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Brustkrebs und Sexualität

Machen wir es kurz: Für jedermann nachvollziehbar ist, dass zu Beginn der Diagnose Brustkrebs bzw. im Zusammenhang mit der Erkrankung hervorgerufene existenzielle Ängste und möglicherweise kurzzeitig auch Depressionen das Thema Sex komplett in den Hintergrund treten lassen können. Dem ersten Schock folgen die Einholung von Informationen, Gespräche mit den behandelnden Ärzten und die gemeinsame Entscheidung über die besten Therapien und Behandlungsmethoden. Heißt, es bleibt kaum genügend Zeit, sich mit dem Thema Partnerschaft und Lust tief gehend auseinanderzusetzen. Dass dies nicht nur die Patientin selbst, sondern auch deren Partner belastet – wie bei jeder anderen Erkrankung auch – ist unbestritten.

Lust auf Zweisamkeit kehrt zurück

Hinzu kommt, dass die Nebenwirkungen mancher Therapien, wie u. a. Übelkeit und Schmerzen etc. – die zeitweise komplett den Alltag der Patientin bestimmen – logischerweise auch zur Abnahme der Libido führen. Das ist bei allen männlichen Patienten, von denen in Deutschland pro Jahr ca. 700 an Brustkrebs erkranken und die sich der gleichen Behandlung unterziehen müssen, genauso. Darüber hinaus führt der therapeutisch gewünschte Hormonentzug bei den Patientinnen manchmal auch zum vorzeitigen Einsatz der Menopause und damit dann auch zu eventuellen Schmerzen beim Geschlechtsverkehr. Letztendlich rauben Erkrankung und Therapien – vielleicht sogar noch gleichzeitige Berufstätigkeit und Mehrfachbelastung in der Familie – viel körperliche Energie, sodass oft schlichtweg die Kraft für Erotik fehlt.

Wenn die Therapie nach Wunsch verläuft, ist dann aber nicht das Ende aller Fragen erreicht. Die Krankheit stellt eine Krise dar, die hoffentlich schnell zum Wendepunkt und dann zur Genesung führt. Mit dem Verschwinden der Nebenwirkungen kehrt relativ bald wieder ein Stück Normalität zurück und damit dann auch wieder die Lust auf Zweisamkeit, denn die Leistungs- und Genussfähigkeit – nicht nur für die Liebe, sondern auch für alle anderen Themen des Lebens – wird nach Beendigung der Therapien zurückkommen.

Aufgrund moderner Behandlungstechniken versuchen die Mediziner heute, zielgerichtet die Nebenwirkungen so gering wie möglich zu halten. Dazu kommt, dass Patienten, die Sport und Bewegung in ihren Alltag integrieren, eine viel kürzere Genesungsphase haben. Dies bestätigt auch eine betroffene Yogalehrerin, die über den Race for the Cure® auf die Aufklärungsarbeit von Susan G. Komen Deutschland e. V. aufmerksam wurde. Die Bewegungsfähigkeit bleibt optimal erhalten und die Übungen erhöhen die Achtsamkeit mit sich selbst. Eine grundlegende Voraussetzung dafür, Attraktivität und Selbstbewusstsein zu bewahren – wichtige Aspekte für eine glückliche Partnerschaft und erfüllende Liebe.

Eigene Entscheidungen treffen

Das Wichtigste nach der Diagnose Brustkrebs ist die Informationsbeschaffung und eine intensive Beschäftigung mit der neuen Situation, um die Freude am Leben – nach den Strapazen der Genesungsphase – wieder zu erlangen und sich den Veränderungen im besten Sinne zu stellen. Bedrückendes Stillschweigen hat meist fatale Folgen. Es gibt natürlich sehr unterschiedliche Herangehensweisen. Ein engagiertes Mitglied von Susan G. Komen Deutschland e. V. – selbst Ärztin – war sehr kreativ im Umgang mit der Erkrankung und hat richtige „Abschiedsfotos“ von ihrer Brust gemacht. Mittlerweile ist sie Mutter von zwei quietschfidelen Kindern. Entscheidend war wohl auch hier, dass ihr Partner liebevoll zur Seite stand. Beide wussten, diese schwere Phase ist begrenzt und sie endet umso schneller, je mehr Zweisamkeit zwischen dem Paar besteht.

Es gibt aber auch andere Fälle. Eine Betroffene sagte zu ihrem Mann: „Ich kann mir Dich aufgrund meiner Erkrankung nicht mehr leisten!“ Respekt vor so viel Gradlinigkeit und Verstand, denn die jugendliche Attraktivität und wiedererlangte Fitness der ehemaligen Patientin beweist die Richtigkeit ihrer Entscheidung. Man könnte sagen: „Besser ohne Partner, als einen, der nicht gut tut!“ Noch besser aber, wenn ein liebevoller Mann bedingungslos und schützend an der Seite der betroffenen Frau steht, dann ist er Kraftspender in Augenblicken des Zweifels und des Missmutes. Zwei Faktoren, die den Heilungsprozess nachweislich verkürzen.

Erotik neu erleben

Fakt ist, Sexualität ist eine der stärksten Motivationen in unserem Leben. Ein erfülltes Liebesleben ist Voraussetzung für physische und psychische Gesundheit. Es bedeutet Lebensqualität und stärkt unser Selbstwertgefühl. Hier sind Feingefühl und Empathie gefragt. Interesse an der Befindlichkeit des Partners ist das Fundament jedweder Zärtlichkeit. Beiderseitigem Interesse bitte, denn hierzulande ertragen die meisten Männer stumm das Leid der Partnerin, das auch sie schwer belastet. Erfahrungsgemäß wachsen diese leisen Helden über sich hinaus, wenn sie spüren, gebraucht und geliebt zu werden.

Das Thema, das bei den meisten Patientinnen wohl am stärksten Antworten auf die vielen Fragen einfordert, ist die Frage nach der eigenen Weiblichkeit. Diese infrage zu stellen, sich nicht mehr körperlich attraktiv zu fühlen, nicht gleichwertig zu sein durch die verletzte oder fehlende Brust, dies alles sind Gedanken und Gefühle, die – wenn auch zeitlich begrenzt – immer auftreten. Es ist ein Prozess, der Zeit und Geduld mit sich selbst verlangt, zu lernen den Körper neu zu erfahren, um wieder ein positives Selbstbild zu erlangen. Der Busen und sein Anblick stellen für mögliche Sexualpartner einen wichtigen erotischen Reiz dar. Dabei unterscheiden sich die Vorlieben für verschiedene Brustgrößen und -formen sowohl bei den Frauen selbst als auch bei Männern stark und haben sich auch durch die Zeit und Modeepochen hinweg sehr gewandelt.

Natürlich ist „das erste Mal“ mit einem neuen Partner nicht ganz so leger – aber hier hilft nur eines: Miteinander reden! Weshalb also hier nicht avantgardistisch mit der eigenen Schönheit, mit der individuellen Erotik umgehen und sich selbst neu ausprobieren? Kaum ein Mann – ob neuer oder langjähriger Partner – wird sich hier verwehren wollen. Oder?

Corinna Saric
Mitglied des Vorstands von Susan G. Komen Deutschland e. V.

Quelle: Leben? Leben! 1/2014

22.06.17

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