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Magen-, Darm- und Blasenprobleme: Begleitsymptome der MS

Störungen des Verdauungssystems und der Harnblasenentleerung gehören zu den häufigsten Beschwerden, die mit der MS einhergehen. Die Ursache sind häufig Nervenschädigungen durch die Krankheit, doch können auch Medikamente Magen-Darm-Probleme verursachen. In manchen Fällen liegen den Beschwerden andere Ursachen als die MS zugrunde, z. B. kann Harninkontinenz, also unwillkürlicher Urinabgang, u. a. durch eine Beckenbodenschwäche hervorgerufen werden.

Menschen mit MS, bei denen Probleme mit Magen, Darm oder Harnblase auftreten, sollten möglichst rasch zu ihrem Arzt gehen, denn in einem frühen Stadium fällt es oft leichter, die Beschwerden zu behandeln. Hinzukommt, dass die Betroffenen selbst aktiv werden können, um einer Verschlimmerung vorzubeugen. Gezieltes Beckenbodentraining z. B. kann dazu beitragen, unwillkürlichen Harnabgang zu verhindern oder einzudämmen.

Ursachen ermitteln

Nicht in allen Fällen von Magen-, Darm- oder Blasenproblemen ist die MS der Auslöser. So werden z. B. Übelkeit, Erbrechen und Durchfall häufiger durch andere Erkrankungen (z. B. Infekte) ausgelöst als durch die MS selbst. Arzneimittel, die bei MS eingenommen werden, können sich u. U. ebenfalls auf den Verdauungstrakt auswirken. Verstopfung hingegen kann beispielsweise auch durch zu wenig Bewegung oder eine zu geringe Trinkmenge hervorgerufen werden. Natürlich muss der Arzt immer die MS als Auslöser im Blick haben, doch sollten andere Ursachen nicht von vornherein ausgeschlossen werden.

Daher braucht der Arzt bei Magen-, Darm- oder Harnblasenbeschwerden Ihre aktive Mithilfe. Schreiben Sie am besten schon vor dem Arztbesuch auf, zu welchen Zeiten die Probleme auftreten, in welchen Situationen sie am stärksten sind, was Sie zuvor gegessen oder getrunken haben und wie oft und stark Sie unter den Beschwerden leiden. Dann kann sich der Arzt bereits ein vorläufiges Bild machen und die Ursache vielleicht eingrenzen.

Die neurogene Blase und was man dagegen tun kann

Blasenentleerungsstörungen wie Harninkontinenz oder auch Harnverhalt, die durch Nervenschädigungen ausgelöst werden, werden auch als neurogene Blasenentleerungsstörungen oder kurz neurogene Blase bezeichnet. Denn die Harnblasenfunktion wird durch zahlreiche Nerven gesteuert und kann durch die MS in Mitleidenschaft gezogen werden. Bislang ist es noch nicht möglich, die Nervenfunktion zu regenerieren, doch es gibt zahlreiche Möglichkeiten, Blasenentleerungsstörungen in den Griff zu bekommen.

  • Toilettentraining: Das Toilettentraining kann helfen, ständigen Harndrang in den Griff zu bekommen. Mithilfe eines vom Betroffenen geführten Toilettentagebuchs, besser bekannt unter dem Begriff Miktionstagebuch, in das jeder Toilettengang eingetragen wird, können Patienten unter ärztlicher Anleitung versuchen, den Toilettengang immer ein klein wenig weiter hinauszuzögern. Ziel ist es, die Blase daran zu gewöhnen, dass sie i. d. R. zu bestimmten Zeiten entleert wird. Allerdings sollte der Harndrang nicht über einen zu langen Zeitraum unterdrückt werden, weshalb die Anleitung durch den Arzt wichtig ist.
  • Beckenbodentraining: Eine gezielte Stärkung der Beckenbodenmuskulatur kann z. T. unwillkürlichen Harnabgang verhindern. Beckenbodengymnastik sollte unter Anleitung geschulter Physiotherapeuten erlernt werden.
  • Intermittierender Katheterismus: Mithilfe des sog. intermittierenden Katheterismus kann die Harnblase zu festgelegten Zeiten vollständig entleert werden. Diese Methode, bei der ein Einmalkatheter über die Harnröhre in die Blase vorgeschoben wird, sodass sie sich über den Katheter entleert, ist vor allem sinnvoll, wenn nach der Blasenentleerung sog. Restharn in der Harnblase verbleibt. Sie kann jedoch auch bei Harninkontinenz eingesetzt werden. Der Einmalkatheterismus kann unter Anleitung erlernt werden, der Katheter wird nach der Harnblasenentleerung wieder entfernt. Wichtig ist, die vorgeschriebenen Hygienemaßnahmen genau zu beachten, damit keine Krankheitserreger über den Katheter in die Harnblase gelangen.
  • Medikamente: Gegen eine überaktive Blase kann der Arzt z. B. ein Anticholinergikum verordnen, das den Drang der Harnblasenmuskulatur dämpft, sich zusammenzuziehen. Kann die Blase sich nicht vollständig entleeren, kommen Medikamente zum Einsatz, die den Schließmuskel der Blase entspannen.
  • Botulinumtoxin: Gegen häufigen Harndrang und Inkontinenz kann der Arzt Botulinumtoxin in die Harnblasenmuskulatur spritzen, das die Tätigkeit der Muskulatur dämpft. Botulinumtoxin kommt i. d. R. nur zum Einsatz, wenn andere Mittel nicht helfen.
  • Dauerkatheter: Ein Dauerkatheter (durch die Harnröhre oder die Bauchdecke) wird i. d. R. gelegt, wenn es keine andere Möglichkeit der Behandlung gibt.
  • Blasenschrittmacher: In bestimmten Fällen kann auch ein sog. Blasenschrittmacher die Harnblasenentleerung steuern.
  • Hilfsmittel: Daneben gibt es Hilfsmittel, die den Urin auffangen (Vorlagen, spezielle Slips, Kondomurinale).

Die Restharnbestimmung

Bei Blasenentleerungsstörungen, die mit einer überaktiven, also sich häufig oder unwillkürlich entleerenden Harnblase einhergehen können, bleibt oft eine gewisse Menge Harn in der Harnblase. Dieser ist ein ideales Milieu für Bakterien, die durch die Harnröhre in die Blase gelangen. Vermehren sie sich, rufen sie leicht Harnblasenentzündungen hervor. Außerdem können sie durch die Harnleiter zu den Nieren hinaufwandern und dort eine Nierenbecken- oder eine Nierenentzündung hervorrufen. Einmal jährlich sollten daher alle MS-Patienten mithilfe einer Ultraschalluntersuchung prüfen lassen, ob sich in ihrer Blase Restharn ansammelt, unabhängig übrigens davon, ob bereits Blasenfunktionsstörungen vorliegen. Das empfiehlt die MS Therapie Konsensusgruppe der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG).

Hilfe bei Darmentleerungsstörungen

Bei manchen Menschen führt die MS zu Verstopfung, u. U. kann sie aber auch einen ungewollten Stuhlabgang bewirken, weil der Schließmuskel aufgrund von Nervenstörungen seine Funktion nicht mehr vollständig erfüllt. Gegen Verstopfung helfen vor allem Bewegung (bei Menschen mit Bewegungseinschränkungen z. B. Physiotherapie), eine Erhöhung der Trinkmenge sowie eine ausgewogene Ernährung mit ausreichend Ballaststoffen. Sollten diese Maßnahmen nicht ausreichen, sind die Einnahme von Abführmitteln und das Abführen mittels eines Klistiers sinnvoll.

Bei Stuhlinkontinenz sollten Betroffene darauf achten, möglichst keine Speisen zu sich zu nehmen, die die Darmtätigkeit zu sehr anregen oder Blähungen hervorrufen. Damit es nicht zu einem ungewollten Stuhlabgang kommt, ist das gezielte Abführen sinnvoll, z. B. mit der sog. transanalen Irrigation, bei der durch einen Katheter Wasser in den Darm geleitet wird. Nach einer kurzen Wartezeit kommt es dann zum Stuhldrang und zur vollständigen Entleerung des Darms.

Quelle: Befund MS 3/2014

18.03.15

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