- Anzeige -
Curado.de Logo

Sie sind hier: Startseite - Krankheiten - Neurologie - Multiple Sklerose - Ich habe Multiple Sklerose - Was tun bei Beschwerden von Magen, Darm und Blase?

Was tun bei Beschwerden von Magen, Darm und Blase?

An der Entleerung von Harnblase und Darm sind zahlreiche Nerven beteiligt. So befinden sich z. B. in der Harnblase zahlreiche Rezeptoren, die Informationen über Dehnung und Füllungsstand der Blase über die Nerven des Rückenmarks ans Gehirn weiterleiten. Außerdem reguliert eine spezielle Region im Rückenmark, das sakralspinale Zentrum, den Verschluss des inneren Schließmuskels der Harnblase. Der äußere Schließmuskel der Harnblase wird vom Gehirn gesteuert und kann – im Gegensatz zum inneren Schließmuskel – willentlich geöffnet oder verschlossen werden. Ist die Kommunikation zwischen Harnblase, Rückenmark und Gehirn gestört, z. B. aufgrund von MS-bedingten Läsionen im Zentralnervensystem, kann es zu Blasenproblemen kommen. Das Gleiche gilt für Darmbeschwerden.

Die MS kann auch verantwortlich für Probleme mit dem Magen sein. Allerdings sind Nervenschädigungen seltener die Ursache für Magenbeschwerden – häufiger schlägt Stress auf den Magen. Auch Nebenwirkungen der MS-Medikamente können die Magengesundheit beeinträchtigen. Da aber nicht in jedem Fall die MS und ihre Begleiterscheinungen Auslöser der Beschwerden von Magen, Darm und Blase sind, sondern auch andere Faktoren und Erkrankungen (z. B. eine Magenschleimhautentzündung, eine schlaffe Beckenbodenmuskulatur oder zu wenig Bewegung) ursächlich sein können, muss jeder Therapie eine gründliche ärztliche Untersuchung vorausgehen, um den/die Auslöser der Beschwerden zu ermitteln.

Der Magen – ein empfindliches Organ

Im Magen- und Darmtrakt befinden sich zahlreiche Nervenzellen, die weitgehend selbstständig die Funktion des Verdauungstrakts steuern, z. B. indem sie die Ausschüttung von Magensäure anregen oder die Bewegungen von Magen und Darm regulieren. In Stresssituationen ausgeschüttete Hormone sorgen jedoch dafür, dass der Verdauungstrakt seine Arbeit herunterfährt. Der Grund: In belastenden Situationen benötigt der Körper seine Energie für die Reaktion auf den Stressauslöser, nicht für die Verdauung. Darauf wiederum reagiert der Verdauungstrakt in manchen Fällen mit Magenschmerzen oder Übelkeit. Steht der Körper nun längere Zeit unter Stress kann es sich in anhaltenden Magenbeschwerden niederschlagen. Zu den Symptomen gehören vor allem Drücken und Schmerzen im oberen Bauchbereich, Übelkeit bis hin zum Erbrechen und Völlegefühl sowie Sodbrennen.

Aber auch Medikamente, vor allem während eines akuten MS-Schubs können Magenprobleme nach sich ziehen. Deshalb ist z. B. so wichtig, während der Schubtherapie zusätzlich Arzneimittel zu nehmen, die die Magensäureproduktion verringern. Dennoch sind Magenbeschwerden auch dann nicht ganz auszuschließen. Betroffene sollten in jedem Fall Ihren Arzt über Ihre Beschwerden informieren. Denn auch eine Erkrankung (z. B. ein Magengeschwür) kann die Magenprobleme hervorrufen,

Ist Stress die vermutete Ursache für Magenbeschwerden, können Betroffene selbst einiges tun, um dagegen anzugehen. Unternehmen Sie vermehrt Dinge, die Ihnen guttun und bei denen Sie sich entspannen können. Sport, nette Gespräche, Aufenthalte in der Natur, Yoga und andere Entspannungsmethoden – all das kann helfen, um den Stress und dadurch ausgelöste Magenbeschwerden zu reduzieren. Während eines akuten Schubs sind viele der genannten Dinge nicht möglich.

Blasenprobleme – oft eine Folge der MS

Im Gegensatz zu Magenbeschwerden sind Harnblasenfunktionsstörungen häufig auf die MS zurückzuführen. Dem Deutschen MS-Register zufolge sind bis zu 80 % der Menschen mit MS im Verlauf ihrer Krankheit davon betroffen. Viele haben Probleme mit übermäßigem Harndrang und/oder unwillkürlichem Harnabgang, andere mit einer unzureichenden Entleerung der Blase. Doch unabhängig davon, um welche Funktionsstörung es sich handelt, den Betroffenen gemein ist, dass es ihnen unangenehm ist. Aus Scham verschweigen es manche ihrem Arzt oder wagen sich nicht mehr unter Leute. Dabei gilt, je eher man etwas gegen die Funktionsstörung unternimmt, umso besser bekommt man das Problem i. d. R. in den Griff. Aber auch für Menschen, die aufgrund neurologischer Probleme ihren Harn überhaupt nicht mehr zurückhalten können, gibt es Lösungen, sodass sie ihr bisheriges Leben oft ohne größere Beschränkungen weiterleben können.

Bevor eine Behandlung eingeleitet wird, muss ärztlich festgestellt werden, was für eine Funktionsstörung vorliegt. Die Mediziner unterscheiden zwischen verschiedenen neurogenen (nervenbedingten) Blasenstörungen:

  • Reiz- oder überaktive Blase: Hier bekommt die Harnblase vom Gehirn den Befehl zur Entleerung, selbst bei nur geringer Füllung. Die Folge: Die Betroffenen suchen sehr häufig die Toilette auf, weil der Harndrang so stark ist. Manchmal schaffen sie es nicht, den Harn noch länger zu halten. Einige trauen sich deshalb kaum noch aus dem Haus oder überlegen sich zumindest vorher, wo in der näheren Umgebung Toiletten zu finden sind. Auch eine Reflexinkontinenz, eine reflexhafte, nicht beeinflussbare Entleerung der Blase, kann bei MS vorkommen.
  • Blasenentleerungsstörung: Bei Blasenentleerungsstörungen können ebenfalls starker Harndrang und unwillkürlicher Harnabgang auftreten, charakteristisch für sie ist, dass auch nach dem Toilettengang stets ein gewisser Rest Urin in der Blase zurückbleibt, der sog. Restharn. In diesem finden Bakterien, die durch die Harnröhre in die Blase gewandert sind, eine ideale Brutstätte. Gelangen die Krankheitserreger dann über die Harnleiter zu den Nieren, können Nierenbecken- und Nierenentzündungen die Folge sein.
  • „schlaffe Blase“: Bei der sog. schlaffen Blase ist die Harnblasenwand zu wenig gespannt, was zur Folge hat, dass die Rezeptoren in der Blasenwand die Füllung der Harnblase nicht mehr richtig wahrnehmen. Selbst bei voller Blase kommt es u. U. nicht zu Harndrang. Das wiederum kann zu unkontrolliertem Harnabgang führen – die Blase läuft förmlich über. Nierenbecken- und Nierenentzündungen sind bei unbehandelter schlaffer Blase häufig.

Um welche Harnblasenstörung es sich handelt, stellt i. d. R. ein Urologe oder ein Neuro-Urologe fest. Letzterer ist Experte für neurogene Blasenfunktionsstörungen.

Die Behandlung einer Blasenfunktionsstörung erfordert die aktive Mitarbeit des Betroffenen. So ist es zunächst sinnvoll, ein Toilettentagebuch zu führen, in dem Toilettengänge notiert werden. Auch wie viel Harn ungefähr ausgeschieden wurde wie stark der Harndrang empfunden wurde werden eingetragen. Außerdem sollte jeder unwillkürliche Harnabgang dokumentiert werden, ebenso bei welcher Tätigkeit es dazu gekommen ist, denn Erschütterungen der Blase, z. B. beim Laufen, können zu Inkontinenzvorfällen führen. Ebenfalls notiert werden sollte, was im Laufe des Tages gegessen und wie viel getrunken wurde. Diese Informationen geben u. U. Aufschluss über besonders harntreibende Lebensmittel und Getränke.

Bei einer überaktiven Blase empfiehlt die Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG) die Einnahme von Medikamenten, die die Aktivität der Blasenmuskulatur dämpfen sowie ein Toiletten- und Beckenbodentraining. Unter Toilettentraining versteht man u. a., dass aktiv versucht wird, die Intervalle zwischen den Toilettengängen zu verlängern, um Ihre Blase an eine weniger häufige Entleerung zu gewöhnen. Auch die Haltung bei der Blasenentleerung muss eventuell angepasst werden – am besten entleert sich die Blase im aufrechten Sitzen. Der Beckenboden – und damit auch die Funktion des Harnblasenschließmuskels – wird am besten zunächst unter Anleitung eines darauf spezialisierten Physiotherapeuten trainiert. Anschließend können die Übungen zuhause durchgeführt werden.

Falls diese Maßnahmen nicht helfen, gibt es die Möglichkeit, Botulinumtoxin direkt in die Blase zu injizieren, um die Aktivität der Blasenmuskulatur für die Dauer von sechs bis zwölf Monaten zu dämpfen. Ist die Blasenentleerung trotz überaktiver Blase schwierig, weil es Probleme mit dem Kontraktionsverhalten der Blasenmuskulatur und dem Öffnen des Schließmuskels gibt, empfiehlt die DMSG ebenfalls, die überaktive Blasenmuskulatur durch Medikamente zu dämpfen und den Harn durch Einmalkatheterisierung abzuleiten.

Weiterhin gibt es vor allem bei Restharnbildung, schlaffer Blase und Reflexinkontinenz die Möglichkeit des intermittierenden Katheterismus. Darunter versteht man die in regelmäßigen Abständen erfolgende Ableitung von Urin durch einen Katheter. Den Katheter kann man sich selbst legen. Operationen oder die Legung eines Dauerkatheters werden in Erwägung gezogen, wenn keine andere Behandlung greift. Zudem stehen Hilfsmittel wie Vorlagen und spezielle Unterwäsche zur Verfügung. Für Männer gibt es auch sog. Kondomurinale, über die der Urin in einen kleinen, unter der Wäsche verborgenen Beutel geleitet wird, für Frauen stehen Harnröhrenstöpsel zur Verfügung, die die Harnröhre verschließen.

Wenn der Darm Probleme macht

Die häufigste Darmstörung bei MS ist die Verstopfung, seltener ist die Stuhlinkontinenz, z. B. infolge mangelnder nervlicher Versorgung des Schließmuskels. Von einer Verstopfung spricht man bei einem Stuhlgang, der seltener als zweimal wöchentlich erfolgt. Mit ihr gehen oft weitere Beschwerden wie Blähungen und Bauchschmerzen einher.

Verstopfung kann eine Folge der MS sein, muss es aber nicht. Weitaus häufigere Gründe für eine Verstopfung sind zu wenig Bewegung, eine ballaststoffarme Ernährung und eine zu geringe Flüssigkeitsaufnahme. Der behandelnde Arzt wird daher – sollten keine weiteren gesundheitlichen Probleme dagegen sprechen – i. d. R. zunächst mehr Bewegung, eine Umstellung der Ernährungs- und Trinkgewohnheiten sowie eventuell Darmmassagen empfehlen, um die Darmbewegung anzuregen.

Auch die Gabe von Abführmitteln ist empfehlenswert. Glyzerinzäpfchen oder Klistiere (Einlauf) können ebenfalls Abhilfe schaffen. Falls die Verstopfung durch einen sich verkrampfenden Schließmuskel hervorgerufen wird, wobei die Verkrampfung eine Folge der MS ist, kann u. U. die Injektion von Botulinumtoxin helfen.

Bei Stuhlinkontinenz ist es ratsam, die Darmentleerung durch die regelmäßige Benutzung von Klistieren selbst gezielt herbeizuführen. Betroffene sollten täglich zur gleichen Zeit abführen, um den Darm an eine gewisse Regelmäßigkeit zu gewöhnen. Eventuell kann durch ein solches Toilettentraining der Darm nach einer Weile wieder eigenständig entleert und ein unwillkürlicher Stuhlabgang verhindert werden. Zusätzlich können Betroffene ihren Beckenboden trainieren, um den Stuhl zurückzuhalten. Zur Sicherheit sollten zudem Hilfsmittel verwendet werden wie einen Analtampon, fürs Schwimmen einen Analstöpsel. Wichtig ist, dass bei Stuhlinkontinenz die Ernährung angepasst wird, sodass der Stuhl weder zu hart noch zu dünnflüssig wird, und Ihre Haut im Analbereich gut pflegen, um Entzündungen zu vermeiden.

Quelle: Befund MS 01/2014

15.05.14

Ich habe Multiple Sklerose
Newsletter An-/Abmeldung

Code: TQVZ