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Brustrekonstruktion mit Eigenfett?

„Warum nehmen wir nicht etwas von hier oder von hier? Da hätte ich doch genügend Fettgewebe …“ Karin M. (52) deutet auf ihre Hüften und ihren Bauch. Sie hatte vor drei Jahren wegen einer ausgedehnten Brustkrebserkrankung ihre Brust abgenommen bekommen, danach Chemo- und Strahlentherapie hinter sich gebracht und sitzt jetzt vor Dr. Busse, plastischer Chirurg in Wasserburg, weil sie sich einen Brustaufbau mit eigenem Gewebe wünscht. Tatsächlich finden sich an den benannten Stellen Fettpölsterchen, die ausreichend wären, um daraus eine Brust zu formen. Dr. Busse lächelt: „Der Gedanke wird von vielen betroffenen Frauen geäußert und ist durchaus nahe liegend, allerdings steckt der Teufel im Detail.“

Seit vor über 100 Jahren das erste Mal versucht wurde, Eigenfett zu verpflanzen, hat das Verfahren in größeren Abständen immer wieder die Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Durch die Stammzelltherapie erfährt es im Moment wieder größere Beachtung. Das Prinzip der Eigenfettverpflanzung ist dabei grundsätzlich ziemlich simpel: Durch Absaugen von Fettgewebe an einer Körperregion, an der ausreichend Fettgewebe vorhanden ist, z. B. an den Hüften oder den Oberschenkelaußenseiten, wird Fettgewebe gewonnen, das dann an einer anderen Stelle des Körpers, etwa zum Aufbau einer Brust, wieder unter die Haut gespritzt wird. Damit die Fettzellen nicht absterben, müssen Blutgefäße einsprossen, die die u. a. Zellen mit dem nötigen Sauerstoff versorgen. Je größer dabei die in einem Schritt verpflanzte Fettgewebemenge ist, umso schwerer haben es die Blutgefäße, alle Zellen rechtzeitig zu erreichen.

Nur etwa 35–60 % der verpflanzten Fettgewebszellen überleben die Verpflanzung pro Eingriff, der Rest wächst nicht an und bleibt bisweilen als verflüssigte Ölzyste oder als verkalkte Zellansammlung dauerhaft zurück. „Das führt nicht nur zu Verhärtungen, die Kalkansammlungen können in der Brust Vorstufen von Brustkrebs, dem sog. DCIS, ähneln, was in der Nachsorge zu Fehlinterpretationen führen kann und die Patientinnen zurecht beunruhigt“, so Dr. Busse.

Um eine Brust mit Eigenfett zu rekonstruieren, müssten etwa 250–400 ml Fett (je nach Körbchengröße) erfolgreich einwachsen, dafür benötigt man mindestens zwei bis drei Operationen. Durch die Anzüchtung von Stammzellen aus dem gewonnenen Fett versucht man, die Einheilungsrate zu verbessern. Stammzellen sind in ihrer Fähigkeit, sich zu teilen, den ausgewachsenen Fettzellen überlegen. Unter gewissen Umständen können aus ihnen sogar Blutgefäße werden. Allerdings ist das Verfahren teuer und Befürchtungen, dass die sich teilenden Stammzellen in ihrem Wachstum nicht wieder eingedämmt werden können und ihrerseits Brustkrebs verursachen könnten, sind zumindest durch Langzeitbeobachtungen noch nicht vollständig ausgeräumt.

Aber nicht nur bei der Verpflanzung, auch bei der Gewinnung des Fettgewebes, sind viele Fragen im Detail noch nicht endgültig geklärt, denn Fettzellen sind äußerst empfindlich. So darf beim Fettabsaugen (Liposuktion) nicht mit zuviel Unterdruck gearbeitet werden, da sonst die dünnen Zellwände platzen und die Fettzellen zerstört werden. Auch das Zentrifugieren von Fettgewebe, um den flüssigen von dem festen Zellbestandteil zu trennen, kann bei zu hoher Geschwindigkeit die Zellen zerstören. Mittels spezieller Filter oder Zwei-Kammer-Spritzen versucht man, dieses Problem in den Griff zu bekommen.

Auch die Dicke der Kanülen, mit der das Fettgewebe abgesaugt und wieder zurückverpflanzt wird, spielt eine Rolle: Zu dünne Kanülen verstopfen leicht, bei zu dicken Kanülendurchmessern gelangen zu grobe Mengen Fettgewebe unter die Haut, deren Einwachsen die oben beschriebenen Probleme bereitet.

All diese Schwierigkeiten erklären, warum sich die Eigenfetttherapie auch nach über 100 Jahren noch nicht zum Standardverfahren entwickeln konnte. „Dennoch glaube ich, dass wir der Lösung inzwischen sehr nahe sind und die Eigenfetttherapie in den nächsten zehn bis fünfzehn Jahren sich in gewissen Bereichen als die Therapie der Wahl etablieren wird“, so Dr. Busse. Bis dahin, so der Facharzt für plastische Chirurgie, werde man das Fettgewebe noch mikrochirurgisch als Eigengewebe verpflanzen müssen. Er zeigt auf Karin M. s Bauch. „Dieses Gewebe eignet sich tatsächlich nahezu perfekt zur Rekonstruktion Ihrer Brust.“ In Form des sog. DIEP-Flaps* wird dabei die Haut und das Fettgewebe vom Unterbauch zusammen mit einem dünnen Blutgefäß gewonnen, welches mithilfe eines Operationsmikroskops an die Brustwand angeschlossen wird und dadurch die Durchblutung des Fettgewebes von Anfang an sicherstellt. „Auf diese Weise kann die Brust in einer Operation wiederhergestellt und der Bauch gleichzeitig gestrafft werden“, so der Spezialist.

Quelle: Leben? Leben! 1/2011

08.06.17

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