient die Schritte bei der Bedienung des Inhalationssystems koordinieren kann,
  • ob der Patient einen für das vorgesehene System ausreichenden Einatmungsfluss erreicht.

Diese Punkte müssen vom Arzt bedacht werden, bevor er zum Rezeptformular greift. Wenn der Arzt glaubt, das für den Patienten passende System gefunden zu haben, muss dieser in der Praxis darüber informiert werden, mit welchem Atemmanöver (Atemgeschwindigkeit, -tiefe, Atemanhaltezeit, Ausatmen durch die Nase oder den Mund) er das Medikament einatmen muss. Diese Schulung ist unabdingbar, weil nur bei der richtigen Anwendung des Systems die erforderliche Wirkstoffmenge in die Bronchien und in die Lunge eingebracht wird.

Wegen dieses Schulungsbedarfs sollte der Arzt zum einen darauf achten, bei der Verordnung mehrerer Medikamente, z. B. eines langwirksamen bronchialerweiternden Mittels und eines rasch wirksamen bronchialerweiternden Mittels zur Verwendung bei einem akuten Atemnotanfal,l keine unterschiedlichen Inhalationssysteme zu verordnen. Hinzu kommt, dass eine einmalige Schulung nicht ausreicht, sondern bei späteren Arztbesuchen überprüft wird, ob der Patient sein System noch richtig nutzt. Das gilt vor allem auch dann, wenn sich z. B. ein bisher gut eingestelltes Asthma auf einmal ohne „erkennbaren“ Grund verschlechtert. Bevor Medikamente höher dosiert werden, sollte deshalb zunächst auch über einen Wechsel des Inhalationssystems nachgedacht werden.

Aus der Sicht der Patienten wäre es vor allem wünschenswert, ein Inhalationssystem einfach und schnell nutzen zu können, über ein Zählwerk zu erkennen, wie viele Dosen noch verfügbar sind und eine Rückmeldung darüber zu bekommen, ob die Inhalation erfolgreich war.

Wenn ein Patient Zweifel hat, ob er sein Inhalationssystem richtig anwendet, sollte er auch daran denken, dass er nicht nur seinen Arzt fragen kann. Eine wichtige Informationsquelle ist auch die dem jeweiligen Gerät beigefügte „Gebrauchsanweisung“, die man zuhause in aller Ruhe lesen kann. Außerdem besteht die Möglichkeit, das Personal der Apotheke, in der das Inhalationssystem bzw. das Medikament gekauft wird, um Rat und Hilfe zu bitten. Schließlich bieten auch die meisten Hersteller von Inhalationssystemen an, sich bei Fragen direkt, z. B. telefonisch oder per E-Mail, an sie zu wenden. Das teuerste Inhalationssystem ist das, das nicht richtig gehandhabt wird. Dem ist nichts hinzuzufügen!

Dr. rer. pol. Helmut Berck
Vorsitzender der
Patientenliga Atemwegserkrankungen e. V.

Literatur:

Empfehlungen für die Auswahl von Inhalationssystemen zur Medikamentenverabreichung, Pneumologie 2001; 55: 579–586 Georg Thieme Verlag Stuttgart, New York
Vortrag von Dr. Thomas Voshaar, Chefarzt der Medizinischen Klinik III am Krankenhaus Bethanien in Moers auf dem „Symposium Lunge 2007“ am 8.09.2007 in Hattingen/NRW

aus Allergikus 4/2007

17.12.07

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