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Diagnose von Tinnitus

Aufgrund der Angaben der Patienten ist die Diagnose durch den Facharzt schnell gestellt – der Betroffene beschreibt ein Ohrensausen oder -klingen, ein mehr oder minder störendes Geräusch ohne äußere Quelle, seine Dauer und das Symptom Tinnitus ist klar zu benennen. Es bedarf mitunter allerdings einer Reihe zusätzlicher Untersuchungen – zum einen, um die Art und Ausprägung der zugrundeliegenden Krankheit zu erkennen; zum anderen, um den Schweregrad und die Komplexität der sekundären Symptome zu erfassen, die sich um das Ohrensausen oder -klingen herum gebildet haben.

Zur Diagnose von Tinnitus einen Facharzt aufsuchen

Idealerweise suchen die Betroffenen innerhalb der ersten 24 Stunden nach Auftreten des Ohrensausens oder -klingens einen HNO-Arzt oder eine HNO-Klinik auf. Je früher ein Tinnitus aurium erkannt wird und die ihm zugrunde liegende Erkrankung diagnostiziert werden kann, desto günstiger ist die Prognose – sowohl für die Therapie dieser Grunderkrankung als auch für eine zügig eingeleitete Behandlung des Ohrensausens und -klingens selbst.

Schritte der Tinnitus-Untersuchung und -diagnose

In einem ersten Schritt wird der Arzt in einer genauen Gespräch die Angaben des Patienten zu Symptomen, Beschwerden und seiner Vorgeschichte aufnehmen. Hat das Pfeifen im Ohr plötzlich oder schleichend begonnen? In welchem Ohr tritt das Ohrensausen oder -klingen auf, seit wann, unter welchen Bedingungen, wie laut? Kann der Tinnitus durch andere Geräusche, Kieferbewegungen, Sport oder Gymnastik beeinflusst werden? Steht der Patient unter allgemeinem Stress? Hat er einen Unfall gehabt? Ist das Ohrensausen oder -klingen von Gefühlen des Schwindels oder Störungen des Gleichgewichtssinns begleitet? Wie ist der Schlaf des Patienten, hat er Kopfschmerzen, bestehen sonstige Erkrankungen – v. a. im Herzkreislauf-System, im Hals-Nasen-Ohren-Bereich oder Erkrankungen des Stoffwechselsystems? Welche Medikamente nimmt er ein? Wen hat er bereits aufgesucht, was hat schon versucht? Und auch diese Frage ist wichtig: Als wie belastend empfindet der Patient selbst das Ohrgeräusch?

In der Folge ist eine genaue Untersuchung des gesamten Hörsystems vorzunehmen. Notwendig sind eine umfassende HNO-ärztliche Untersuchung, hinzu kommen, je nach Lage des Falles, audiometrische, also die Hörfähigkeit betreffende Tests, das sogenannte „Tinnitus-Matching“ (zur Bestimmung der Frequenz eines Pfeifens im Ohr) und „Tinnitus-Masking“ (zur Bestimmung, welche Geräusche das Ohrensausen überdecken können), eine bildgebende Untersuchung – z. B. Kernspintomografie -, um die hirnversorgenden Gefäße und Gefäßprozesse zu examinieren, die bei der Entstehung eines Tinnitus eine Rolle spielen können, und schließlich eine psychosomatische Exploration, mithilfe derer der subjektiv erlebte Schweregrad und die sekundäre Symptomatik des Ohrensausens oder –klingens erfasst werden.

Häufige angewandte Diagnose-Methoden bei Tinnitus sind:

  • Ohrmikroskopie: Eine erste visuelle Untersuchung des Außenohrs und des Trommelfells mit dem Ohrenmikroskop gibt Aufschluss darüber, ob möglicherweise ein Schmalzpfropf oder eine Verschmutzung das Ohrensausen ausgelöst hat.
  • Nasopharyngoskopie: Eine Spiegelung des Mund-, Nasen- und Rachenraums hilft, die Umgebung des Ohres auf Veränderungen hin zu prüfen.
  • Audiometrie: Dem Patienten werden mithilfe eines Kopfhörers bestimmte Töne in verschiedenen Frequenzen eingespielt. Die Lautstärke wird in Schritten erhöht. Dabei liegt die Frequenz der einzelnen Töne bei 125 Hertz und geht bis 8000 Hertz hoch. Der Test erfolgt jeweils für jedes Ohr separat. Mit einem Auslöseknopf kann der Patient angeben, wann er den Ton hört/wahrnehmen kann. Eine Variante des Tests stellt die Weiterleitung des Schalls direkt über den Knochenhöcker hinter der Ohrmuschel dar. Hierbei wird das Gerät direkt auf den Höcker aufgesetzt und dann werden die Töne eingespielt. Bei dieser Methode erfolgt die Schallweiterleitung nicht über das Mittelohr. So kann ermittelt werden, welche Leistung das Innenohr erbringen kann.
  • Sprachaudiometrie: Hierbei werden, anders als bei der Audiometrie, gesprochene Zahlen oder knappe Wörter in verschiedenen Lautstärken eingespielt. Mit dieser Methode soll das Verständnis von Sprache beim Patienten getestet werden.
  • Messung der Unbehaglichkeitsschwelle: Der Arzt stellt fest, bei welcher Lautstärke der Patient einen Ton als unangenehm empfindet. Bei Tinnitus-Patienten liegt die Unbehaglichkeitsschwelle niedriger als bei nicht erkrankten Personen: Die Empfindlichkeit gegenüber höheren Lautstärken ist gesteigert.
  • Tinnitus-Bestimmung: Mit bestimmten Tests sollen die Frequenzen und die Lautstärke der Beschwerden wie Ohrenklingen oder Ohrensausen ermittelt werden. Dies wird als Tinnitus-Matching bezeichnet. Um die störenden Ohrgeräusche übertönen zu können, wird im Tinnitus-Masking ermittelt, welche Töne eingesetzt werden könnten.
  • Tympanometrie: Durch leichte Veränderungen des Drucks im äußeren Gehörgang wird die Beweglichkeit des Trommelfells gemessen.
  • Stapediusreflexmessung: Der Muskulus stapedius ist ein Muskel, der sich am Steigbügel befindet. Er zieht den Steigbügel bei einem sehr lauten Ton vom Innenohr weg, um dieses zu schützen. Die Messung misst die Reaktion dieses Muskels auf verschiedene Töne. Der Stapediusreflex wird hierbei bei Tönen zwischen 80-90 Dezibel bei einem regulären Mittelohrdruck ausgelöst. Diese Methode ist objektiv, da sie ohne das subjektive Empfinden des Patienten durchgeführt werden kann.
  • Hirnstammaudiometrie: Über einen Kopfhörer werden beiden Ohren abwechselnd Geräusche verschiedener Lautstärke vorgespielt, dabei werden schmerzfrei entsprechende Hirnströme des Hirnstamms gemessen (nach dem BERA-Verfahren, einer Sonderform der Elektro-Enzephalografie EEG). Diese Untersuchung hilft, Nervenveränderungen zu erkennen und andere Grunderkrankungen (z. B. Tumoren) auszuschließen.
  • Vestibularisprüfung: Der Vestibularapparat (das im Innenohr gelegene Gleichgewichtsorgan) wird auf Funktionsfähigkeit geprüft, indem der Patient in verschiedene Lagen gebracht wird (Beugen, Kopfschütteln usw.), ein Computer seine begleitenden Augenbewegungen aufzeichnet und auswertet.
  • Bildgebende Verfahren: Bildgebende Verfahren sind diagnostische Methoden, die Bilder aus dem Körperinneren liefern – z. B. Ultraschalluntersuchungen, Röntgenbilder oder die Computertomografie. Hier werden verschiedene Methoden angewandt, um die Hintergründe des Tinnitus – buchstäblich – zu durchleuchten.

Je nach Befund der Untersuchungen muss der HNO-Arzt eventuell weitere Fachärzte oder – im Krankenhaus – Fachabteilungen hinzuziehen, möglicherweise auch aus der Psychiatrie, um die Entstehung des Ohrensausens oder –klingens auf verschiedene Grunderkrankungen zurückführen zu können. Erst wenn all diese Informationen erhoben und ausgewertet sind, ist der HNO-Arzt in der Lage, eine passende Therapie für seinen von Ohrensausen oder -klingen betroffenen Patienten zu entwickeln.

Jochen Winkelmann

03.02.15

Diagnose
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