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Forscher entdecken Biomarker für Gehirnentzündungen bei MS-Patienten

Natalizumab ist ein Wirkstoff zur Behandlung der Multiplen Sklerose. Bei Langzeitbehandlung kann es in seltenen Fällen zu einer schweren Nebenwirkung – einer virusvermittelten Gehirnentzündung – kommen. Forscher der Universität Münster haben nun in einer Studie des Krankheitsbezogenen Kompetenznetzes Multiple Sklerose (KKNMS) herausgefunden, worin die Anfälligkeit der Betroffenen begründet ist. Dadurch ist für jeden Patienten eine individuelle Risikoabschätzung möglich.

Nach der Studie, veröffentlicht in der Fachzeitschrift Neurology, macht ein Adhäsionsmolekül namens L-Selectin den Unterschied aus: Patienten, die eine Progressive multifokale Leukoenzephalopathie (PML) entwickeln, fehlt dieses auf der Oberfläche bestimmter Immunzellen zu findende Molekül. Es ist u. a. wichtig für die ersten Schritte, mit denen das Immunsystem auf Krankheitserreger reagiert. Mit der Entdeckung dieses Biomarkers bekommen Ärzte eine wesentlich genauere Methodik für Prognosen in die Hand, informiert das KKNMS. Denn bislang ließ sich nur statistisch bestimmen, ob ein MS-Patient mit eher hoher oder geringer Wahrscheinlichkeit im Laufe der Langzeitbehandlung mit Natalizumab an einer PML erkranken wird.

Bisherige Methoden unzureichend

Als Risikoparameter dienten bislang die Vorbehandlung mit Immunsuppressiva und das Vorhandensein von Antikörpern gegen das Virus, das die gefährliche PML verursacht (JC-Virus). Allerdings: Nicht alle Patienten der Hochrisikogruppe sind gleichermaßen gefährdet: 1 % von ihnen entwickelt die virusvermittelte Gehirnentzündung. Beim Großteil hingegen wurde womöglich eine hochwirksame Therapie zu Unrecht abgesetzt.

Für ihre Studie testeten Wissenschaftler von Universitätsklinika und Krankenhäusern mehr als 300 Patienten aus Europa und den USA. In Münster erfolgte dann die Untersuchung der Blutproben mithilfe immunologischer Methoden. Der neue Test macht es möglich, jedem Patienten individuell mitzuteilen, ob er Gefahr läuft, an einer PML zu erkranken oder nicht. Wird L-Selektin nachgewiesen, würde dem Patienten ein geringes Risiko attestiert, fehlt hingegen das Molekül, ist das Risiko hoch.

Individuelle Therapieentscheidungen möglich

Zwar kann ein negatives Ergebnis – also der Nachweis von L-Selektin – bislang das Risiko, eine PML zu entwickeln, nicht komplett ausschließen. „Doch der Test ist ein erster Schritt auf dem Weg, individuelle Therapieempfehlungen für die Natalizumab-Behandlung auszusprechen“, sagt Univ.-Prof. Dr. med. Heinz Wiendl, Universitätsklinikum Münster und Vorstandsmitglied des KKNMS. Seine Arbeitsgruppe hat das Adhäsionsmolekül L-Selektin als Biomarker entdeckt und den Test maßgeblich entworfen.

Quelle: Befund MS 03/2013

10.04.14

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