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Brustkrebs: Die Angst vor dem Rezidiv

Vor zwölf Jahren erhielt Nicola Nordenbruch die Diagnose Brustkrebs. Die Phase der engmaschigen Nachsorgen ist längst vorbei. Dennoch ist sie da: die Angst vor dem Rückfall.

Und aus ihrer ehrenamtlichen Arbeit mit an Krebs erkrankten Frauen weiß Nicola Nordenbruch, die Gründerin von Amor statt Tumor, dass die meisten Patientinnen die Angst vor dem Rückfall ein Leben lang begleitet. „Manchmal bin auch ich sehr beunruhigt, wenn irgendwelche Beschwerden auftreten, die ich dann schnell abklären lasse, bevor ich mich in etwas hineinsteigere.“ Mit ihrer Angst geht die 57-Jährige offen um und sagt: „Verdrängung ist für mich keine Lösung. Ich versuche mich darauf einzustellen, dass eben nicht immer alles glatt läuft und es leider keine Sicherheit im Leben gibt. Außerdem versuche ich, dazu beizutragen, gesund zu bleiben, etwa durch viel Bewegung und einen ausgewogenen Lebensstil. Dann habe ich zumindest alles getan, was ich tun konnte. Der Rest ist Schicksal. Ich bin entschlossen, weiter gelassen und glücklich zu sein, egal in welcher Lage, auch wenn das nicht immer so einfach umzusetzen ist.“

Mit dieser positiven Einstellung versucht sie auch den Frauen zu helfen, die sie mit ihrem Verein betreut. „Ich spreche mit den Frauen über ihre Angst. Es ist wichtig, dass diese Angst sein darf, ebenso Trauer, Wut und Verzweiflung. Auch Selbstmitleid gehört dazu, das die Betroffenen auf jeden Fall haben dürfen“, betont sie. „Gut ist es aber, wenn man dann nach einer gewissen Zeit wieder in Aktion tritt und versucht, stark zu sein, um eine eigene Strategie mit dem Umgang der Erkrankung zu entwickeln.“

Viele fallen in ein Loch

Schwierig wird es für die meisten Frauen, wenn die Zeit der Nachsorge vorbei ist. In dieser Zeit werden sie engmaschig kontrolliert. Werden die Kontrolltermine dann weniger, fallen viele Betroffene in ein Loch, grübeln, zweifeln, bekommen Angst. „Die Intensität und Dauer der Nachsorge ist immer abhängig von der vorausgegangenen Krebserkrankung, deren initial diagnostiziertem Krankheitsstadium sowie von den krankheits- und therapiebedingten Nebenwirkungen, aber auch vom persönlichen Risikoprofil“, verdeutlicht Ärztin Julia Quidde, Hamburg.

Im Rahmen der Nachsorge geht es immer darum, ein mögliches Rezidiv oder therapiebedingte Folgeerkrankungen frühzeitig zu erkennen. I. d. R. findet in den ersten zwei bis drei Jahren nach der Erkrankung alle drei bis sechs Monate ein Nachsorgetermin statt, anschließend dann meist alle sechs bis zwölf Monate. Nach dem fünften Jahr nach Therapieende reicht häufig eine jährliche Vorstellung beim zuständigen Arzt. „Jede Patientin sollte am Ende der Therapie die Nachsorge mit ihrem behandelnden Mediziner besprechen und sich einen Nachsorgeplan geben lassen.“

Wird dann bei einer Kontrolluntersuchung ein Rezidiv entdeckt, „wird das nicht selten als größere Erschütterung erlebt als die Erstdiagnose“, weiß Psychoonkologe Manfred Gaspar, St. Peter-Ording. „Oft geht diese Diagnose einher mit dem Gefühl, versagt zu haben und eines nun vollständigen Kontrollverlustes.“ Aber auch die Vorstellung, erneut eine medizinische Tortur durchleben zu müssen, könne zu einem Gefühlschaos aus Wut, Verzweiflung, Ohnmacht und Hoffnungslosigkeit führen, weiß der Experte aus Erfahrung. „Aber auch ein Rezidiv ist kein Todesurteil“, macht Manfred Gaspar ganz klar deutlich.

Stoppschild für die Gedanken kann helfen

Um die Angst vor einem möglichen Rezidiv in den Griff zu bekommen, kann es – zumindest kurzfristig – helfen, zu trainieren, solche schwarzen Gedanken zu stoppen. „Die Patientinnen können sich z. B. ein Stoppschild vorstellen, das vor dem geistigen Auge auftaucht und sich in Gedanken an einen sicheren Ort bringen“, rät Manfred Gaspar. Ganz besonders wichtig ist es aber, die Angst selbst anzunehmen und auszusprechen. „Vor allem ist es wichtig, keine Angst davor zu haben, Angst zu haben“, betont der Psychoonkologe. Angst werde erst dann kritisch, wenn das Gefühl überwiege, von der Angst in den Griff genommen zu werden, anstatt diese selbst in den Griff zu bekommen. Deshalb sei es hilfreich, die Angst als normale Reaktion zu bewerten.

Einige können die Angst mit gezielten Entspannungsübungen in den Griff bekommen. Autogenes Training, Progressive Muskelentspannung und Yoga haben sich beispielsweise bewährt. „Immer dann, wenn die Ängste die Teilnahme am Alltagsleben einschränken, sollte Betroffene professionelle Hilfe im Sinne von psychoonkologischer, psychotherapeutischer oder – im Extremfall – pharmakologischer Unterstützung suchen“, betont Manfred Gaspar. Psychoonkologen oder -therapeuten können den Betroffenen dann helfen, besser mit ihrer Angst umzugehen. „Das stärkste Gegengewicht zur Angst ist immer die Hoffnung, die immer wieder neu definiert werden sollte.“

Untersuchungen wahrnehmen

Der Experte rät davon ab, aus Angst vor einer möglichen Diagnose, sei es eine Erstdiagnose oder ein Rezidiv, Untersuchungen zu unterlassen. Gerade der Versuch Angst zu vermeiden, verstärkt diese meist noch. „Je mehr wir etwas vermeiden wovor wir Angst haben, desto größer wird die Angst davor“, verdeutlicht er. Deshalb sei es die beste Möglichkeit, sich mit der Angst zu konfrontieren, um im optimalen Fall durch Untersuchungsergebnisse, die keine Erkrankung zeigen, positive Erfahrungen zu machen. Diese erleichtern es dann wiederum, mit der Angst zu leben.

Auch Nicola Nordenbruch geht trotz ihrer immer noch vorhandenen Ängste regelmäßig zu den Untersuchungen und betont: „Einige Frauen gehen nicht zur Mammografie, weil sie gehört haben, dass man trotz regelmäßiger Mammografien Brustkrebs bekommen kann. Das ist natürlich der falsche Ansatz, denn es geht darum, den Krebs rechtzeitig zu entdecken, um Schlimmeres zu verhindern. Immer in der Hoffnung, dass der Krebs dann noch gut zu behandeln ist.“ Und wenn die Angst sie mal wieder im Griff hat, dann hilft ihr eine ordentliche Portion Humor, sich selbst in einer scheinbar ausweglosen Situation einmal richtig ausschütten vor Lachen. Egal mit wem: den Mann, den Freundinnen …

Bei jeder Nachsorge bei einer asymptomatischen Patientin wird eine Anamnese erhoben, dabei wird nach spezifischen Symptomen gefragt. Es erfolgt eine klinische Untersuchung der Brust. Neben der Untersuchung durch den Arzt sollte auch die monatliche Brust-Selbstuntersuchung durch die Patientin erfolgen. Zudem sind Mammografie und Brustultraschall Bestandteile der Nachsorge. Bei brusterhaltender Therapie werden Mammografie und Brustultraschall einmal pro Jahr, sowohl von der betroffenen Seite als auch von der Gegenseite, durchgeführt. Nach einer Mastektomie werden Mammografie und Ultraschall der Gegenseite einmal jährlich gemacht. Die Magnetresonanztomografie (MRT) der Brust ist kein routinemäßiger Bestandteil der Nachsorge. Sie wird nur bei bestimmten Fragestellungen durchgeführt. Nicht vergessen werden sollte auch die gynäkologische Untersuchung der Patientin. Auf die Durchführung einer Knochendichtemessung sollte bei Patientinnen mit frühzeitiger Menopause und unter Therapie mit einem Aromatasehemmer geachtet werden. Weiterführende bildgebende Diagnostik oder Laboruntersuchungen werden bei Symptomen oder auffälligen Befunden oder dem Verdacht auf ein Rezidiv oder auf Metastasen durchgeführt.

Quelle: Leben? Leben!

15.03.17

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