- Anzeige -
Curado.de Logo

Sie sind hier: Startseite - Krankheiten - Atemwegserkrankungen - COPD - Ich habe COPD - COPD als systemische Erkrankung

COPD als systemische Erkrankung

Die COPD ist eine schwere und fortschreitende Lungenerkrankung. Zunächst tritt bei körperlicher Belastung (Treppensteigen, schnelles Laufen oder Radfahren) Atemnot auf und im fortgeschrittenen Stadium kommt es auch schon in Ruhe (sitzen oder liegen) zur Atemnot.

Betrachtet man den Körper als ein geschlossenes System, in dem alle Organe in Abhängigkeit zueinander arbeiten, ist die COPD nicht nur eine Erkrankung der Lunge. Im fortgeschrittenen Stadium kommen weitere Begleiterkrankungen hinzu. Somit handelt es sich bei der COPD um eine Systemerkrankung.

Weitere Begleiterkrankungen können sein: Infektionen in den Atmungsorganen, psychische Störungen wie Angst- und Depressionszustände, Schlafstörungen, Harninkontinenz, Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems, Störungen im Bewegungsapparat, Lungenkrebs sowie Störungen des Stoffwechsels.

Infektionen an den Atmungsorganen

Durch den ständigen Entzündungsprozess der Bronchien ist das Abwehrsystem unseres Körpers rund um die Uhr mit der Bekämpfung beschäftigt. Von außen eindringende Schadstoffe oder Keime können nicht ausreichend bekämpft werden. Dadurch kommt es immer wieder zu Entzündungen des Atmungstraktes, wie einer akuten Bronchitis, die durch gelb/grünen Auswurf gekennzeichnet ist oder schlimmer noch, zu einer Lungenentzündung. Vergaste Schadstoffe, wie sie bei Verbrennung entstehen, gelangen über die Lunge in unsere Blutbahn (die diese Schadstoffe im ganzen Körper verteilen) und verursachen weitere Entzündungsherde im Körper. Nikotin z. B. (ein Nervengift, es ist geruchs- und geschmackslos), das beim Rauchen in vergaster Form in unseren Körper gelangt, löst solche Entzündungsreaktionen im gesamten Körper aus, nicht nur in der Lunge. Unser Immunsystem ist nur begrenzt in der Lage, all diese Entzündungen in Schach zu halten. Dem Immunsystem kann man durch eine ausgewogene und vitaminreiche Ernährung helfen und durch Vermeidung vergaste Schadstoffe zu inhalieren, kann dem Immunsystem eine weitere Stütze geboten werden.

Psychische Störungen

40 bis 70 % der Betroffenen leiden unter Angst- und Depressionszuständen. Jeder kann mal traurig oder melancholisch sein, dies ist i. d. R. kein besorgniserregender Zustand. Jedoch ständig in Atemnot zu geraten und aus Angst in Panik zu verfallen, kann u. U. zu einem schweren Angstzustand führen. Dies ist eine normale Schutzreaktion des Körpers.

Führen diese Zustände aber zu immer wiederkehrenden negativen Gedanken wie „Warum gerade ich?“, „Wie lange habe ich noch zu leben bei meiner Krankheit?“, „Diese Atemnot macht mich ganz fertig. Ich will/kann nicht mehr.“, dann ist es angeraten, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Dreht sich alles nur noch um diese Fragen und werden sie zum Lebensinhalt, kann dies zu einer Depression führen.

Auch ständiges Alleinsein, sich hilflos fühlen und durch zu befürchtende Atemnot nicht mehr am Leben teilnehmen zu können, können in einen depressiven Zustand führen. Wird ein solcher Zustand bemerkt, wenden Sie sich schnellstens an Ihren Arzt. Es ist keine Schande sich zu seinen Ängsten zu bekennen und Hilfe in Anspruch zu nehmen. Bitte nicht abwarten!

Schlafstörungen

Sauerstoffmangel, Atemnot in Ruhe und auch Hustenreize, können die Erholung stark stören. Selbst wenn diese Umstände nicht zum Erwachen führen, so schränken sie die Erholung des Körpers so stark ein, dass man am nächsten Tag den Eindruck hat, man habe überhaupt nicht geschlafen. Noch schlimmer wird die Situation, wenn im Schlaf der CO2-Wert ansteigt und durch die COPD-Erkrankung nicht durch Ausatmen auf den verträglichen Wert abgesenkt wird. Kopf- und Muskelschmerzen sind die Folge sowie ein Gefühl der Schlappheit und Erschöpfung.

Der Anstieg des CO2-Wertes führt auch dazu, dass die Atemnot zunimmt und man nicht richtig durchatmen kann. Wer sauerstoffpflichtig ist und die Flussrate erhöht, um der Atemnot entgegenzuwirken, erreicht in diesem Fall nur das Gegenteil. Der CO2-Wert würde weiter ansteigen. Eine Untersuchung und Überprüfung in einem Schlaflabor kann hier Abhilfe schaffen.

Harninkontinenz

Unser Gehirn ist derart egoistisch und unersättlich, dass es fast den gesamten eingeatmeten Sauerstoff für sich beansprucht. Ca. 80 % des Sauerstoffes geht ans Gehirn. Aber auch alle anderen „Bauteile“ unseres Körpers brauchen zum Überleben den wichtigen Stoff. So auch die Schließmuskeln, wie z. B. bei der Blase. Kommt es nun durch einen Atemnotanfall zu einer Unterversorgung mit Sauerstoff, hat das Gehirn Vorrang. Allerdings benötigen auch die Schließmuskeln den Sauerstoff, um zu arbeiten. Sie erhalten aber nun in diesem Fall zu wenig oder je nach Stärke der Unterversorgung ggf. auch gar nichts. Und während wir noch damit beschäftigt sind den nötigen Sauerstoff zu besorgen und in die Lungen zu bekommen, wird die Arbeit des Schließmuskels eingestellt. Die Blase entleert sich ohne unseren Willen. Maßnahmen hiergegen können z. B. Slipeinlagen, die es für Frauen und Männer gibt oder Windeln für Erwachsene sein. Die Stärkung der Beckenmuskulatur und Konzentrationsübungen können in einer Physiotherapie als Therapiemaßnahmen bei Inkontinenz erlernt werden.

Erkrankung des Herz-Kreislauf-Systems

Zu Veränderungen am Herz-Kreislauf-System kommt es in schweren Fällen. Durch akute oder chronische Drucksteigerungen im Lungenkreislauf, in Folge der Sauerstoffarmut (Hypoxämie) kommt es zur Cor pulmonale. Es kommt zu einer Überbelastung der rechten Herzhälfte (auch Rechtsherzinsuffizienz genannt). Wegen der Sauerstoffunterversorgung muss das Herz deutlich mehr arbeiten. Und wenn ein Muskel mehr arbeiten muss, wird der Muskel größer. Was bei der Arm- und Beinmuskulatur erwünscht ist, ist beim Herzen von Nachteil.

Durch diese unnatürliche Vergrößerung des Herzmuskels, wird die Muskulatur falsch beansprucht und verliert an Elastizität. Hierdurch kann das Blut mit dem benötigten Sauerstoff nicht kraftvoll durch die Blutbahn gepumpt werden, die Fließgeschwindigkeit nimmt ab. Unter Belastung führt dies zu zusätzlicher Atemnot. Auch schlägt das Herz schneller, um den Organismus mit Sauerstoff zu versorgen. Ein schnellerer Herzschlag wird schon durch die bronchienerweiternden Medikamente verursacht und der Missstand der Cor pulmonale addiert sich noch dazu. Hier wird dann ein pulssenkendes Medikament eingesetzt, denn steigt die Pulsfrequenz zu stark an, droht ein Kammerflimmern, was zum Tode führen kann.

Störungen im Bewegungsapparat

Durch die sich über den Körper ausbreitenden (systemischen) Entzündungen kommt es zu einem Verlust an Muskelmasse und auch zu Veränderungen mit erheblichem Funktionsverlust der Muskelmasse. Betroffene mit einem Lungenemphysem zeigen im Vergleich zu COPD-Erkrankten deutlichere Einbußen an Muskelmasse.

Damit lässt sich auch erklären, warum nicht nur die Atemnot, sondern auch eine Erschöpfung der Muskelkraft, bei den Betroffenen die körperliche Leistungsfähigkeit einschränkt. Schonung und Bewegungsmangel treiben diesen Leistungsabfall zusätzlich voran. Die Entwicklung einer Osteoporose wird hier stark gefördert, übrigens deutlich stärker als dies bei einer Kortisontherapie zu erwarten ist.

Um diese Umstände einzudämmen, ist es wichtig, in Bewegung zu bleiben. Es ist hierbei sinnvoll, viele Pausen wegen einer möglichen Atemnot einzulegen. Denn ohne Bewegung wird i. d. R. noch mehr an Muskelmasse abgebaut. Die Überwindung des inneren „Schweinehundes“ ist hier wohl das größte Übel. Wichtig ist, in regelmäßigen Abständen seine Knochendichte überprüfen zu lassen, erst recht, wenn man eine Dauertherapie mit Kortison durchführt.

Lungenkrebs (Lungenkarzinom)

Viele Stoffe (z. B. Nikotin und Stäube), die zur COPD führen können und durch Verbrennung ihre schädigende Wirkung auslösen können, sind karzinogene (krebsauslösende) Schadstoffe. Deshalb finden sich bei dieser Erkrankung auch häufiger Lungenkarzinome. Regelmäßige Untersuchungen beim Lungenfacharzt können eine Früherkennung deutlich unterstützen.

Störungen des Stoffwechsels

Ein zunehmender Leistungsverfall bei schnellem Gewichtsverlust wird COPD-wasting genannt. Innerhalb weniger Wochen kann sich das Gewicht um mehrere Kilogramm verringern. Der Nährstoffverbrauch ist bei den Betroffenen enorm, besonders an Vitaminen und Eiweißen.

Bei 20 bis 60 % der Betroffenen tritt eine Mangel- bzw. Fehlernährung auf und kann auch bei Normalgewicht vorliegen. Beim sog. „Pink Puffer“, das ist der sehr schlanke COPD-Patient, wird eine spezielle Ernährungstherapie nötig. Schnell kommt man da in eine Situation, bei der man gar nicht so viel Nahrung aufnehmen kann, wie der Körper braucht. Reserven sind schnell aufgebraucht und es muss eine hochkalorische Zusatznahrung verordnet werden. Ansonsten droht zum Lungenleiden auch noch das Verhungern des Körpers, obwohl ausreichend Nahrung zugeführt wird. Die benötigte Kalorienzufuhr liegt beim Erwachsenen durchschnittlich bei 2.000 kcal (Männer und Frauen haben allerdings einen unterschiedlichen Energiebedarf und auch das Alter ist ausschlaggebend), bei einer fortgeschrittenen COPD kann sie bei 3.500 kcal und mehr liegen.

Bei dem übergewichtigen sog. „Blue Bloater“ hingegen ist eine Gewichtsabnahme notwendig. Nicht nur die Grunderkrankung erschwert das Atmen. Bei Übergewicht muss der Körper darüber hinaus eine verstärkte Arbeit leisten, was zu einer zusätzlichen Atemnot führt. Auch die Gefahr an einem Typ-2-Diabetes zu erkranken, kann gegeben sein.

Die Abwehrkraft der Lunge ist durch Mangelernährung herabgesetzt. Die Fresszellen in den Lungenbläschen (die sog. Alveolarmakrophagen, die normalerweise eingedrungene Fremdstoffe „verdauen“) sind dann weniger aktiv. Eine Ernährungsberatung sollte in beiden Fällen, Übergewicht oder Untergewicht, in Betracht gezogen werden.

Hormone

Bei der COPD werden auch bestimmte Hormone (beispielsweise Testosteron und Wachstumshormon) weniger gebildet. Dies wirkt sich ebenfalls auf die körperliche Leistungsfähigkeit aus und kann auch eine Ursache für depressive Verstimmungen sein.

Wolfgang Ramsteiner
COPD und Lunge e. V.

Quelle: COPD und Asthma 3/2014

09.02.15

Newsletter An-/Abmeldung

Code: NJKU