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Interview zu dem Thema „Asthma und Sport“

29.04.08.

Foto: Asthma und Sport - geht das?

Foto: Shutterstock

Dr. med Andreas Hellmann/Sprecher Pneumologie im Berufsverband der Internisten Deutschlands

1) Die Zahl der Asthmapatienten steigt. Welche Ursachen führen zu Asthmaerkrankungen?

Dr. Hellmann: Die Zunahme der Asthmaerkrankungen ist wohl auf die starke Zunahme von Allergien zurück zu führen. Bleiben Allergien, die die Atemwege betreffen unbehandelt, kann sich daraus Asthma entwickeln. Häufige Allergien betreffen u.a. Hausstaubmilben. Aber auch eine Entzündung der Atemschleimhaut durch einen Infekt kann bei Nichtbehandlung zu Asthma führen.

2) Spielt hier auch die Umweltbelastung eine Rolle?

Dr. Hellmann: Sicher spielt auch das eine Rolle. Die Luftverschmutzung in den Städten zum Beispiel belastet die feinen Lungenbläschen des Menschen nachweislich. Vor allem die feinen Staubpartikel machen der Lunge zu schaffen.Lungenbelastungen lauern aber auch zuhause. So können unter anderem Hausstaub und Schimmelpilze etwa in Pflanzenerde Allergien auslösen. Häufig sind es die eigenen Haustiere gegen die man allergisch reagiert. Rauchen ist und bleibt eine der größten Gefährdungen für die Lunge.

3) Kann Asthma vererbt werden?

Dr. Hellmann: Asthma tritt in Familien gehäuft auf. Die Vererbung spielt aber bei der Allergie eine größere Rolle. Leiden die Eltern an Allergien, ist es wahrscheinlich, dass auch das Kind empfindlich gegenüber bestimmten Allergenen reagiert.

4) Kann man aktiv vorbeugen?

Dr. Hellmann: Mütter sollten ihre Kinder mindestens 6 Monate lang stillen. Dies ist für das Kind eine gute Voraussetzung später weniger an Allergien zu erkranken. Regel Nummer zwei: Nicht rauchen. Die übrige Prophylaxe ist wissenschaftlich noch ungesichert. Man nimmt jedoch an, das Schmutzpartikel (Toxine) das Entstehen von Asthma eher verhindern Übertriebene Reinlichkeit könnte somit eher Allergien fördern.

5) Früher hieß es bei Asthma: No Sports. Was hat sich heute geändert ?

Dr. Hellmann: Neueste Untersuchungen haben ergeben, dass regelmäßiger Sport die Lungenfunktion des Patienten deutlich steigern kann. Der Brustkorb wird beweglicher, die Atemreserve wird trainiert. Der Asthmatiker wird auf Dauer belastbarer. Große Sportler sind Asthmatiker: Sandra Völker und Jan Ullrich zeigen, das trotz Asthma sportliche Höchstleistungen möglich sind. Asthmapatienten können und sollen Sport treiben.

6) Was müssen Asthmapatienten beim Sport beachten?

Dr. Hellmann: Jede sportliche Aktivität sollte im Vorfeld mit einem Lungenfacharzt besprochen werden. Eine Untersuchung zeigt, wie belastbar Herz und Lunge sind. Auf Basis dieser Ergebnisse wird dann ein individueller Trainingsplan für den Patienten erarbeitet. Eine regelmäßige Überwachung und Kontrolle der Symptome sind wichtig. Der Sportler sollte immer sein Notfallspray dabei haben und sportliche Betätigung bei zu kalter Luft und Nebel vermeiden.

7) Kann Sport positive Auswirkungen auf das Krankheitsbild haben?

Dr. Hellmann: Ja. Gut trainiert kann man auch mit Asthma besser umgehen. Sport spielt bei der Behandlung von Asthma eine genauso große Rolle wie Medikamente. Gerade Kinder mit Asthma brauchen nicht nur frische Luft in ihrer Lunge, sondern auch eine kräftige Muskulatur und müssen beweglich sein.

8) Gibt es neue Therapieansätze in der Asthmabehandlung?

Dr. Hellmann: Die Therapie der Wahl ist die dauernde Behandlung mit inhalierbarem Cortison. Die Dosis wird an das Krankheitsgeschehen angepasst. In der Allergiebehandlung ist die spezifische Immunabwehr (Hyposensibilisierung) anzuraten, die inzwischen wesentlich einfacher und mit weniger Aufwand verabreicht werden können. In vielen Fällen ist auch eine sublinguale Behandlung sinnvoll.

9) Welche Medikamente werden eingesetzt?

Dr. Hellmann: Wichtig ist die Inhalation von Corticosteroiden als dauernde Behandlung der Schleimhautentzündung, die ein Symptom bei Asthmapatienten ist. Bronchialerweiternde Medikamente werden nur bei entsprechender bronchialer Verengung benötigt.

10) Welchen Arzt sollte man bei Asthmaverdacht aufsuchen?

Dr. Hellmann: Der Lungenfacharzt (Pneumologe) ist auf diese Erkrankungen spezialisiert und kann helfen. Unter der Internetseite www.pneumolgenverband.de können Patienten Pneumolgen in Ortsnähe finden.

11) Wie unterscheidet sich die Praxisarbeit des Pneumolgen von dem des Allgemeinarztes bzw. welche besondere Ausstattung steht einem Pneumologen zur Verfügung?

Dr. Hellmann: Der Lungenfacharzt besitzt in der Regel spezielle medizinische Geräte, mit denen die Erkrankungen sehr gut diagnostiziert werden können. So kann z .B. Asthma durch die pneumologische Lungenfunktion auch festgestellt werden, wenn keine Lungenfunktionsstörung vorliegt (Bronchiale Provokation). Dabei wird die entzündliche Empfindlichkeit der Schleimhaut gemessen und der Schweregrad abgeschätzt. Daraus kann dann eine angepasste Therapieentscheidung erfolgen.

Quelle: Pneumologenverband

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