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Beckenbodengymnastik bei Prostatakrebs

Lebensqualität durch Kontinenz wiedergewinnen

Die Behandlung von Blasenentleerungsstörungen und anderer Symptome, die nach einer Prostatektomie entstehen können, verspricht in den meisten Fällen Erfolg. Deswegen sollten sich betroffene Männer nicht scheuen, bei Kontinenzproblemen Physiotherapie in Anspruch zu nehmen.

Die Prostata liegt direkt unterhalb der Harnblase, weshalb es unvermeidlich ist, dass bei einer Prostatektomie auch ein Stück des Blasenhalses entfernt wird. Dadurch kommt es zu einer Schwachstelle im urologischen System des Betroffenen: Der innere Schließmuskel, der in diesem Stück liegt, wird meistens fast vollständig entfernt. Deshalb ist nach einer Prostataoperation der äußere Schließmuskel umso mehr gefordert. Ziel einer physiotherapeutischen Behandlung ist es, ihn so zu trainieren, dass er Kraft sparend und effektiv eingesetzt werden kann.

Dranginkontinenz

Die Dranginkontinenz, auch Urgeinkontinenz genannt, ist die häufigste Inkontinenzform beim Mann. Zwar kann es auch nach der Entfernung der Prostata zur Stressinkontinenz kommen, aber nur dann, wenn die Muskulatur rund um den Harnröhrenabschnitt und der äußere Schließmuskel im Beckenboden verletzt wurden, was jedoch in der Regel nicht der Fall ist.

Um eine Dranginkontinenz handelt es sich, wenn der Patient häufiger als achtmal pro Tag zur Toilette geht und einen nicht zu beherrschenden Harndrang verspürt, der dann auch häufig mit einer unkontrollierten Entleerung der Blase einhergeht. Dabei werden beim Toilettengang trotz des starken Harndranges meist nur geringe Harnmengen ausgeschieden.

Die physische Verfassung des Betroffenen ist nach einer Prostatektomie meist aufgrund der körperlichen Belastung durch die Krankheit und die erfolgte Operation verschlechtert. Noch im Krankenhaus, oder aber spätestens in der Reha sollte Physiotherapie erfolgen. Eine allgemeine Mobilisation und Kräftigung ist in jedem Falle sinnvoll. Daneben können Entspannungstechniken erlernt werden, die sich physisch und psychisch positiv auswirken.

Beckenbodentraining bei Männern

Im Vordergrund der Behandlung steht jedoch das Beckenbodentraining. Die betroffenen Männer haben anfangs oft Probleme, da Inkontinenz nach landläufiger Meinung eher als „Frauenproblem“ gesehen wird. Die meisten Männer müssen deshalb zuerst einmal lernen, ihren Beckenboden wahrzunehmen. Dies ist in dieser Situation umso schwerer, da aufgrund der Operation Muskeln und Nervenstränge verletzt sein können und die Wahrnehmung im betroffenen Gebiet dadurch erschwert ist. Deshalb wird durch den Physiotherapeuten oder die Physiotherapeutin zuerst einmal ein Wissen über die Lage und Funktion der Beckenbodenmuskulatur vermittelt. Durch gezielte Übungen werden diese Muskeln dann wieder aktiviert und aufgebaut. Außerdem lösen sich Verspannungen und Missempfindungen im Bereich von Blase und Mastdarm. Zusätzlich wird die Durchblutung im betroffenen Gebiet gefördert und die Regulierung durch das Lymphsystem beschleunigt. Ein wichtiger Effekt der Physiotherapie ist auch, dass die Betroffenen lernen, mit ihrem Problem umzugehen und darüber zu sprechen. Auch der Physiotherapeut oder die Physiotherapeutin ist schließlich erst einmal ein Fremder, dem man seine Probleme schildern muss. Mit der Zeit stellt sich meist ein entspannterer Umgang mit dem Problem Inkontinenz ein und oft lösen sich dann auch Folgeprobleme, wie z. B. sexuelle Störungen. Patienten, denen die Behandlung von einer Frau in dieser Situation unangenehm ist, können bei der Anmeldung durchaus ihren Wunsch nach einem Therapeuten äußern.

Prognose und Dauer der Behandlung

In der Regel geht diese Form der Blasenschwäche innerhalb von sechs bis zwölf Monaten postoperativ wieder zurück, die meisten Patienten sind schon ein Vierteljahr nach der Operation überwiegend kontinent. Allerdings ist es hier wie bei jedem anderen Muskeltraining: Nur dauerhaftes Üben bringt dauerhaften Erfolg. Auch wenn die Problematik behoben oder verbessert ist, sollten die Übungen kontinuierlich weitergeführt werden. Der Trainingseffekt hält sonst nicht ein Leben lang an. Regelmäßige Bewegung, wie z. B. Wandern oder andere Sportarten, wirkt sich insgesamt entspannend auf die Muskulatur von Blasenhals und Prostata aus, langes Sitzen sollte vermieden werden. Sind die Beschwerden länger als ein Jahr nach der Operation noch vorhanden, sollten auch invasive Behandlungsmethoden in Betracht gezogen werden. In den meisten Fällen können die Beschwerden jedoch durch Beckenbodentraining deutlich verbessert werden und der Patient gewinnt ein wichtiges Stück Lebensqualität und -freude zurück.

Verordnung und Suche einer geeigneten Physiotherapiepraxis

Zur Physiotherapie benötigt man eine Verordnung durch den Arzt. Nach Möglichkeit sollten zwei Behandlungen pro Woche erfolgen. Um einen geeigneten Physiotherapeut bzw. eine geeignete Physiotherapeutin in der näheren Umgebung zu finden, kann der Arzt befragt, in den Gelben Seiten oder auf verschiedenen Internetseiten anhand der Postleitzahl gesucht werden. Wenn Unsicherheiten bestehen, kann man sich zunächst auch telefonisch in einer Praxis für Physiotherapie erkundigen, ob Behandlungen in diesem Bereich durchgeführt werden. Eine gute Praxis gibt gerne Auskunft und hilft weiter.

Miriam Funk

17.02.17

Inkontinenz nach Prostatakrebs
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