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Brustrekonstruktion nach Brustkrebs

Die Kunst der Operation des Mammakarzinoms ist, die richtige Indikation zu stellen. Erstes Ziel ist die sichere und vollständige Entfernung des Karzinoms. Natürlich ist eine brusterhaltende Therapie wünschenswert, leider aber nicht immer onkologisch-chirurgisch umsetzbar. Es ist verständlicherweise nicht leicht, sich schon zum Zeitpunkt der Diagnose „Brustkrebs/Brustamputation“ mit der Frage nach einer Brustrekonstruktion und den Vorteilen, Nachteilen, Risiken und den verschiedenen Operationsverfahren zu beschäftigen. Allzuhäufig ist man als Patientin überwältigt von der Flut an Informationen durch Ärzte, Familie, Freunde und der Vielzahl an Untersuchungen, OP-Vorbereitungen oder auch einer notwendigen Zusatzbehandlung, wie z. B. einer neo-adjuvanten Chemotherapie. Wichtig für Sie als Patientin sind zunächst zwei Informationen: Die Brustrekonstruktion verschlechtert nicht die Heilungsrate und eine Rekonstruktion behindert auch nicht die Nachsorge.

Studien zeigen, dass ein großer Teil der Patientinnen die baldige Rekonstruktion der Brust nach Mastektomie wünscht. Viele Patientinnen entwickeln diesen Wunsch aber auch erst Jahre nach der onkologischen Therapie (Chemotherapie, Bestrahlung usw.). Sie brauchen sich in Ihrer Entscheidung nicht unter Druck zu setzen. Es gibt für jede Patientin einen Weg! Sollten Sie jedoch bereits vor der Mastektomie wissen, dass Sie perspektivisch eine Rekonstruktion möchten, dann teilen Sie das bitte Ihrem Arzt mit. Bei Wunsch nach Rekonstruktion können so bereits erste Schritte (z. B. eine hautsparende Mastektomie mit kleiner Schnittführung) bei der Erstoperation vorgenommen werden.

Wenn Sie sich für eine Rekonstruktion entscheiden, müssen Sie zunächst über die verschiedenen Verfahren informiert werden. Dies erfolgt vor allem in spezialisierten Sprechstunden für rekonstruktive Brustchirurgie an Ihrem Brustzentrum. Hier muss für jeden Fall individuell besprochen werden, welchen Weg der Rekonstruktion Sie als Patientin bevorzugen möchten, was ärztlich sinnvoll oder möglich ist und welche Vor- und Nachteile mit der jeweiligen Methode verbunden sind. Letztendlich gibt es zwei Möglichkeiten, eine Brust wieder aufzubauen: die Rekonstruktion mittels Fremdgewebe und die Rekonstruktion durch körpereigenes Gewebe. Nicht jede Methode ist für jede Patientin geeignet und nicht jede Patientin möchte jede Methode.

Rekonstruktion mit Fremdgewebe (Implantaten)

Der Brustaufbau mit Implantaten ist operativ weniger aufwendig, Ihr Klinikaufenthalt deutlich kürzer. Geprüfte Qualitätsimplantate sind mit einem speziell vernetzten Silikongel gefüllt und haben eine mehrschichtige Silikonaußenhülle, was das Auslaufen verhindert.

Wenn nach der Brustentfernung der verbliebene Hautmantel zu sehr gespannt ist, muss zunächst die Haut bzw. der Brustmuskel gedehnt werden. Dazu kann schon bei der Erstoperation ein sog. Gewebeexpander (kleiner Kunststoffballon mit Ventil zum Füllen von außen mit Kochsalzlösung) vor Ort platziert werden. Dieser Expander wird ambulant über mehrere Wochen aufgefüllt, bis der Dehnungsvorgang abgeschlossen ist, und dann durch das endgültige Implantat ausgetauscht.

Der Implantat-Aufbau der Brust wird von den meisten Patientinnen bezüglich ihres Selbstwertgefühls und kosmetisch als sehr positiv empfunden. In einigen Fällen jedoch – vor allem bei Frauen nach vorausgegangener Strahlentherapie – kann sich um das Implantat herum ein verhärtetes, schmerzhaftes Narbengewebe im Sinne einer Kapselfibrose bilden, was einen Implantatwechsel nötig macht.

Rekonstruktion mit Eigengewebe

Hierbei wird körpereigenes Gewebe aus geeigneten Regionen – Unterbauch, Rücken, Gesäß oder Oberschenkelinnenseiten – in das Brustgebiet verschoben bzw. verpflanzt. Dementsprechend aufwendiger sind die nötigen Operationen mit zusätzlicher Narbenbildung in dem Entnahmegebiet als Folge. Welches Verfahren am besten infrage kommt, wird im individuellen Fall geklärt und besprochen. Folgende Methoden haben sich u. a. bewährt:

Bei der Latissimus-dorsi-Lappenplastik wird der größte Rückenmuskel zusammen mit umgebendem Fettgewebe zum Brustaufbau verwendet. Der Verlust dieses Rückenmuskels wird funktionell durch andere Muskeln ausgeglichen. Die entstehende Rückennarbe wird in den meisten Fällen durch das horizontale BH-Band verdeckt.

Unter der TRAM-Lappen-Technik (TRAM-Flap) versteht man einen Gewebelappen, der unterhalb des Bauchnabels aus Teilen des geraden Bauchmuskels, Haut und Fettgewebe gebildet wird und sich sehr gut zum Brustaufbau eignet. Allerdings führt das Verfahren in manchen Fällen zu einer Bauchdeckenschwäche mit Bruchbildung (Hernie).

Die DIEP-Lappen-Methode (DIEP-Flap) ist eine Weiterentwicklung des TRAM-Lappens aus Unterbauch-Haut und -Fettgewebe einschließlich Blutgefäßen, jedoch ohne Verwendung von Muskulatur. Dementsprechend bleibt die Bauchwand nicht nur stabil, sondern wird durch den Eingriff sogar noch zusätzlich gestrafft und gefestigt. Der DIEP-Lappen ermöglicht den rekonstruktiven Aufbau auch größerer Brüste.

Die S/IGAP-Lappen-Technik (Superior/Inferior Gluteal Artery Perforator Flap) ähnelt der Brustrekonstruktion mit DIEP-Lappen, wobei der Gewebeblock jedoch nicht aus dem Unterbauch, sondern aus dem Gesäß entnommen wird. Muskulatur und damit volle Bewegungsfähigkeit bleiben erhalten. Entstehende Narben fallen kaum auf.

Rekonstruktion der Brustwarze

Der letzte Schritt der Brustrekonstruktion ist die Wiederherstellung der Brustwarze. Dieser Eingriff ist vom operativen Aufwand weitaus geringer als die Rekonstruktion der eigentlichen Brust und kann ambulant vorgenommen werden. Während für den Nippelaufbau meistens kleine Verschiebelappen der Haut im Narbenbereich verwendet werden, gibt es für die Rekonstruktion des Warzenvorhofs verschiedene Lösungen. So können Haut-Transplantate aus dem Warzenvorhof der Gegenseite, der Leiste, dem Oberschenkelbereich oder dem Oberlid eingesetzt werden. Eine weitere ästhetisch-kosmetisch ausgezeichnete Möglichkeit besteht in der Tätowierung des Warzenvorhofs in der passenden Farbe und Schattierung.
Fazit

Den perfekten Zeitpunkt für eine Brustrekonstruktion gibt es nicht! Sie als Patientin entscheiden, wann Sie sich dafür bereit fühlen. Für jede Patientin gibt es Möglichkeiten der Brustrekonstruktion! Wichtigster erster Schritt ist die individuelle Beratung in einer spezialisierten Sprechstunde an Ihrem Brustzentrum.

Prof. Dr. med. Christof Sohn, Heidelberg
Dr. med. Christoph Domschke, Heidelberg
Dr. med. Maria Blumenstein, Heidelberg
Priv.-Doz. Dr. med. Jörg Heil, Heidelberg
Priv.-Doz. Dr. med. Florian Schütz, Heidelberg

Quelle: Ratgeber Brustkrebs

22.05.15

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