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Diabetes-Folgeerkrankungen: Neuropathie und Retinopathie

Wenn Diabetes mellitus nicht oder nur unzureichend behandelt wird, können im Laufe der Zeit Folgeerkrankungen auftreten. In der aktuellen Ausgabe von Befund Diabetes werden zwei dieser Erkrankungen genauer unter die Lupe genommen. Prim. Univ.-Prof. Dr. Monika Lechleitner, Hochzirl, berichtet im Interview über die diabetische Neuropathie (Nervenschädigung), Prim. Doz. Dr. Robert Hörantner, Ried im Innkreis, über die Retinopathie (Netzhauterkrankung).

Die diabetische Neuropathie

Frau Prof. Lechleitner, was versteht man unter Neuropathie?

Die diabetische Neuropathie zählt zu den diabetischen Spätkomplikationen. Unter dem Begriff der diabetischen Neuropathie werden Störungen der peripheren sensomotorischen und autonomen Nervenfunktion zusammengefasst.

Wie viel Prozent der Diabetiker leiden an einer Neuropathie?

Typische Symptome einer Neuropathie finden sich bei rund 30 % aller Diabetiker, vor allem bei gezielter Befragung. Rund 20 bis 50 % der Diabetiker mit Neuropathie leiden an neuropathischen Schmerzen.

Wie wirkt sich die Neuropathie aus, welche Symptome treten auf?

Die sog. distale symmetrische Neuropathie stellt mit bis zu 70 % die häufigste Manifestationsform der diabetischen Neuropathie dar. Die betroffenen Patienten berichten über Schmerzen und Gefühlsstörungen an den unteren und oberen Extremitäten. Die Beschwerden sind symmetrisch und breiten sich strumpf- bzw. handschuhförmig zum Körperzentrum hin aus. Die Schmerzen werden als brennend, bohrend und krampfartig beschrieben und zeigen eine Zunahme während der Nachtstunden. Die Neuropathie führt zu einer starken Beeinträchtigung der Lebensqualität. Aufgrund der Gefühlsstörungen können Verletzungen, vor allem im Fußbereich, unbemerkt bleiben und zur schwerwiegenden Komplikation eines diabetischen Fußulcus führen. Zum Formenkreis der diabetischen Neuropathie zählen auch die Mononeuropathie (Auftreten von Lähmungen im Bereich der Augenmuskelnerven etc.), Kompressionssyndrome (Karpaltunnelsyndrom), die diabetischen Radikulopathie und die autonome Neuropathie.

Welche Therapiemöglichkeiten stehen zur Verfügung?

Die Basismaßnahme zur Prävention und Therapie der diabetischen Neuropathie ist die Optimierung der Blutzuckereinstellung. Thioctsäure verbessert in tierexperimentellen Untersuchungen den neuralen Blutfluss und steigert die Synthese und Sekretion neuraler Wachstumsfaktoren. Zur symptomatischen Therapie der schmerzhaften diabetischen Neuropathie stehen Analgetika, Antidepressiva und Antiepileptika zur Verfügung. Die schmerzhemmende Wirkung trizyklischer Antidepressiva ist unabhängig vom antidepressiven Effekt. Aufgrund des Nebenwirkungsprofils kommen trizyklinische Antidepressiva nur bedingt zum Einsatz und sind bei älteren Patienten grundsätzlich nicht angezeigt. Duale Serotonin-Noradrenalin-Re-uptake-Hemmer finden in der symptomatischen Therapie der diabetischen Neuropathie Einsatz. Bei therapierefraktären Schmerzen kann die elektrische Rückenmarkstimuation eine Behandlungssoption darstellen.

Die diabetische Retinopathie

Herr Dr. Hörantner, was versteht man unter Retinopathie?

Bei der Retinopathie kommt es zu pathologischen Gefäßveränderungen an der Netzhaut, vor allem bei den kleinen Blutgefäßen, den Kapillaren. Das hat zur Folge, dass die Netzhaut minderdurchblutet wird. Risikofaktoren, welche die Retinopathie begünstigen, sind u. a. die Dauer der Diabeteserkrankung, Bluthochdruck (Hypertonie), eine schwere diabetische Nephropathie, Adipositas, erhöhte Blutfette (Hyperlipidämie), Blutarmut (Anämie) sowie eine Schwangerschaft.

Wie viel Prozent der Diabetiker leiden an einer Retinopathie?

Bei den Typ-1-Diabetikern sind es rund 40 %, bei den Typ-2-Diabetikern ca. 20 %. Die Retinopathie stellt zwischen dem 20. und 65. Lebensjahr die häufigste Ursache für eine Erblindung dar. Nach 20 Jahren Diabetesdauer finden sich bei bis zu 90 % der Diabetiker Netzhautveränderungen.

Wie wirkt sich die Retinopathie aus, welche Symptome treten auf?

Die Patienten merken eine Retinopathie an der Einschränkung ihrer Sehleistung. Zu den Ursachen zählen eine Schwellung im Bereich des schärfsten Sehens (Makular), Glaskörperblutungen und im schlimmsten Fall eine Netzhautablösung, die einen totalen Sehverlust zur Folge haben kann. Weiters können Schmerzen auftreten, da der Augeninnendruck ansteigt (Sekundärglaukom), eine Augenmuskellähmung mit Auftreten von Doppelbildern sowie früheres Auftreten von grauem Star (Katarakt).

Welche Therapiemöglichkeiten stehen zur Verfügung?

Es stehen zwei verschiedene Methoden mit Netzhaut-Lasern zur Verfügung – je nachdem, ob die zentrale oder die periphere Netzhaut betroffen ist. Die zweite Behandlungsmöglichkeit, neben dem Laser, sind Injektionen in den Glaskörper des Auges mit Gefäßwachstumsfaktorhemmern oder Kortison (Intravitreal). Wenn der Augendruck ansteigt, wie es beim Sekundärglaukom der Fall ist, werden drucksenkende Medikamente verabreicht. Bei der Netzhautablösung kommt die Netzhautchirurgie zum Einsatz. Um das Risiko von Komplikationen am Auge zu reduzieren, ist für Diabetiker eine gut eingestellte Stoffwechsellage obligat. Wichtig sind zudem regelmäßige Kontrollen beim Augenarzt, um bei Problemen sofort eine Therapie einleiten zu können. Für den Augenarzt sind oft bereits Veränderungen am Auge sichtbar, obwohl der Patient noch keine Beschwerden hat. Ab der Diagnose Diabetes rate ich zu regelmäßigen Kontrollen mit entsprechend kurzen Intervallen, denn bei rechtzeitiger Therapie ist die Wahrscheinlichkeit eines schweren Sehverlustes deutlich geringer.

Quelle: Befund Diabetes Österreich 02/2013

07.01.14

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