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Entstehung eines Dekubitus

Die Entstehung von Dekubitus ist abhängig von verschiedenen Faktoren, die in Wechselwirkung miteinander treten, der wichtigste Einflussfaktor für Dekubitus ist eine dauerhafte Druckbelastung bestimmter Hautareale.

Aufbau der Haut

Um die Vorgänge bei der Entstehung eines Dekubitus zu verdeutlichen, ist zunächst eine Darstellung des Aufbaus der Haut notwendig. Die menschliche Haut (Cutis) ist ein lebenswichtiges Organ, welches den Körper und seine Organe vor schädlichen äußeren Einflüssen schützt, solange es unbeschädigt ist. Sie ist in mehreren Schichten aufgebaut, welche jeweils eine wichtige Funktion erfüllen. Die erste, äußerlich erkennbare Schicht bildet die Oberhaut, auch als Epidermis bezeichnet, deren Oberfläche aus abgestorbenen, jedoch miteinander verbundenen Hornzellen besteht.

Unter der Epidermis findet sich die Lederhaut (Corium oder Dermis), welche elastisch ist und hauptsächlich aus Bindegewebszellen besteht. Sie ist wiederum unterteilt in die Zapfenschicht (Stratum papillare) und die Netzschicht (Stratum reticulare). Die Zapfenschicht ist fest mit der Epidermis verbunden und enthält feinste Kapillaren zur Blutversorgung sowie Lymphgefäße. Des Weiteren befinden sich hier die Rezeptoren für Wärme und Kälte, für den Tastsinn, Haarfollikel, Schweiß- und Talgdrüsen sowie weitere verschiedenste Zellarten, die unter anderem auch für die Wundheilung notwendig sind. Die Netzschicht aus Kollagenfasern stabilisiert das Bindegewebe und bestimmt die Elastizität und Festigkeit der Haut.

Die Unterhaut (Subcutis) besteht aus losem Bindegewebe, in das Fettpolster eingebunden sind. Ausgehend von der Lederhaut durchziehen feste Fasern die Unterhaut und sorgen für eine Verankerung der Haut an der darunterliegenden Faszie, einer dünnen, sehnenartigen Bindegewebsschicht aus Kollagenfasern. Je nach Körperregion schließen sich an die Faszie Knochen, Muskulatur, Knorpel oder auch Fett an.

Verlauf der Dekubitus-Erkrankung

Ein Dekubitus entsteht, wenn längerfristig Druck auf die Haut einer bestimmten Körperregion ausgeübt wird. Hierzu reicht bereits die Belastung durch das eigene Körpergewicht aus, wenn ein gewisser Zeitrahmen überschritten wird. In der Regel treten in der Zeitspanne von bis zu zwei Stunden keine Beeinträchtigungen auf, überschreitet die Druckbelastung jedoch diese Dauer, ist ein kritischer Wert für die betroffene Hautregion erreicht.

Durch den dauerhaften Druck wird die Blutversorgung des Gewebes stark behindert oder gar vollständig unterbrochen. Der Druck von außen überschreitet somit den durch den Blutfluss bedingten sogenannten Kapillardruck in den kleinsten Blutgefäßen, die Durchblutung und die Nährstoffversorgung der Zellen kann nicht mehr aufrechterhalten werden. Dies führt zu einer verstärkten Weitung der Blutgefäße, was äußerlich zunächst als Rötung erkennbar ist.

Da sowohl die Sauerstoffzufuhr als auch der Abtransport der Abfallstoffe nun nicht mehr funktionieren können, kommt es zu einer Übersäuerung des Gewebes (Azidose). Diese Übersäuerung löst bei gesunden Menschen einen Reflex aus, der zur unwillkürlichen Entlastung des betroffenen Areals führt. Ist der Patient aus verschiedenen Gründen, sei es aufgrund von Lähmungen oder Nervenschädigungen oder auch durch Verwendung starker Schmerzmittel, nicht in der Lage, diesen Druckschmerz zu empfinden, und die betroffene Stelle zu entlasten, kommt es zur Zerstörung des Gewebes (Nekrose), eine offene Wunde entsteht. In einigen Fällen kann es vorkommen, dass auch bei bereits geschädigten Hautpartien die Druckbelastung nicht gemindert wird.

Die Folge ist ein immer tiefer in die Gewebeschichten hinein reichendes Druckgeschwür, was sich in besonders schweren Fällen gar bis hin zu den Knochen ausdehnen kann.

Ein Dekubitus ist für den Patienten eine starke Belastung. Neben den anfänglichen Schmerzempfindungen durch den Dekubitus kann es im weiteren Verlauf des Druckgeschwürs zu Infektionen der Wunde kommen, die den in den meisten Fällen bereits belasteten Organismus des Patienten zusätzlich beeinträchtigen. In besonders schweren Fällen von Dekubitus kann es zu einer lebensbedrohlichen Sepsis (Blutvergiftung) kommen. Eine durch die Wundinfektion bedingte Geruchsentwicklung und eine seelische Belastung der Betroffenen sind weitere Folgen von Dekubitus.

Welche Körperregionen sind besonders durch Dekubitus gefährdet?

Ein Dekubitus entsteht hauptsächlich an Körperstellen, bei denen Knochen oder Knorpel unmittelbar unter der Haut liegen, also nicht durch darüber liegende Muskel- oder Fettschichten geschützt sind. Bei liegenden Patienten finden sich in Rückenlage häufig Druckgeschwüre an Hinterkopf, Schulterblättern, Kreuzbein und Fersen. In Seitenlage gelagerte Patienten entwickeln häufig in der Beckenregion, an Ellbogen, Knien, Fußknöcheln oder auch der Ohrmuschel Gewebedefekte. Bei Patienten, die hauptsächlich im Rollstuhl sitzen, sind meist die Steißregion, die Kniekehlen und die Fersen von Dekubitus betroffen.

Zusätzlich kann festgestellt werden, dass eine erhöhte Hautfeuchtigkeit, beispielsweise durch starkes Schwitzen oder auch durch Inkontinenz bedingt, dazu führt, dass die Haut weniger widerstandsfähig und somit anfälliger für Druckgeschwüre ist. Auch Hautareale, die Reibung und Scherkräften, wie sie beispielsweise durch „Herunterrutschen“ im Rollstuhl entstehen können, ausgesetzt sind, sind stärker von der Entstehung einer Dekubitus-Erkrankung gefährdet.

Nicole Breuer

18.06.15

Entstehung
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