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Brustrekonstruktion nach Brustkrebs

Wichtig für Sie als Patientin sind zunächst zwei Informationen: Die Brustrekonstruktion verschlechtert nicht die Heilungsrate und eine Rekonstruktion behindert auch nicht die Nachsorge.

Studien zeigen, dass ein großer Teil der Patientinnen die baldige Rekonstruktion der Brust nach Mastektomie (vollständige Entfernung der Brust) wünscht. Viele Patientinnen entwickeln diesen Wunsch aber auch erst Jahre nach der onkologischen Therapie. Sie brauchen sich in Ihrer Entscheidung nicht unter Druck zu setzen. Es gibt für jede Patientin einen Weg!

Sollten Sie jedoch bereits vor der Mastektomie wissen, dass Sie perspektivisch eine Rekonstruktion möchten, dann teilen Sie das bitte Ihrem Arzt mit. Bei Wunsch nach Rekonstruktion können so bereits erste Schritte (z. B. eine hautsparende Mastektomie mit kleiner Schnittführung) bei der Erstoperation vorgenommen werden.

Wenn Sie sich für eine Rekonstruktion entscheiden, müssen Sie zunächst über die verschiedenen Verfahren informiert werden. Dies erfolgt vor allem in spezialisierten Sprechstunden für rekonstruktive Brustchirurgie an Ihrem Brustkrebszentrum. Hier muss für jeden Fall individuell besprochen werden, welchen Weg der Rekonstruktion Sie als Patientin bevorzugen, was ärztlich sinnvoll oder möglich ist und welche Vor- und Nachteile mit der jeweiligen Methode verbunden sind.

Letztendlich gibt es zwei Möglichkeiten, eine Brust wieder aufzubauen: die Rekonstruktion mittels Fremdgewebe und die Rekonstruktion durch körpereigenes Gewebe. Nicht jede Methode ist für jede Patientin geeignet und nicht jede Patientin möchte jede Methode.

Rekonstruktion mit Fremdgewebe (Implantaten)

Der Brustaufbau mit Implantaten ist operativ weniger aufwendig, Ihr Klinikaufenthalt deutlich kürzer. Geprüfte Qualitätsimplantate sind mit einem speziell vernetzten Silikongel gefüllt und haben eine mehrschichtige Silikonaußenhülle, was das Auslaufen verhindert. Wenn nach der Brustentfernung der verbliebene Hautmantel zu sehr gespannt ist, muss zunächst die Haut bzw. der Brustmuskel gedehnt werden. Dazu kann schon bei der Erstoperation ein sog. Gewebeexpander (kleiner Kunststoffballon mit Ventil zum Füllen von außen mit Kochsalzlösung) vor Ort platziert werden. Dieser Expander wird ambulant über mehrere Wochen aufgefüllt, bis der Dehnungsvorgang abgeschlossen ist, und dann durch das endgültige Implantat ausgetauscht.

Der Implantat-Aufbau der Brust wird von den meisten Patientinnen bezüglich ihres Selbstwertgefühls und kosmetisch als sehr positiv empfunden. In einigen Fällen jedoch – vor allem bei Frauen nach vorausgegangener Strahlentherapie – kann sich um das Implantat herum ein verhärtetes, schmerzhaftes Narbengewebe im Sinne einer Kapselfibrose bilden, was einen Implantatwechsel nötig macht.

Rekonstruktion mit Eigengewebe

Hierbei wird körpereigenes Gewebe aus geeigneten Regionen – Unterbauch, Gesäß oder Oberschenkelinnenseiten – in das Brustgebiet verschoben bzw. verpflanzt. Dementsprechend aufwendiger sind die nötigen Operationen mit zusätzlicher Narbenbildung in dem Entnahmegebiet als Folge. Welches Verfahren am besten infrage kommt, wird im individuellen Fall geklärt und besprochen. Eine der häufigsten Entnahmestellen für die Brustrekonstruktion ist der Unterbauch.

Die DIEP-Lappen-Methode (DIEP-Flap) ist eine Weiterentwicklung des TRAM-Lappens aus Unterbauch-Haut und -Fettgewebe einschließlich Blutgefäßen, jedoch ohne Verwendung von Muskulatur. Dementsprechend bleibt die Bauchwand nicht nur stabil, sondern wird durch den Eingriff noch zusätzlich gestrafft und gefestigt. Bei sehr schlanken Patientinnen oder Patientinnen, bei denen bereits eine Bauchdeckenstraffung durchgeführt wurde, bietet sich diese Methode jedoch nicht an.

Die S/IGAP-Lappen-Technik (Superior/ Inferior Gluteal Artery Perforator Flap) ähnelt der Brustrekonstruktion mit DIEPLappen, wobei der Gewebeblock nicht aus dem Unterbauch, sondern aus dem Gesäß entnommen wird. Muskulatur und damit volle Bewegungsfähigkeit bleiben erhalten. Entstehende Narben fallen kaum auf. Jedoch kommt es häufiger zu Beschwerden beim Sitzen, sodass dieser Eingriff nur in Sonderfällen durchgeführt werden sollte.

Die häufigste Alternative zum DIEP-Lappen bei sehr schlanken Patientinnen ist der transversale myokutane Gracilislappen (TMG). Hierbei wird das Gewebe an der Oberschenkelinnenseite gewonnen. Ein zentraler Vorteil liegt in der sehr unauffälligen Narbe, die im Oberschenkelschritt liegt. Ein weiterer Vorteil ist die gleichzeitige Straffung des Oberschenkels, ähnlich einem Oberschenkel-Lifting.

Rekonstruktion der Brustwarze

Der letzte Schritt der Brustrekonstruktion ist die Wiederherstellung der Brustwarze. Dieser Eingriff ist vom operativen Aufwand weitaus geringer als die Rekonstruktion der eigentlichen Brust und kann ambulant vorgenommen werden. Für den Nippelaufbau werden meistens kleine Verschiebelappen der Haut im Narbenbereich verwendet. Für die Rekonstruktion des Warzenvorhofs können Hauttransplantate aus dem Warzenvorhof der Gegenseite, der Leiste, dem Oberschenkelbereich oder dem Oberlid eingesetzt werden. Eine weitere Möglichkeit besteht in der Tätowierung des Warzenvorhofs.

Fazit

Den perfekten Zeitpunkt für eine Brustrekonstruktion gibt es nicht! Sie als Patientin entscheiden, wann Sie sich dafür bereit fühlen. Wichtigster erster Schritt ist die individuelle Beratung in einer spezialisierten Sprechstunde an Ihrem Brustzentrum.

Priv.-Doz. Dr. med. Christoph Domschke
Dr. med. Maria Blumenstein
Prof. Dr. med. Jörg Heil
Prof. Dr. med. Florian Schütz
Prof. Dr. med. Christof Sohn, Universitäts-Frauenklinik Heidelberg

Quelle: Ratgeber Brustkrebs 2017

13.12.17

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