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Mit Krebspatienten besser kommunizieren

08.04.08.

Fortbildung soll Ärzte in ihrer Kommunikation schulen

Foto: Shutterstock

Kommunikationstraining für onkologisch tätige Ärzte: Projekt KoMPASS startet am Universitätsklinikum Heidelberg und sechs weiteren Krebszentren in Deutschland

Ärzte, die Krebspatienten betreuen, können ab sofort an speziellen Kommunikationstrainings teilnehmen. Im Rahmen des Projektes KoMPASS (Kommunikative Kompetenz zur Verbesserung der Arzt-Patienten-Beziehung durch strukturierte Fortbildung) starten in Heidelberg und sechs weiteren Krebszentren in Deutschland die neuen Fortbildungsangebote. Das Projekt wurde von Ärzten und Psychologen des Universitätsklinikums Heidelberg initiiert, wird von den Heidelberger Experten geleitet und von der Deutschen Krebshilfe e.V. gefördert.

Wie vermittele ich meinem Krebspatienten die Diagnose? Wie gelingt es, gemeinsame Therapieentscheidungen zu treffen? Wie gehe ich mit Trauer oder Wut von Patienten und Angehörigen um? Eine Krebserkrankung ist nicht nur mit körperlichen Folgen, sondern auch mit tiefgreifender Verunsicherung, Ängsten und Sorgen verbunden. Dies erschwert oft für Ärzte und Patienten gleichermaßen eine offene und hilfreiche Kommunikation. Den hohen kommunikativen Anforderungen an onkologisch tätige Ärzte stehen in Deutschland bisher nur vereinzelt Fort- und Ausbildungsangebote gegenüber.

“Mit KoMPASS möchten wir ein einheitliches und effektives Trainingsprogramm für Ärzte in der Onkologie entwickeln, in der Praxis erproben und seine Effektivität wissenschaftlich untersuchen”, erklärt Privatdozentin Dr. Monika Keller, Leiterin der Sektion Psychoonkologie an der Klinik für Psychosomatische und Allgemeine Klinische Medizin des Universitätsklinikums Heidelberg. Sie ist Mitbegründerin und Leiterin des multizentrischen Projekts. Mit KoMPASS soll an Standards angeschlossen werden, wie sie z.B. in England und der Schweiz bereits mit Erfolg etabliert sind. “In vielen Ländern gehören Kommunikationstrainings bereits zur Facharztweiterbildung.” Ziel der deutschen Initiative ist es nicht nur, die kommunikative Kompetenz von Ärzten in der Onkologie zu verbessern, sondern auch die Belastung im Beruf spürbar zu vermindern.

Praxisnahe Trainings / Schauspieler-Patienten geben wertvolle Rückmeldung

Die Trainings sollen deshalb vor allem praxisrelevant sein. “Neben der Vermittlung von Grundlagen und Techniken der Gesprächsführung orientieren sich die praktischen Übungen vor allem an den Anliegen der Teilnehmer”, erklärt Dr. Monika Keller. “Wichtige, häufig wiederkehrende Themen sind z.B. das Überbringen schlechter Nachrichten in allen Phasen von Krebserkrankungen, die Angst des Patienten vor bestimmten Therapieformen oder der Umgang mit Sterben und Tod.”

Die Fortbildung erfolgt in kleinen Gruppen über zweieinhalb Tage mit erfahrenen Trainern. Speziell ausgebildete Schauspieler übernehmen die Rolle von Patienten oder Angehörigen. Die Gespräche werden gefilmt und ausgewertet. “Wichtig ist der hohe Anteil an praktischen Übungen sowie das Feedback der Trainer und der Gruppe, um an realistischen Szenarios zu arbeiten”, sagt Dr. Monika Keller. Dabei können ganz überraschende Erfahrungen gemacht werden – etwa eine Situation, die der Arzt als unangenehm, oder eine Äußerung, die er als ungeeignet ansieht, kann vom Schauspieler-Patienten als wohltuend oder erleichternd empfunden werden.
Oder man erfährt, dass “der Patient” ab einem bestimmten Moment aus dem Gespräch ausgestiegen ist und viele Informationen ihn nicht mehr erreicht haben. Nach vier Monaten können die Teilnehmer ein eintägiges Auffrischtraining besuchen.

Wissenschaftliche Studie wertet Trainingserfolge aus

Die Erfolge des Trainingsprogramms werden in einer wissenschaftlichen Begleituntersuchung ermittelt. Vor, unmittelbar im Anschluss und sechs Monate nach dem Kurs wird das Kommunikationsverhalten der Teilnehmer unter anderem per standardisiertem Fragebogen sowie Video- Dokumentation von Arzt-Patienten-Gesprächen analysiert.

Termine und weitere Infos:

In den kommenden 2 1/2 Jahren werden am Universitätsklinikum Heidelberg und an sechs weiteren Zentren jeweils 5 Trainings durchgeführt. Teilnehmen können alle onkologisch tätigen Ärzte in Klinik oder Praxis, dank der Unterstützung durch die Deutsche Krebshilfe e.V. zu einem Unkostenbeitrag.

Termine 2008 in Heidelberg:
08.05.2008-10.05.2008 (Auffrischtermin: 19.9.2008)
10.07.2008-12.07.1008 (Auffrischtermin: 07.11.2008)

Baldige Anmeldung dringend zu empfehlen – begrenzte Teilnehmerzahl!

Projektleitung und Anmeldung:
PD Dr. med. Monika Keller
Sektion Psychoonkologie,
Klinik für Psychosomatische und Allgemeine Klinische Medizin des Universitätsklinikums Heidelberg Tel. (Sekr.): 06221/ 56-2727
E-Mail: catherine.schneider@med.uni-heidelberg.de

Weitere Informationen und Termine an anderen Zentren finden Sie unter www.kompass-o.de

Quelle: Universitätsklinikum Heidelberg und Medizinische Fakultät der Universität Heidelberg

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