
Blasenkrebs ist eine Tumorerkrankung an der Harnblase. Die auch Harnblasenkrebs oder Harnblasenkarzinom genannte Erkrankung ist eine der selteneren Krebsarten. Jährlich erkranken in Deutschland geschätzte 25.000 – 30.000 Menschen neu, in der Regel im Alter ab 60 Jahre. Männer erkranken mehr als doppelt so häufig wie Frauen. Bei einer frühen Erkennung sind die Heilungschancen gut.
Die Blase gehört zum System der ableitenden Harnwege (Urogenitaltrakt) und sorgt für die Sammlung des Urins bis zur Ausscheidung über die Harnröhre. Die Blase liegt innerhalb des sogenannten kleinen Beckens und ist ein dehnbares Hohlorgan, das je nach Menge des darin befindlichen Urins wächst und schrumpft. Die Blase besteht aus Blasenkörper, Blasenscheitel und Blasenboden und kann bei erwachsenen Menschen bis zu einem Liter Urin fassen. Harndrang tritt bereits ab einem Inhalt von 300 ml auf.
Ein Blasentumor entwickelt sich in der Regel aus speziellen Schleimhautzellen, sogenannten Übergangszellen (Urothel), in der Harnblase, die sich zu einem Übergangszellkarzinom (Urothelkarzinom) entwickeln können. Diese Schleimhautzellen kleiden die Blase von innen aus und schützen sie vor dem Urin. Seltener entwickelt sich der Tumor aus Drüsenzellen oder Gewebezellen.
Blasenkrebs kann gleichzeitig an verschiedenen Stellen innerhalb der Blase auftreten. Man unterscheidet zwei Formen des Harnblasenkarzinoms: Der meist gutartige oberflächliche Blasenkrebs, der 75 % aller Diagnosen bei der ersten Untersuchung ausmacht, kann in der Regel im Rahmen einer Blasenspiegelung behandelt werden. Daneben kommt der einwachsende (infiltrierende) Blasenkrebs vor. Bei dieser zweiten, fortgeschrittenen Form des Tumors erreicht dieser die unter den Übergangszellen gelegene Muskelschicht der Harnblase und kann sich auf die anliegenden Organe wie Prostata oder Gebärmutter ausbreiten. Bei infiltrierendem Blasenkrebs kann die vollständige Entfernung der Blase notwendig sein.
Symptome, die auf Harnblasenkrebs hindeuten können, sind Blut im Urin und Schmerzen beim Wasserlassen. Bei der Feststellung dieser Anzeichen sollte ein Arzt zur Abklärung der Symptome aufgesucht werden, besonders weil die Erkrankung oft lange keine Symptome zeigt. Die Diagnose findet in der Regel mittels Blasenspiegelung und Gewebeentnahmen (Biopsien) statt. Weitere Verfahren sind Röntgen, Computertomographie und Kernspinuntersuchung.
Harnblasenkrebs macht etwa 3 % aller Krebserkrankungen aus. Das Durchschnittsalter der Erkrankten liegt bei Männern etwa bei 70, bei Frauen bei 74 Jahren. Bei Männern ist das Blasenkarzinom nach Lungen-, Prostata- und Darmkrebs die vierthäufigste, bei Frauen die zehnthäufigste Krebserkrankung. In Industrieländern tritt Blasenkrebs häufiger auf als in Entwicklungsländern.
Der größte Risikofaktor für die Erkrankung an Blasenkrebs ist das Rauchen von Zigaretten. Auch Passivrauchen trägt zum Risiko bei. Raucher haben je nach Häufigkeit und Dauer des Tabakkonsums ein zwei- bis sechsfaches Risiko, an Blasenkrebs zu erkranken. Daneben herrscht ein Zusammenhang zwischen der Tumorbildung und dem Kontakt mit bestimmten krebserregenden chemischen Stoffen, sogenannten aromatischen Aminen, denen berufsbedingt beispielsweise Zahntechniker oder Friseure ausgesetzt sind. Bereits seit Anfang des 20. Jahrhunderts gilt Blasenkrebs durch den Kontakt mit aromatischen Aminen – damit der am längsten bekannte Risikofaktor – als Berufskrankheit und hat in der Häufigkeit seitdem zugenommen.
Auch genetische Ursachen, Bestrahlungsbehandlungen und der Gebrauch bestimmter Medikamente können Blasenkrebs bedingen. Der Konsum bestimmter Lebensmittel wird als Ursache für Blasenkrebs noch untersucht. Eine weitere Beziehung konnte zwischen dem chronischen Auftreten von Blasenentzündung (Zystitis) und der Tumorentstehung festgestellt werden, was für eine unmittelbare Behandlung von Blasenentzündung spricht. In einigen Teilen der Welt sind auch durch Parasiten verursachte Infektionen eine Ursache für Blasenkrebs.
Je nachdem wie weit die Tumorentwicklung fortgeschritten ist, werden unterschiedliche Therapiemethoden an-gewandt, die von der Zerstörung des Tumors über Chemotherapie bis zur vollständigen Entfernung der Blase reichen. Muss die Blase entfernt werden, stehen verschiedene Methoden zur alternativen Harnableitung zur Ver-fügung.
Früh erkannt sind die Heilungschancen eines Harnblasenkarzinoms gut. Mit fortgeschrittenem Tumorwachstum sinkt die Überlebensrate. Die Wahrscheinlichkeit für das wiederholte Auftreten des Tumors kann von der Be-handlungsmethode abhängig sein und ist hoch. Eine regelmäßige Nachkontrolle ist daher wichtig. Ein ent-scheidender Faktor für die Prognose von Blasenkrebs ist auch die eventuelle Streuung des Krebses in andere Organe.
Vorbeugen
Die wichtigste Maßnahme, um Blasenkrebs vorzubeugen, ist die Aufgabe des Tabakkonsums. Bei beruflichem Kontakt mit aromatischen Aminen sollte ein ausreichender Schutz vorhanden sein. Die wirksame Therapie einer chronischen Blasenentzündung ist wichtig, um die Zystitis als Risikofaktor für Blasenkrebs auszuschließen. Eine zunächst vierteljährlich sinnvolle Nachuntersuchung soll den nicht unwahrscheinlichen Fall des erneuten Auf-tretens eines Tumors frühzeitig genug erkennen lassen, um geeignete Therapiemaßnahmen einleiten zu können.
Barbara Kliem
26.03.10